Leopold Maurer, Miller & Pynchon
Erste Überraschung: Miller und Pynchon sind eigenständige Kunstfiguren, die sich bloß aus Schicksalsgläubigkeit heraus die großen Namen amerikanischer Schriftsteller geliehen haben, zweite Überraschung: es gibt mehr zu sehen als zu lesen, denn bei Miller & Pynchon handelt es sich um einen Comics-Roman.
Miller und Pynchon sind Landvermesser, Kafka schau' herunter, und haben einen verrückt einfachen Auftrag, sie müssen eine Demarkationslinie zwischen Nord und Süd vermessen.
Novellen sind üblicherweise eine spannende Angelegenheit, die auf ein Hauptereignis hin getrimmt und mit einer edlen Sprache umhüllt ist. Die Tschetschenen-Novellen von Zambulat Idiew hingegen könnte man als Brutalo-Novellen bezeichnen.
Vermutlich gibt es kein größeres Gegensatzpaar als die Heimat rund um uns und das Weltall weit weg von uns. Enno Stahl siedelt seine zwei Zyklen einmal ganz nah und einmal ganz ferne an, aber da die Methode der Darstellung gleich ist, vermischen sich auch Nähe und Ferne.
Wenn es ein Weltall gibt, das der Welt entspricht, muss es auch ein Birnall geben, das dem Birnbaumer entspricht.
Schlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.
"Als ich heute Morgen aufwachte, war ich alt. (244) - Selten tritt das Ergebnis eines ganzen Romans mit einem so klaren Satz zu Tage wie am Schluss von Dan Lungu's "roter Babuschk".
Ganz selten verströmt ein Roman eine solch plastische Wahrheit, dass man als Leser mit beiden Händen zupackt und den Text nie mehr im Leben aus der Hand geben will. Winfried Gindls Kompakt-Text über einen Herrenabend aus dem Jahr 1981 ist so ein Roman.