Aktuelle Buchtipps

 

Manfred Wieninger, Rostige Flügel

h.schoenauer - 16.06.2008

Buch-CoverDiese österreichische Seele rostet nirgendwo so fluguntauglich dahin wie in der Provinz.

Harland ist die Hauptstadt dieses düsteren Desasters an Lebenswille, die Figuren gehen wie in einem Thomas-Bernhard-Alptraum geduckt und geil durch die Szenerie, und wenn etwas geschieht, dann entweder als Gerücht oder als unheimliche Übertreibung.

Magdalena Kauz, der Hut, das Wasser, die Liebe

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverWie lassen sich so lebenswichtige Dinge wie ein Hut, das Wasser und die Liebe unter einen Hut bringen? Funktioniert es vielleicht so nach dem Spiel "Schere, Stein Papier"?

In der Erzählung von Magdalena Kauz kommen die Dinge des Lebens sehr vorsichtig frei gekratzt zum Vorschein. Oft wird etwas nur angedeutet, ab und zu sieht man nur einen Ausschnitt, manchmal gibt es keinen zweiten Satz, wenn der erste schon üppig genug ist.

Susanne Schaber, Großes Welttheater auf kleiner Bühne

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverEs gibt so Landstriche auf dem Kontinent, wo sich tatsächlich hinter jeder geographischen Krümmung eine neue Welt auftut.

Die Gegend um Triest und die Kulturoase Friaul stellen eine ideale Bühne dar, um auf engstem Raum großes Welttheater aufzuführen. Und tatsächlich sind die vorgestellten Protagonisten alle Mitglieder eines Weltorchesters von hervorragenden Köpfen.

Angelika Rainer, Luciferin

h.schoenauer - 15.06.2008

Buch-CoverObwohl der Stoff eigentlich aus der Pigment-Biologie stammt, ist er wie geschaffen für die Literatur. Luciferin, das wie ein Putzmittel oder ein weiblicher Teufel klingt, ist ein seltsamer Leuchtstoff, halb Verwesung, halb Erotik.

Angelika Rainer schickt eine verrückt sensible Zwergin in die Welt hinaus, damit sie aus verschiedensten Wahrnehmungen Licht in die Dunkelheit pumpt.

Mike Markart, Dillingers Fluchtplan oder Karajan umzubringen war mir ein Bedürfnis

h.schoenauer - 09.06.2008

Buch-CoverDer beste Erzähler ist nach wie vor ein Parasit, der mitten im Text seine Zwischenwirts-Helden umbringt.

Mike Markarts Erzählkonzept ist genial. Ein Ich-Erzähler kann sich im Schlaf nur dann halbwegs regenerieren, wenn er darin in eine andere Figur schlüpft. Diese Figur muss eliminiert werden, erst dann gibt es ein sattes Aufwachen und räkelndes Durchstrecken des erzählenden Körpers.

Verein für Kultur in Inzing (Hrsg.), andernWOrts

andreas.markt-huter - 28.05.2008

Buch-CoverDer Kulturort Inzing leistet sich nicht nur eine der besten Dorfzeitschriften Tirols und ein bemerkenswert upgedatetes Dorfbuch, sondern stellt sich zwischendurch immer wieder auswärtigen literarischen Testern, die dem Eigenbild der Einheimischen auf den Zahn fühlen.

Im Herbst 2007 durften sich die Autorinnen Seher Cahir aus Istanbul, Sarita Jenamani aus Cuttack / Indien und der Autor Sina Tahayori aus Shiraz / Iran in Inzing einquartieren mit der Bedingung, "eppes" zu schreiben. Alle Ortstester leben mittlerweile in Wien, sodass An- und Abreise innerhalb eines Tage von statten gehen konnten.

Mariusz Szczygiel, Gottland

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-CoverAlles was Karel Gott besingt, ist Gott-Land. Kein Wunder also, wenn man ein Museum zu seinen Ehren Gottland nennt, welches das Publikum aus dem Häuschen bringt, wie Elvis in Memphis seinen Fans aus dem Jenseits heraus die Tränen der Rührung über die Wangen träufelt.

Ein polnischer Journalist macht sich in diesem Reportagen-Band auf, seine direkten Nachbarn in Tschechien ein wenig auf den Zahn zu fühlen und ihnen jenen grotesken Spiegel andersrum vorzuhalten, für den die Tschechen ja weltberühmt sind.

Thomas Pynchon, Gegen den Tag

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-CoverDa sich ein echter Pynchon-Roman kaum rezensieren lässt, hier ein paar persönliche Tipps, was man sich so denken könnte, während man im Monsterwerk blättert.

1. Kaum ein Buch kommt einem gedruckten Internet so nahe wie Thomas Pynchons Against The Day. Am Besten liest man den Roman persönlich, wie man ja auch das Internet persönlich aufruft und fallweise liest.

Matto Kämpf u.a., Das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten

h.schoenauer - 25.05.2008

Buch-Cover

Ein Lexikon ist, wenn man es freiwillig und ohne Prüfungsstress benützen darf, eine fröhliche Unterhaltungsform, um einem Thema bis zu dessen eigener Verpuffung auf die Schliche zu kommen.

Einmal in der Hand gehalten, ist das Lexikon der ausgestorbenen Sportarten etwas vom Natürlichsten und Harmonischsten von der Welt.

Margriet de Moor, Der Jongleur

h.schoenauer - 20.05.2008

Buch-CoverWie ticken Artisten, wenn sie unter sich im Hotel sind? - Wenn die Zuschauer nach Hause gegangen sind und ihr Divertimento (Vergnügen) gehabt haben, müssen sich die Artisten mit sich selbst beschäftigen.

Dabei gehen sie offensichtlich genau so leidenschaftlich und sorglos mit einander um wie das Publikum es offensichtlich tut, das sie soeben nach Hause entlassen haben.