„Warum hast du mich in diese Welt zurückgerufen?, fragte er, als er wieder aus dem Dunkel ins Wachsein gezogen wurde. Obwohl er keinen Körper aus Fleisch und Blut hatte, peinigte ihn immer noch Schmerz, den er mit dem Leben selbst hinter sich gelassen zu haben glaubte, und quälten ihn Gedanken, die nicht von ihm weichen wollten. Warum hast du mich aus dem seligen Vergessen gezerrt? Und wie übst du solche Macht, aus, die Bande des Todes selbst zu zerreißen? Stell keine Fragen, Hakatri vom Haus der Tanzenden Jahre, beschied ihn die Stimme von Dreien. Du bist gerufen worden, weil nur du tun kannst, was getan werden muss.“ (S. 37)
Die einzelnen Handlungsstränge der zahlreichen Protagonisten ziehen sich immer enger zu einem großen Finale zusammen. Die Nornenkönigin Utuk’ku verfolgt weiterhin ihren geheimen Plan mit Hilfe des von den Toten zurückgeholten Sithaprinzen Hakatri das Schwesternvolk der Zida’ya oder Sithi und die Menschen zu vernichten. König Simon und seinen Zida’ya Freunden bleibt nicht viel Zeit, um den drohenden Angriff der Königin abzuwehren.
Nachdem Pasevalles, der Großkanzler des Königreichs, sein wahres Gesicht gezeigt, König Simon ins Verließ sperren hat lassen und die Flucht ergreift, kommt es zu einem Überfall der Nornen auf den Hochhorst, der in Flammen gelegt wird. Simon überlebt den Angriff durch die Hilfe Jirikis uns seiner Sithi und macht sich mit diesen auf den Weg nach Norden ins Tal der Nebel nach Tanakirú. Begleitet wird der König von seiner kleinen Enkeltochter Lillia, von welcher der Geist der totgeglaubten Geloë Besitz ergreift. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die fürchterlichen Pläne der Nornenkönigin Utuk’ku zu vereiteln.
In der Zwischenzeit kehrt Königin Miriamel zum abgebrannten Hochhorst zurück, wo ihr berichtet wird, dass ihr Ehemann, König Simon verstorben sein soll. Gemeinsam mit dem Berater Tiamak macht sich die Königin auf den Weg, um den Verräter Pasevalles zur Strecke zu bringen, bevor es ihm gelingen kann, als neuer Hochkönig von Osten Ard die Macht zu ergreifen.
Auch Prinz Morgan und die ausgestoßene Hikeda’ya-Kriegerin Nezeru befinden sich auf dem Weg nach Norden, wo sie auf Morgans Trollfreunde Klein-Snenneq und Qina treffen, die sie begleiten. Die Beziehung zwischen Morgan und der Opfermutigen Nezeru beginnt für die beiden zunehmend schwierig zu werden, weil Nezeru ihre Gefühle zu einem Menschen problematisch erachtet.
Bei den Hikeda’ya laufen die Arbeiten zu einem Tunnel auf Hochtouren, mit dem die Nornenkönigin die Sithi aus dem Hinterhalt angreifen und die endgültige Niederlage zufügen will. Viyeki sey-Enduy, der Großmagister vom Orden der Bauleute, wird von Utuk’ku immer mehr unter Druck gesetzt, den Tunnel rechtzeitig fertigzustellen. Ihre Grausamkeit lässt Viyeki zunehmend an der Autorität der Königin zweifeln und seinen Widerstandsgeist erwachen.
Die verschiedenen Erzählstränge des Fantasy-Epos nehmen Fahrt auf und zielen auf eine alles entscheidende Auseinandersetzung hin. Die Nornenkönigin zieht ihr Netz immer enger zusammen und droht die dunklen Mächte der Vergangenheit für ihre Ziele einzusetzen.
Tad Williams gelingt es beharrlich die Geschichte immer stärker voranzutreiben und die verschiedenen Erzählfäden zusammenzuführen. Ein überaus spannender erster Teil eines fesselnden Finales, der voll Neugier das Ende erwarten lässt.
Tad Williams, Die Kinder des Seefahrers 1. Aus d. Reihe Der letzte König von Osten Ard Band 4, übers. v. Cornelia Holfelder-von der Tann / Wolfram Ströle [Orig. Titel: The Navigators's Children. The Last King of Osten Ard, book 4], ab 16 Jahren
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Stuttgart: Hobbit Presse / Klett-Cotta Verlag 2025, 688 Seiten, 26,80 €, ISBN 978-3-608-96611-4
Weiterführende Links:
Hobbit Presse: Tad Williams, Die Kinder des Seefahrers 1
Wikipedia: Tad Williams
Andreas Markt-Huter, 03-11-2025