Rudyard Kipling, Wie der Leopard zu seinen Flecken kam und andere Tiergeschichten
Früher soll es unter gebildeten Schichten lästige Kinder gegeben haben, die dem Hauslehrer oder der Gouvernante ein Loch in den Bauch gefragt haben sollen. Seit KI lösen die Kids unabhängig von ihrem sozialen Stand die Fragen mit einer App.
Rudyard Kipling hat sein Dschungelbuch wohl aus kolonialistisch-pädagogischen Gründen geschrieben, die Fauna des indischen Dschungels wurde straff anglisiert und mit Spielregeln der britischen Upperclass unterlegt. Geblieben ist ein Stoff, der sich scheinbar unverfänglich einsetzen lässt wie etwa Cäsars Gallischer Krieg, der aber den Nachteil hat, dass man die politische Komponente nie mehr aus dem Lesegedächtnis bekommt, wenn man einmal aufklärerisch damit abgeduscht worden ist.
„Weit im Norden des Waldes, am höchsten Punkt der Krone eines Flügelfruchtbaums, befand sich ein großes Nest. In diesem Nest lebte eine Familie von Störchen. Die Storchmutter Lilly kümmerte sich dort um drei quengelnde hungrige Küken. Lilly hatte glänzend schwarze Augen, einen spitzen Schnabel und schneeweißes Gefieder. Die Federn ihrer Flügel waren Schwarz und ihre schlanken langen Beine waren rot.“ (S. 11)
„Es war einmal ein kleiner Samthase, und am Anfang sah er wirklich toll aus. Er war dick und flauschig, wie so ein Hase sein soll. Sein Fell war braun-weiß getupft, er hatte einen richtigen Schnurrbart aus Garn, und seine Ohren waren mit rosa Seide gefüttert. Es sah zauberhaft aus, wie er da am Weihnachtsmorgen mit einem Stechpalmenzweig zwischen den Pfoten ganz oben im Strumpf des Jungen steckte.“ (S. 5)
„Ja, der Tag ist wirklich schön. Gust kann froh zur Arbeit gehen. Dort kommt Rico ganz allein. «Gust, mein Sattel ist zu klein!» Gust hat noch ein paar Sachen stehen. «Bitte sehr – und gern geschehen!»“
„Flora Brimble ein gut gelauntes Mädchen zu nennen, war eine glatte Übertreibung. Und wer will schon ein Buch mit einer Übertreibung beginnen, zumal die Ereignisse in den nächsten Kapiteln schon unglaublich genug sein werden. Versprochen! Also halten wir fest, unsere Flora war kein fröhlicher Sonnenschein. Sie war eher wie ein Regentag. Kein schlimmer, an dem es wie aus Kübeln schüttete. Nein, sie war eher wie ein feines Nieseln, das einen frech an der Nase kitzelt.“ (S. 7)
„Wieder einmal saß Grimlin auf dem luftigen Sitzplatz, den sich der kleine Wichtel in den untersten Ast der Kastanie gebaut hatte. Gerade ging die Morgensonne auf über der Flüsternden Weite, wie die saftige grüne Wiese vor Grimlins Mooshäuschen von allen Wichteln genannt wurde.“ (S. 13)
„Möwe Heit ruft: »Hört mal her! / Wir brauchen Urlaub, und zwar sehr! / Wir wollen’s wie die Menschen machen: / Wir packen unsre Siebensachen, / fliegen weg und haben frei!« // »Ich und mein Schwimmtier / sind dabei!« // Eyk Möwe geht in Position. / Da kommen Dix und Dede schon!“
„»Lauf, Wolf, lauf! Sonst kriegt er dich!« »Ich renn doch schon, so schnell ich kann, Krähe!« »Dann lauf noch schneller!« »Ich kann aber nicht schneller!« »Wenn ein Höhlenbär hinter einem her ist, kann man immer schneller laufen, als man denkt!« Und das stimmt. Beides. Krähe und Wolf werden tatsächlich von einem Höhlenbären verfolgt.“ (S. 10 f)
„Izzy glaubt nicht an Magie. Izzy liebte Naturwissenschaften. Sie träumte davon, die beste Erfinderin aller Zeiten zu werden! Jeden Tag zog sich Izzy Schutzbrille und Laborkittel über und machte sich an ihre unglaublichen Experimente. „Ich schütte nur noch etwas mehr Backnatron dazu ...“ Zisch! Sprudel! (S. 9 f)
„Hier sind wir, irgendwo im Nirgendwo, im SUPER-FRÖHLICHEN ZAUBERWALD. Ein Ort voller Spaß, wo Regenbögen aus dem Boden schießen und Eis an den Bäumen wächst. Ja, Eis, zum Essen, wächst hier an den Bäumen! In allen möglichen Geschmacksrichtungen. Außer Pfefferminz. Niemand mag Pfefferminzeis. Wenn du ganz lieb Bitte sagst, bekommst du sogar Streusel drauf.“ (S. 1)