„Natürlich warf Tom sich später vor, dass er nicht sofort begriffen hatte, dass mit diesem Baum etwas ganz und gar nicht stimmte. Aber später war man immer klüger und es war schließlich nicht leicht, irgendeinen klaren Gedanken zu fassen, wenn Weihnachtsmusik durch alle Räume dröhnte – Frank Sinatra wie jedes Jahr, obwohl Lola diesmal Taylor Swift dazwischenmischte.“ (S. 15)
Tom Tomsky, der mit Hedwig Kümmelsaft und dem liebenswerten Gespenst Hugo MUG das weithin bekannte Gespensterjägertrio bildet, ist kein großer Freund von Weihnachten. Und dass seine Eltern für ihn, obwohl er bereits zwölf Jahre alt ist, immer noch einen Weihnachtsmann anstellen, verärgert ihn ganz besonders. Lieber hätte er seine Zeit mit seinen Geisterjägerfreunden verbracht. Er ahnt nicht, dass dieses Weihnachtsfest eine ganz besondere Überraschung für ihn bereithalten wird, auf die er lieber verzichtet hätte.
Als der Weihnachtsbaum in Wohnzimmer gebracht wird, bemerkt Tom, dass dieser einen ungewöhnlichen Duft verströmt, den seine Mutter aber rasch mit einem Tannen-Duft-Spray überdeckt. Während die Familie etwas später mit dem Auspacken der Geschenke beginnt, beobachtet Tom, wie sich der Baum bewegt und mit seinen Armzweigen sich seine Mutter, seinen Vater und seine Schwester Lola schnappt und in Weihnachtsbaumfiguren verwandelt, die nun an seinen Zweigen als Christbaumschmuck hängen.
Tom gelingt es mit Hilfe von Hugos Weihnachtsgeschenk, einer Portion MUG-Schleim, das Weihnachtsbaum-Gespenst aufzuhalten und zu seinen Gespensterjägerfreunden zu fliehen. Mit Hilfe der „Datenbank Professioneller Gespensterjäger“ gelingt es Hedwig, das Gespenst als „WeihnachtsBaumSpuk“ zu identifizieren. Zu ihrem Leidwesen ist über dieses Gespenst nur wenig bekannt. Vor allem weiß niemand, ob und wie die verwandelten Personen wieder in ihre menschliche Gestalt zurückverwandelt werden können.
Die Gespensterjäger stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Sie müssen das Gespenst entdecken und seine Angriffsstrategien, Spukfähigkeiten und Schwächen erforschen, ohne seine Familie zu gefährden, die als Weihnachtsschmuck in den Zweigen des „WeihnachtsBaumSpuks“ hängt. Für Tom beginnt eine gefährliche Gespensterjagd, bei der nicht weniger als das Wohl seiner Familie auf dem Spiel steht.
Cornelia Funke verlegt ihre gruselige Abenteuergeschichte diesmal mitten in die Weihnachtszeit und lässt einen Weihnachtsbaum als Gespenst erscheinen. Auch steckt die Familie des jungen Helden diesmal selbst in großer Gefahr, was die jungen Leserinnen und Leser von der ersten Seite weg zu fesseln vermag. Die Geschichte überzeugt durch ihre liebenswerten Helden und durch ein besonders gruseliges Monster, das die Familie und die Weihnachtszeit gefährdet und sich nur durch viel Mut zur Strecke bringen lassen.
Neben einem spannenden Plot empfiehlt sich das Buch auch durch eine kindergerechte, einfach gehaltene Sprache und seine liebevoll gestalteten Illustrationen, in welchen sich die Ereignisse ausdruckstark widerspiegeln. Ein überaus fesselndes und unterhaltsames Kinderbuch, das ein spannendes Leseabenteuer garantiert.
Cornelia Funke, Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk. Aus d. Reihe, Gespensterjäger
Bd. 5, ill. v. Franziska Blinde, ab 8 Jahren
Bindlach: Loewe Verlag 2025, 176 Seiten, 15,40 €, ISBN 978-3-7432-2142-0
Weiterführende Links:
Loewe Verlag: Cornelia Funke, Gespensterjäger und der Weihnachtsspuk
Wikipedia: Cornelia Funke
Homepage: Franziska Blinde
Andreas Markt-Huter, 20-01-2026