Judith Burger, Opas Herz
„»Was hat Opa für eine Krankheit?«, fragt Hans während der langen Fahrt. »Hat er einen Verband? Kann er laufen? Muss er eklige Medizin nehmen?« Mama sitzt am Lenkrad, sie schweigt und zieht die Nase hoch. Papa dreht sich zu Hans um und sagt: »Opa muss bestimmt Medizin nehmen. Weil Opas Herz gestottert hat.« Hans weiß nicht, wie das ist, wenn ein Herz stottert. Ein Herz kann ja nicht sprechen. »Hoffentlich wird alles wieder gut«, sagt Mama leise.“ (S. 4 f)
Hans‘ Opa hatte einen Herzinfarkt und liegt im Krankenhaus. Hans fährt mit Mama und Papa zu Oma, um Opa zu besuchen, dem es nicht besonders gut geht. Während Papa Hans erklärt, dass Opas Herz gestottert hat, erzählt ihm Oma, dass Opas Herz gestolpert sei. Auch wenn sich Hans über Opas Krankheit nicht im Klaren ist, freut er sich darauf, ihn mit Oma im Krankenhaus zu besuchen.
„Piet der Dachs, kann heute das Aufstehen gar nicht erwarten. Mit einem weiten Satz springt er aus dem Bett. Er streckt sich und reckt sich und eilt zum Tisch. Dort steht eine Schüssel mit köstlichen Beeren, die er am Vorabend zubereitet hat. Denn Piet möchte gleich am frühen Morgen losmarschieren.“
„Mein Blick fällt auf einen schmalen Jungen in Hosenträgern, der unten am Geländer lehnt. Die Hände tief in die Taschen seiner Kniebundhose geschoben, schaut er mich direkt an. Als sich unsere Blicke treffen, legt er den Kopf kaum merklich schief. Eine blonde Strähne rutscht unter seiner Schiebermütze hervor und fällt in sein Gesicht. Und dann lächelt er.“ (S. 12)
„Einmal, da war ich schon in der ersten Klasse, habe ich auf der Straße etwas glitzern sehen. Ich bückte mich und hob es auf. Es war ein Ringlein. Ich trocknete es an meinem blauen Kleid ab und zog es über meinen Finger. Es war sehr schön, das Ringlein mit dem blauen Stein. Wie für mich gemacht, dachte ich, und es passte so wunderbar zu meinem blauen Kleid. Aber, dachte ich weiter, wem gehört es, wer hat das Ringlein verloren?“ (S. 11)
„Eines Tages fand ein Bärenjunge im Wald etwas, was er noch nie zuvor gesehen hatte. »Was ist das für ein merkwürdiges Ding?«, fragte er sich. Vorsichtig berührte er es mit seinen tapsigen Pfoten. »PLONK!« Das merkwürdige Ding machte ein schreckliches Geräusch.“
„Josh wohnte im Bahnhof, wie die anderen Zeitungsjungen. Sie nannten sich die Waterloo Boys, nach dem großen Gebäude, das erst vor wenigen Jahren eröffnet wurde. Der Bahnhof war ihre Heimat. Hier verkauften sie den Reisenden Zeitungen für zwei Pence und hatten niemanden, außer sich selbst. Die meisten schliefen, wo immer sie gerade Platz fanden. Die Mutigen legten sich auf den breiten Eisenträgern der weiten Dachkonstruktion zur Ruhe. Bis sie vom schrillen Pfeifen des ersten Zuges geweckt wurden und sie in der Druckerei flussaufwärts die neuesten Ausgaben der »London Times« abholten.“ (S. 7)
„In dieser Zauberschule wirst du einiges über die Welt um uns herum und ihre Magie erfahren. Diese Magie gilt es zu entdecken. Als Zauberinnen und Zauberer interessieren uns Stoffe und ihre Umwandlung. […] Auf diesen Seiten findest du viele Anleitungen zu magischen Experimenten und die Erklärungen, was dabei jeweils genau abläuft.“ (S. 2)
„Vollmondnächte waren eine große Sache. Denn dann musste jeder Wolf – vom kleinsten bis zum größten – dem Mond ein Lied vorsingen. Das war ihre Art, um Glück bei der Jagd zu bitten. Grauschnauz beschloss, zum Waldrand zu gehen, weg von seinem Rudel. Er wusste, dass das nicht in Ordnung war. Aber es fiel ihm einfach schwer, zu singen, wenn zwei Dutzend Wölfe neben ihm heulten.“
„In der Kälte dampft der kleine, nackte Körper wie ein frisch gebackener Laib Brot. Rasch schlägt Mika das Tuch wieder um den Säugling. »Wie heißt du?«, bringt sie schließlich hervor. Der Junge erschaudert und sieht die Straße hinunter. Als er Mikas Blick erwidert, verzieht er den Mund zu einem ängstlichen Lächeln. »Der Dunkle Engel weiß, dass ich sie genommen habe.« Ehe Mika etwas erwidern kann, dreht sich der Junge um und eilt davon.“ (S. 8)
„Meine Eltern treiben Geschäfte mit dem Tod. Genauer gesagt besitzen sie ein bescheidenes Bestattungsunternehmen in Alderley, dort, wo wir wohnen. Mit der Kutsche liegt es eine halbe Tagesreise von Bristol entfernt. Pa ist Möbeltischler von Beruf und hat begonnen schlichte Särge zu fertigen. Mama kümmert sich um die Aufbahrung der Leichen. »Die Toten können keinem mehr schaden«, bemerkt sie gern.“ (S. 11)