„Florentin seufzte, und er ging nachsehen, was den Kater so nervös machte. Es war ein kleines Mädchen. Sie lag zwischen den duftenden Minzblättern, schlief ruhig und umarmte einen rötlichen Stängel der Pflanze. Alles deutete darauf hin, dass das Mädchen … über Nacht an dem Stängel gewachsen war. Florentin stand eine Weile wie angewurzelt da und betrachtete das Mädchen.“ (S. 10 f)
Florentin, der 64-jährige Kapitän der Flussfähre „Blaue Moräne“ entdeckt eines Tages ein kleines Mädchen mitten in einer Pfefferminzpflanze, die er von einer außergewöhnlichen Marktfrau als Geschenk erhalten hat. Er nennt das Mädchen nach der Pfefferminze Mentha. Sie wächst bei ihm auf und obwohl sie ausgesprochen klein ist, lässt sie rasch besondere Fähigkeiten erkennen. Vor allem ihr Gedächtnis erweist sich als außergewöhnlich.
Als Mentha mit sechs Jahren in der Dorfschule angemeldet werden soll, zeigt sich die Lehrerin von ihrer bemerkenswerten Begabung begeistert, allein durch zupfen der Ohrläppchen ihr Gedächtnis abzurufen. Zu Menthas großer Enttäuschung hält sie der Kinderarzt sie noch für zu klein, um die Schule zu besuchen und empfiehlt, noch ein Jahr zu warten.
Doch Mentha weiß eine Lösung: sie bittet Florentin ihr Schulsachen zu besorgen und ihr Lesen und Schreien beizubringen. Bis zum Herbst gelingt es ihr alle Buchstaben zu lernen und Texte in Comic-Heften und Kochbüchern zu lesen. Bei der nächsten Schultauglichkeitsprüfung ist sie endlich groß genug, um die Schule zu besuchen und weil sie bereits lesen, schreiben und rechnen kann, wird sie gleich in die zweite Klasse eingestuft.
Bald schon wird Mentha aber langweilig und sie beschließt, nicht mehr so oft in die Schule zu gehen. Nach ihrem achten Geburtstag sieht sie ihren Kater ein Maus jagen, die sich in einen kleinen Mann verwandelt, der sich Minze nennt. Sie begleitet ihn zum Fluss, wo sie einen Perlmuttfisch treffen, der ihr erklärt, dass sie auserwählt worden sei, die Welt zu retten. In einer Versammlung der Tiere erfährt sie, dass sich die Gedächtniswaagschale der Welt fast nur mehr auf die Seite der schlechten Erinnerungen bewegt. Mentha erhält den Auftrag, die Menschen wieder an das Gute im Leben zu erinnern und die Waage wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Eine abenteuerliche Reise beginnt.
Iva Procházkovás modernes Märchen für Kinder lässt ihre kleine sympathische Heldin mit viel Mut gegen die negativen Nachrichten und Gefühle der gegenwärtigen Welt ankämpfen. Dabei muss sie die Welt von der drohenden Gefahr überzeugen und ihnen den Glauben an das Positive zurückgeben.
Eine spannend und fantasievoll erzählte Geschichte, die in seiner Intention an Michael Endes „Momo“ erinnert und durch ihre kindergerechte Sprache sowie liebevoll gezeichnete Illustrationen überzeugt. Ein schönes Kinderbuch, das ein unterhaltsames Leseerlebnis verspricht.
Iva Procházková, Mentha - ein märchenhaftes Abenteuer. Ill. v. Su Ehlers, übers. v. Ferdinand Hauser [Orig. Titel: Kam zmizela Rebarbora?], ab 8 Jahren
Zürich: WooW Books Verlag 2026, 256 Seiten, 18,50 €, ISBN 978-3-03967-044-4
Weiterführende Links:
WooW Books Verlag: Iva Procházková, Mentha - ein märchenhaftes Abenteuer
Wikipedia: Iva Procházková
Homepage: Su Ehlers
Radio Prague International: Ferdinand Hauser
Andreas Markt-Huter, 12-03-2026