Geschichte | Politik

Dushan Wegner, Talking Points oder die Sprache der Macht

andreas.markt-huter - 25.01.2016

„Sie haben bestimmt schon mal gehört, wie ein Politiker sagte: »Wir müssen jetzt alle den Gürtel enger schnallen!« - Und natürlich verstanden sie sofort, dass »Sparmaßnahmen« anstehen. Doch irgendein Verdacht sagte Ihnen, dass wahrscheinlich diese Maßnahmen nicht den Politiker betreffen würde, sondern uns, die Bürger.“ (9)

„Talkingpoints“ sind Sprachtricks, mit denen Politiker versuchen, die Meinung der Bürger über sie und ihre Politik zu steuern. Dazu gehören starke Vereinfachungen von Themen ebenso wie „strategische Güte“ oder das „sich kümmern um alte Werte“. Ziel von Talkingpoints sind Effekte, die schlussendlich die Wähler dazu bewegen sollen, eine bestimmte Partei oder Person zu wählen.

Andreas Brugger, Über das Fallen

h.schoenauer - 20.01.2016

Manche Themen entwickeln geradezu eine eigene Literatur-Gattung. Das Fallen etwa ist seinerzeit während der Belagerung Leningrads von Daniil Charms literarisch zu einer solchen Spitzfindigkeit entwickelt worden, dass man ihn selbst in der Belagerung noch extra im Gefängnis festgesetzt hat, weil sein dichterisches Treiben noch im Untergang als gefährlich gegolten hat.

Andreas Brugger greift den Kosmos Fallen auf, um neben 41 Gedichten vor allem ein „Fragment über das Leben und Sterben des polnischen Lyrikers Wladyslaw Szlengel im Warschauer Ghetto“ auf die Bühne zu bringen.

Andreas Edmüller, Die Legende von der christlichen Moral

andreas.markt-huter - 13.01.2016

„Worum geht es in diesem Buch? Ich möchte zeigen, dass es keinen vernünftige Grund gibt, dem Christentum Kompetenz in moralischen Fragen zuzuschreiben.“ (7)

Während heute nur mehr die wenigsten Menschen davon ausgehen, dass die Bibel brauchbare Aussagen über die physikalische Beschaffenheit unserer Welt und Natur zu bieten hat, sind viele davon überzeugt, dass die christlichen Glaubensinhalte und die christliche Moral eine zentrale Orientierung zu den Fragen von Moral und Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft zu bieten haben. Der Philosoph Andreas Edmüller sieht das anders und zeigt mit viel Akribie, dass es so etwas wie eine „christliche Moral“ gar nicht gibt und dem Christentum in Fragen der Moral keine Kompetenz zukommt.

Christian Futscher, Frau Grete und der Hang zum Schönen

h.schoenauer - 28.12.2015

Der Hang zum Schönen ist meist eine elegante Umschreibung für Kitsch. Wenn die Volksseele auf die Ästhetik stößt, gibt es oft seltsame Bremsspuren, die dann bodenständig genannt werden.

Christian Futscher lässt in seinem Roman über die jüngere Zeitgeschichte Österreichs eine gewisse Frau Grete auftreten, die im ersten Teil erzählt, wie sie das Leben der Kriegs- und Nachkriegszeit gemeistert hat, und die im zweiten Teil als Ruheständlerin ihr Leben noch einmal erzählt, als Bestätigung, dass sie alles richtig gemacht hat.

Jerry Brotton, Weltkarten

andreas.markt-huter - 21.12.2015

„Schon seit den vor etwa 40.000 Jahren entstandenen ersten Felsgravuren erstellte der Mensch Karten, um sich in seiner räumlichen Umgebung einzuordnen. Somit geht es neben der Orientierung immer auch um die Existenz selbst.“ (7)

Wie der Mensch die Welt betrachtet ist gleichzeitig auch ein Spiegel über den Bewusstseinstand der Menschheit selbst. In seinen Weltkarten drückt sich die Sicht des Menschen auf die Welt aus, auf die Stellung des Menschen in der Welt und schließlich auf das Wesen des Menschen selbst. So zeichnet eine Karte neben dem geographischen Lebensraum in einer tieferen Schicht gleichsam die Ideen- und Kulturgeschichte der Menschheit selbst.

Iain Zaczek / Jude Welton u.a., Geschichte der Malerei

andreas.markt-huter - 16.12.2015

„Manche Elemente der ägyptischen Kunst blieben Jahrhunderte lang unverändert, während die Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs von fieberhaftem künstlerischem Schaffen und Innovationen geprägt waren. Dieser Bildband nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte der Malerei, von ihren Anfängen bis zur Gegenwart.“ (8)

In der Kunst, insbesondere der Malerei kommen menschliche Vorstellungswelt, gesellschaftlicher und sozialer Wandel und technische Veränderungen besonders anschaulich zum Ausdruck. Kein Wunder, dass die Epochen der Kunstgeschichte als Symbol für die Entwicklung der Menschheit betrachtet werden können.

Hermann Parzinger, Die Kinder des Prometheus

andreas.markt-huter - 14.12.2015

„Dieses Buch ist der Versuch einer Annäherung an die zahllosen Kulturen, die der Mensch auf allen Kulturen hervorgebracht hat, seit Hominiden – die Vorläufer des heutigen modernen Menschen – vor Millionen von Jahren in Afrika den aufrechten Gang und den Einsatz der Greifhand entwickelt haben.“ (12)

In 16 umfangreichen Kapiteln auf knapp 850 Seiten bietet Hermann Parzinger eine Zusammenstellung der Ur- und Frühgeschichte der Menschheit vor, die sich von ihren Anfängen bis zur Entwicklung der Schrift erstreckt. Bei der Darstellung menschlichen Lebens und menschlicher Kulturen wird allen Kontinenten die gleiche Bedeutung beigemessen und alle Kulturen werden in ihrer Bedeutung, in ihren Gemeinsamkeiten aber auch in ihrer jeweiligen Einmaligkeit detailliert vorgestellt.

Peter Fröberg Idling, Gesang für einen aufziehenden Sturm

h.schoenauer - 11.12.2015

Ein Konflikt wird ja für die Literatur erst dann interessant, wenn er vollends ausgebrochen ist. Und wenn dann wie im Falle der Killing Fields das Desaster gigantisch wird, kann es mit Worten erst wieder nicht eingefasst werden.

Peter Fröberg Idling legt seinen Gesang für einen aufziehenden Sturm ins Kambodscha des Jahres 1955. Die Franzosen sind abgezogen und „haben keine erfahrene Wählerschaft hinterlassen.“ (146) Im Wahlkampf kommt es zu Übergriffen aller Art, Chaos wird geschürt und dennoch kristallisieren sich zwei Stränge heraus, die bodenständige Prinzen-Partie und die kommunistische Partei. Nach der Röte ihres Programms nennen sie sich Khmer rose und Khmer ruge.

Norman Davies, Verschwundene Reiche

h.schoenauer - 09.12.2015

In der Geschichte gibt es meist einen Mainstream, aus dem dann Sackgassen abbiegen und im puren Vergessen enden. Nach jeder Friedenskonferenz gibt es Sieger und politische Gebilde, die sprichwörtlich von der Landkarte verschwinden. Wo gehen all diese Staaten hin, die oft mit großer Hingabe gegründet worden sind?

Norman Davies stellt unter dem magisch schönen Titel „verschwundene Reiche“ fünfzehn Reiche vor, die in Europa teils über Jahrhunderte, teils nur eine Nacht lang eine Rolle gespielt haben. Dabei werden diese versunkenen Polit-Schätze in drei Schritten aufbereitet. Im ersten gibt es eine Darstellung der Gegend und der Gesellschaft, wie sie aus heutiger Sicht erkennbar ist, wenn man darüber etwa einen Touristen-Prospekt zu Rate zieht. Im zweiten Teil kommt das „vanished kingdom“ zu Wort, wie es sich damals dargeboten hat. Und im drittel Teil wird untersucht, was davon in Erinnerung geblieben oder vergessen ist.

Miklós Bánffy, In Stücke gerissen

h.schoenauer - 04.12.2015

Wenn ein Jahrhunderte altes Gesellschaftsmodell zerfällt, helfen oft nur mehr alt-biblische Sprüche, um das Chaos darzustellen.

Der ungarisch-siebenbürgische Schriftsteller Miklós Bánffy verwendet für seine Siebenbürgische Untergangs-Trilogie die drei frei formulierten Bibel-Zitate „Du wurdest gewogen“, „Und für zu leicht befunden“ und „In Stücke gerissen“. Die drei Romane lassen sich auch einzeln lesen und beschäftigen sich mit den letzten Dezennien der Doppelmonarchie. Was für Österreich die Kastration von Versailles darstellt, ist für Ungarn der Friedensvertrag von Trianon 1920, in dem alles Bisherige zerrissen wird.