Geschichte | Politik

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild

Andreas Markt-Huter - 10.07.2026

Maria-Sibylla Lotter, Opfer. Über Verwundbarkeit als Selbstbild„Es gab einmal Zeiten, manche erinnern sich noch, da wurden die Konflikte durch Erklärungen, Entschuldigungen oder klitzekleine Racheaktionen beigelegt – oder es wurde der Rechtsweg beschritten. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch hat sich eine Konfliktkultur mit völlig neuen Strukturen und Dynamiken herausgebildet.“

Maria-Sibylla Lotter geht der Veränderung im gesellschaftlich-psychologischen Diskurs nach, die zunehmend von einem Antagonismus zwischen Gruppen, mit einem sensibilisierten Verständnis von Leid und Opfer, und einer Gegenbewegung aus, die sich gegen einen überhöhten moralischen Anspruch und eine Einengung der Rede- und Meinungsfreiheit ausspricht.

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion

Andreas Markt-Huter - 24.06.2026

Peter Heather, Christentum - Aufstieg und Triumph einer Religion„Die christliche Religion, der Konstantin die Treue schwor, hatte wenig Ähnlichkeit mit der ausdifferenzierten, monolithischen religiös-kulturellen Struktur, die sich bis zum 12. und 13. Jahrhundert herausgebildet hatte und die dann die überwiegende Mehrheit der unterschiedlichen Landschaften und Bevölkerungen Europas beherrschte, bis die Reformation in den 1500er Jahren ernsthaft Fuß fasste. Die Entstehung dieser außergewöhnlichen, voll ausgereiften Struktur soll im Mittelpunkt des vorliegenden Buches stehen.“ (S. 12)

Peter Heather erzählt die große und erstaunliche Entstehung und Ausbreitung des Christentums von den Anfängen bis ins Hochmittelalter, von der Zeit seiner Verfolgung bis in eine Zeit, in der es sich endgültig als bedeutender Machtfaktor der europäischen Politik und Kultur etabliert hat und selbst auch gezielt Macht und Gewalt einsetzt, um eigene Vorstellungen durchzusetzen.

Christopher Clark, Skandal in Königsberg

Andreas Markt-Huter - 19.06.2026

Christopher Clark, Skandal in Königsberg„Zwischen 1835 und 1842 braute sich in Königsberg ein Skandal um zwei Geistliche zusammen. Ihr Ruf wurde ruiniert, sie verloren ihre Stelle, kamen ins Gefängnis und wurden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die juristische Entlastung von den schwersten Anklagen, die man gegen sie vorgebracht hatte, kam zu spät, um den Schaden wiedergutzumachen.“ (S. 9)

In Königsberg, der Stadt des berühmten Philosophen Immanuel Kant, kam es vor knapp 200 Jahren zu einer Gerüchte- und Denunziationskampagne gegen die beiden lutherische Prediger Johannes Ebel und Georg Diestel. Der bekannte australische Historiker lässt den Skandal Revue passieren und bettet das Provinzereignis gekonnt und mit großer erzählerischer Kraft in sein damaliges historisches Umfeld ein, wobei auch Ähnlichkeiten mit Verhältnissen unserer Gegenwart nicht zu verkennen sind.

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke

Andreas Markt-Huter - 12.06.2026

Nicholas Potter, Die neue autoritäre Linke„Große Teile dieser Linken haben sich spätestens seit dem 7. Oktober inhaltlich und ideologisch verrannt. Sie haben sich selbst verraten. Wo sind sie bloß falsch abgebogen? Oder tickten sie schon immer so und haben jetzt endlich den Mut, das sagen zu dürfen, woran sie immer glaubten?

Ausgehend vom Massaker am 7. Oktober 2023 bei dem knapp 1.200 Juden der Terrororganisation Hamas zum Opfer gefallen sind, geht Potter der Frage nach, wie sich große Teile der Linke auf die Seite der Täter stellen konnten und seither in gewaltsamen Demonstrationen gemeinsam mit Islamisten gegen Israel auftreten und einen offenen Antisemitismus zur Schau stellen.

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches Leben

h.schoenauer - 08.06.2026

Martin Kolozs, Andreas Khol - Ein politisches LebenTiroler gelten als Tiefwurzler, weil sie mitten in Europa verankert sind! Und obwohl in Nord- und Südtirol zweimal im Jahr massenhaft Orden über bemerkenswerte Personen ausgeschüttet werden, sind es dann immer nur wenige Solitäre, die für eine Biographie zu Lebzeiten in Frage kommen.

Andreas Khol hat als Tiroler, Verfassungsjurist, Erwachsenenbildner, politischer Kommentator, Funktionär in den höchsten Staatsämtern und schließlich als Senioren-milder Gast bei Talkshows verlässlich seine Spuren hinterlassen. Sein Geheimrezept für alle diese Betätigungsfelder liegt in der Gelassenheit und Emsigkeit, mit der er sich den Aufgaben stellt.

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte

Andreas Markt-Huter - 20.05.2026

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)

Griechenland gilt bis heute als die Wiege der abendländischen Kultur. Denken, Wissenschaft, Philosophie, Theater, Literatur, Kunst und Demokratie, wie sie im antiken Griechenland das Licht der Welt erblickt haben, prägen noch heute die westliche Welt, was sich auch in zahlreichen Begriffen und in den Grundlagen logischen Denkens widerspiegelt. Das Sachbuch „Das alte Griechenland“ geht diesen Ursprüngen unserer westlichen Kultur von ihren Anfängen in der griechischen Vorzeit bis zum Ende des byzantinischen Reichs untermalt mit einem umfangreichen Bildmaterial, nach.

Vera Zwerger Bonell, Das Blau ferner Räume

h.schoenauer - 18.05.2026

Vera Zwerger Bonell, Das Blau ferner RäumeDas Wesen mitreißender Kunst besteht darin, dass ihre Schöpferinnen bis zum Schluss nicht wissen, wie die Sache mit ihrer Kreativität ausgehen wird.

Vera Zwerger Bonell eröffnet mit dem wundersamen Titel „Das Blau ferner Räume“ einen Ausblick auf eine Künstlerin, welche die Beziehungspaare „Stadt und Land“, „Krieg und Frieden“, „privat und öffentlich“ halbwegs harmonisch über die Bühne zu bringen versucht. Dabei ist so ein Leben nie planbar wie eine Beamtenkarriere, weil die Kunst an manchen Tagen ins Leben pfuscht und macht, was sie will.

Jack London, Das Erdbeben in San Francisco

h.schoenauer - 06.05.2026

Jack London, Das Erdbeben in San Francisco„Nach dem Erdbeben bat man Mr. Jack London, der vierzig Meilen nördlich von San Francisco lebte, zum Unglücksort zu reisen und einen Bericht über das, was er sah, zu verfassen.“

Das desaströse Erdbeben in San Francisco 1906 ist auch nach 120 Jahren quasi im Bewusstsein vieler Menschen, weil es durch die Berichte des Autors Jack London unmittelbar nach seinem Auftreten aus der Erdkruste in Literatur verwandelt worden ist.

Bernhard Kathan, Mit den Augen eines Hündchens blicken

h.schoenauer - 29.04.2026

Bernhard Kathan, Mit den Augen eines Hündchens blicken„Manchmal treiben einen schlechte Architektur oder Möbel geradezu aus Kirchen hinaus. Manchmal lohnt sich in Kirchen die Betrachtung von Dingen, die üblicherweise dem Blick entzogen sind oder kaum Aufmerksamkeit erfahren.“

Bernhard Kathan widmet sich als Künstler, Initiator von „Hidden Museum“ und Essayist der Frage, wie und ob wir Kunst und Alltag durch unsere Anschauungsweise in Verbindung bringen können. Dahinter steckt die These, dass das Kunstwerk erst dann mit dem prosaischen Leben in Einklang zu bringen ist, wenn unser Blick darauf passt.

Luise Schorn-Schütte, Die Teilung der Macht

Andreas Markt-Huter - 27.04.2026

Luise Schorn-Schütte, Die Teilung der Macht„Europa war ein Kontinent der Regionen, und es war zugleich Teil einer globalen Ordnung. Diese Charakterisierung benennt eine Grundspannung, die die europäische Geschichte auch über das 18. Jahrhundert hinaus begleitete. Regionale Vielfalt ist als Sprachenvielfalt, als Vielfalt religiöser Überzeugungen, als Vielfalt politischer und wirtschaftlicher Ordnungen und als kulturelle Vielfalt stets existent geblieben.“ (S. 9)

Mit der Veränderung politischer und gesellschaftlicher Verhältnisse verändert sich auch der Blickwinkel auf die Vergangenheit sowie zeitgebundene die Einordnung und Interpretation historischer Ereignisse und Verläufe. Luise Schorn-Schütte versucht dem „Modernisierungspanorama“, dem Bild vom modernen Westen und rückständigen Osten das Historiker des ausgehenden 20. Jahrhunderts über die Frühe Neuzeit Europas gezeichnet hatten, ein differenzierteres Bild entgegenzusetzen.