Roman

Robert Prosser, Geister und Tattoos

h.schoenauer - 10.04.2014

Obwohl es Wörter aus der üblichen Welt sind, erzählen sie unter dem Einfluss von Geistern und Tattoos eine Geschichte nicht von dieser Welt.

Robert Prosser siedelt seine Helden im entlegenen Kaukasus in einer Zeit nach einem Krieg an, der die Überlebenden völlig traumatisiert hat. „Unter Wölfen“ nennt sich dann auch das erste Kapitel, worin der Überlebenskampf strukturiert ist wie in Wolfsrudeln, die die abgebrannten Dörfer umkreisen.

Helmut Rizy, Im Maulwurfshügel

h.schoenauer - 28.03.2014

Wer etwas von der Welt mitbekommen will, muss sich von dieser manchmal abwenden.

In Helmut Rizys Roman „Im Maulwurfshügel“ hat sich der Held von der Außenwelt verabschiedet und sich in seine Wohnung zurückgezogen. Er versucht dabei, ein strukturiert sinnvolles Leben mit sich selbst und seinen Büchern zu finden.

Roland Reitmair, Innergebirg

h.schoenauer - 19.03.2014

Das Gebirge ist in der Literatur der Ort der letzten Klärung. Ob es sich nun um einen familiären Suizid handelt wie bei Thomas Bernhard oder um einen radikalen Hirnumschwung wie in Büchners Lenz, das Gebirge erscheint dabei als eine scharfe Klinge für die existenzielle Rasur.

Roland Reitmair macht diese geographische Reinigungsanlage noch eine Spur schärfer, indem er seinen Helden ins „Innergebirg“ schickt. Dass es dabei um Leben und Tod und um den Sinn des Lebens geht, wird sogar dem Helden Arthur von der ersten Zeile an klar. Er hat nämlich das Gefühl, gerade gestorben zu sein, aber andererseits sind ein paar Sinnesorgane noch in Funktion und er kann sich einen Rundgang durchs Innergebirge leisten.

Tanja Maljartschuk, Biografie eines zufälligen Wunders

h.schoenauer - 17.03.2014

Ein gutes Wunder besteht geradezu darin, dass es einmalig und unbeschreiblich ist. Wenn nun ein Wunder gar eine Biografie zustande bringt, ist das ein grandioser Sieg der Bürokratie.

Tanja Maljartschuk erzählt die Biografie der Lena und somit die jüngere Zeitgeschichte der Ukraine als Wunder.

Margarita Kinstner, Mittelstadtrauschen

h.schoenauer - 14.03.2014

Die Mittelstadt liegt literaturgeographisch vermutlich zwischen dem Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin und dem skurrilen Kleinod des „geometrischen Heimatromans“ von Gert Jonke.

Margarita Kinstner legt ihren Sound vom Mittelstadtrauschen markant über ein Gebilde, das vielleicht nur aus einem Punkt besteht, worin das volle Mittelmaß im Abfluss innehält. Die literarische Stadt beinhaltet alle Merkmale von Wien, aber wie die diese U-Bahnstationen, Plätze und Cafés angeordnet sind, deutet auf eine andere Ordnung hin als jene eines Chronisten oder Stadtplaners.

Gwenaëlle Aubry, Niemand

h.schoenauer - 10.03.2014

Wenn Identitätsnachweise der Daten-Verwaltung versagen, hilft oft nur ein Roman, eine Nicht-Person oder einen Niemand zu beschreiben.

Gwenaëlle Aubry setzt in ihrem Roman eine klassische Vater-Sohn-Konstellation in den Mittelpunkt des Erzählens, darüber hinaus geht es um den Sinn von Romanen und das Aufschreiben und Erinnern als Therapie.

Ada Zapperi Zucker, Theater der Schatten

h.schoenauer - 07.03.2014

Manchmal muss man für sich Entfernungen in die richtigen Relationen setzen, um eine Geschichte begreifen zu können. So sind etwa mit dem Auge der Monarchie gemessen die Städte Lemberg und Meran gleich weit von Wien entfernt.

Ada Zapperi Zucker beschreibt in ihrem Roman „Theater der Schatten“ den Zerfall der österreichisch-ungarischen Monarchie an ihren Rändern.

Jeannine Meighörner, Speranza

h.schoenauer - 05.03.2014

Historische Ereignisse erlangen schließlich eine gewisse Zeitlosigkeit, wenn sie den Stoff für Romane abgeben. Es gibt sogar die Vermutung, dass etwas erst dann bewältigt ist, wenn es darüber einen Roman gibt.

Jeannine Meighörner wendet sich nach entfernt liegenden Stoffen wie der Frau des Andreas Hofer oder der Philippine Welser einem recht zeitnahen Ereignis zu. Vor fünfzig Jahren zerstörte im oberitalienischen Longarone eine Flutwelle alles Leben, nachdem ein ganzer Berg in einen Stausee gerutscht war.

Erika Kronabitter, Nora. X

h.schoenauer - 03.03.2014

Die Erziehung hängt an uns herunter wie das Fell an einem Bären. Darf man noch zu Lebzeiten an diesem Fell herumzupfen?

Erika Kronabitter beschreitet mit einsichtigen Bildern eine Führung durch die Seele einer gequälten Kindheit. Zu diesem Zweck setzt sie den Roman auf ein Doppelgleis, einmal wird in poetischen Standbildern das Verhalten von Menschen an gewissen unauffälligen Knackpunkten abgeknipst, zum anderen leisten sich zwei Figuren im Sinne Musils eine Analyse mit friedfertigem Ausgang.

Herbert J. Wimmer, Membran

h.schoenauer - 24.02.2014

In der dichtesten Form des Romans fallen Inhalt und Anwendung zusammen und es entsteht oft eine eigene Roman-Gattung.

Herbert J. Wimmer konzipiert mit seinem Membran-Roman eine Vorgehensweise, bei der die Trennschicht zwischen Text und Leser möglichst dünnhäutig ist, so dass Teile der Leseranwendung in den Text strömen und dieser sich im Leser verfestigt.