Robert Prosser, Geister und Tattoos
Obwohl es Wörter aus der üblichen Welt sind, erzählen sie unter dem Einfluss von Geistern und Tattoos eine Geschichte nicht von dieser Welt.
Robert Prosser siedelt seine Helden im entlegenen Kaukasus in einer Zeit nach einem Krieg an, der die Überlebenden völlig traumatisiert hat. „Unter Wölfen“ nennt sich dann auch das erste Kapitel, worin der Überlebenskampf strukturiert ist wie in Wolfsrudeln, die die abgebrannten Dörfer umkreisen.
Wer etwas von der Welt mitbekommen will, muss sich von dieser manchmal abwenden.
Das Gebirge ist in der Literatur der Ort der letzten Klärung. Ob es sich nun um einen familiären Suizid handelt wie bei Thomas Bernhard oder um einen radikalen Hirnumschwung wie in Büchners Lenz, das Gebirge erscheint dabei als eine scharfe Klinge für die existenzielle Rasur.
Ein gutes Wunder besteht geradezu darin, dass es einmalig und unbeschreiblich ist. Wenn nun ein Wunder gar eine Biografie zustande bringt, ist das ein grandioser Sieg der Bürokratie.
Die Mittelstadt liegt literaturgeographisch vermutlich zwischen dem Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ von Alfred Döblin und dem skurrilen Kleinod des „geometrischen Heimatromans“ von Gert Jonke.
Wenn Identitätsnachweise der Daten-Verwaltung versagen, hilft oft nur ein Roman, eine Nicht-Person oder einen Niemand zu beschreiben.
Manchmal muss man für sich Entfernungen in die richtigen Relationen setzen, um eine Geschichte begreifen zu können. So sind etwa mit dem Auge der Monarchie gemessen die Städte Lemberg und Meran gleich weit von Wien entfernt.
Historische Ereignisse erlangen schließlich eine gewisse Zeitlosigkeit, wenn sie den Stoff für Romane abgeben. Es gibt sogar die Vermutung, dass etwas erst dann bewältigt ist, wenn es darüber einen Roman gibt.
Die Erziehung hängt an uns herunter wie das Fell an einem Bären. Darf man noch zu Lebzeiten an diesem Fell herumzupfen?
In der dichtesten Form des Romans fallen Inhalt und Anwendung zusammen und es entsteht oft eine eigene Roman-Gattung.