Stephan Groetzner, So ist das
Wenn jemand etwas genau auf den Punkt getroffen hat, fährt oft ein bestätigender Seufzer durch die Luft: So ist das.
Stephan Groetzner hat so etwas wie eine Selbstverständlichkeitsroman geschrieben, darin wird das komplizierte Leben der Helden auf einfache Sätze reduziert, gleichzeitig tut sich hinter diesen Sätzen eine wahre Wunderwelt von Mehrdeutigkeiten und Sinnprotuberanzen auf.
„Wir wollen wissen, was Touristen von heute an der Schlacht von Verdun interessiert. Wir wollen wissen, wie Geschichte entsteht.“ (15)
Haben schon ganze Sprichwörter einen unheimlichen Lebenssinn, so kippen Halbsprichwörter den Sinn oft in den Wahnsinn.
Geheimcodes haben den Nachteil, dass sie Allgemeingut werden, sobald sie einen allgemein zugängigen Namen haben.
Manchmal ist Literatur einfach ein Spiel, das nach vorgegebenen Regeln ausgeführt wird.
Die letzte Möglichkeit, in eine Orgie von Material, Ideen, Handlungen und Gedanken eine Ordnung hineinzubringen, ist das Abcedarium. Dieses Lieblings-Küchengerät der Bibliothekare ermöglicht es manchmal, so etwas wie Logik und Überblick in einen Gedanken-Teig voller Zähigkeit zu bringen.
Gedichte können poetische Stationen sein, die sich hintereinander gereiht als besondere Reise durch eine eigentümliche Landschaft auftun.
Wenn man sich vor Augen hält, wie oft jemand am Tag lügt, kann man davon ausgehen, dass die Floskel „Ich müsste lügen“ eine Leerformel ist.
Lassen sich Ungeheuerlichkeiten als Poesie besingen? Kann eine Geschichte stumm erzählt werden? Haben kontinentale politische Verschiebungen in einer einzigen Seele Platz?
In der Literatur gibt es immer wieder sogenannte Erzähl-Ikonen, das sind Geschichten, die über ihren Inhalt hinaus eine Geschichte der Rezeption als eigentliche Geschichte erzählen.