Thomas J. Hauck, Berlin, Moabit-Blues
Am besten lässt sich der sogenannte Sinn des Lebens beschreiben, wenn man alte, gut abgehangene Lebensentwürfe abtastet und mit dem Glanz der öffentlichen Gegenwart vergleicht.
Im „Moabit-Blues“ von Thomas J. Hauck gehen am Rande eines vollen Lebens zwei Figuren auf einander zu, aber es kommt nur zu einer flüchtigen Begegnung, wie sie Fahrgäste beim Warten erleben, wenn sich ihre Transfers in entgegengesetzte Richtungen verlaufen.
In der Literatur gibt es das pathetische Motto: Wenn du eine Nacht extrem hingekriegt hast, hast du vielleicht das ganze Leben hingekriegt.
In allen Kulturen gibt es sagenhafte Sprichwörter des Überlebens. Was im österreichischen Operetten-Sound heißt, „vergiss, was nicht zu ändern ist“, heißt in der Hauptstadtkultur des Iran „Küss die Hand, die du nicht brechen kannst.“
Das Umdrehen der Gegebenheiten, das Vertauschen von Standpunkten und das Austauschen von Rollen sind wichtige Maßnahmen in der Literatur, um das sogenannte Selbstverständliche jeweils aus den Angeln zu heben.
Ein guter Tagtraum hat den Vorteil, dass man in ihn phasenweise selbst intellektuell eingreifen kann, um das plastisch-phantastische eines Volltraumes ein wenig zu strukturieren. Die Methode des Tagtraums eignet sich daher in der Literatur vorzüglich zum Darstellen realer Sachverhalte mit einem Schuss Unwahrscheinlichkeit.
Manchmal müssen in der Literatur die Figuren durch die Hölle und versuchen dabei den Leser in den Strudel ihres Schicksals zu ziehen.
In der Literatur gibt es vom Klang der Namen her gesehen Orte der Konfrontation und Orte der Versöhnung.
In der idealen Erzählung wird der Leser zu einem Kokon versponnen und somit ein Teil der Erzählung.
Vielleicht ist das Leben nur ein Auszählreim, durch den man eines Tages ohne Kommentar aus dem Leben ausgeschlossen wird.
Manchmal sind es einfache Phänomene, die einen ein ganzes Leben lang verfolgen und am Ende gar eine Psychose auslösen können. So eine Erkenntnis, die letztlich die Menschen verrückt macht, lautet, dass nichts in der Vergangenheit oder Zukunft geschehen kann.