Leena Parkkinen, Nach dir, Max
Immer wieder werden in der Literatur zeitgeschichtliche Epochen aus der Sicht eines Außenseiters erzählt, man denke nur an die berüchtigte Blechtrommel, wo im wahrsten Sinne des Wortes laut von unten erzählt wird.
Leene Parkkinen erzählt eine Zirkusgeschichte aus den goldenen Zwanziger Jahren, aber die Erzählfigur nimmt alles doppelt war. Es handelt sich um den Ich-Erzähler Isaak, der mit seinem Bruder Max an der Hüfte zusammengewachsen ist.
Ein verstörter Held, der seine Verstörung durch einen wahnwitzigen Amerika-Trip bekämpfen will, wird in den Klassikern Kafkas, Handkes und Gerhard Roths jeweils noch verstörter, um entweder hinter Oklahoma für immer zu verschwinden oder in der eigenen Mythologie zu Grunde zu gehen.
Ein Untertitel, der straff ins Unterbewusstsein fährt und dort Zustimmung auslöst, zwingt einen geradezu, auch den Obertitel und das ganze Buch dazu zu lesen. Denn wer kommt nicht in euphorische Zustimmung, wenn behauptet wird, dass immer die Falschen Karriere machen?
Das Leben gleicht in seiner physikalischen Unermesslichkeit tatsächlich einem Kometen, der einer geheimen Flugbahn folgend jäh am Firmament aufleuchtet und als helles Gas-Gebilde verschwindet.
Wenn man das Leben ernsthaft genug betreibt, hat man auf jeden Fall genug Stoff für seine Memoiren.
Auszählreime sind oft die beste Struktur, um ein raffiniertes Menschenschicksal darzustellen.
Im Jahrhundertbestseller „Sternstunden der Menschheit“ von Stefan Zweig geht es um vierzehn historische Höhepunkte, welche angeblich die Menschheit verändert haben sollen.
In der Literatur gibt es oft ein strenges Ranking verschiedener Nachrichten. So muss fallweise eine Verwandtschaftsbeziehung einem Text vorausgestellt werden, damit sich die Leserschaft anschließend voll auf den Text konzentrieren kann.
„Schön, wie das Dorf mitsamt seinen Eigenbrötlern und Wichtigtuereien im blauen Dunst aufgeht. Für die Dauer der Gipfelrast ist der Bergfreund heraußen aus dem, was ihn sechs Tage lang beengt hat, steht erhaben über dem, was die im Tal Gebliebenen gegen die unsichtbaren Wände prallen lässt.“ (31)
Eine gute Geschichte ist letztlich wie die Geschichte überhaupt nichts anderes als der Wechsel von Zeit.