Akram El-Bahay, Henriette und der Traumdieb
„Und in der Nacht, die nun anbrach, verirrte sich Henriette auf eine dieser gefährlichen Straßen. Als sie am nächsten Morgen aufwachte und sich erschrocken im Bett aufsetzte, wusste sie, dass etwas Schreckliches geschehen war. Etwas unvorstellbar Gemeines und Hinterhältiges. Ein Verbrechen. Jemand hatte ihren Traum gestohlen.“ (16)
Henriette ist eine hervorragende Träumerin, die sich an all ihre Träume bis auf kleinste Detail erinnern kann. Umso großer ist der Schock als sie eines Morgens aufwacht und erkennen muss, dass sie sich nicht mehr an ihren letzten Traum erinnern kann. Als sie ihrem Zwillingsbruder Nick vom Diebstahl ihres Traumes erzählt, macht sich dieser, wie so oft über Henriette lustig. Völlig verwirrt von ihrem Erlebnis, beschließt sie, den geheimnisvollen Buchhändler Anobium um Rat zu fragen.
Kampfschreie unterliegen keiner Rechtschreibregel, weshalb die Graffiti mit anderen Wörtern an den Mauern kleben als die Lehrsätze im Innern eines Geschichtsbuches.
„Das ist ein Ball. Bist du sicher? Hmmm … Ich glaube, du solltest noch mal genau hingucken. Das ist ein Hund. Nee, das ist ganz sicher ein Hund. Ich erkenne seine Augen. Die Beine. Das muss ein Hund sein.“
„Der Beutelsbacher Konsens bietet Politiklehrerinnen und –lehrern auf den ersten Blick eine didaktische Hilfestellung. Für die Förderung der politischen Analyse-, Urteils- und Handlungskompetenz der Schülerinnen und Schüler sind die drei Konsenssätze unverzichtbare Standards. Allerdings lösen die drei Prinzipien des Konsenses nicht das Dilemma der Authentizität der Lehrenden.“ (14)
„Im vergangenen Winter war ein kleines Mäusemädchen, null Jahre alt, in den Wald gekommen. Sie und Kommissar Gordon waren sich begegnet, als der Kommissar ein Eichhörnchenloch bewacht hatte.“ (27)
Beim historischen Schundheft der 1960er Jahre haben sich immer alle Beteiligten versteckt. Jetzt beim grandiosen Revival vom „Schundheft“ wird zwar ebenfalls die übliche Publikationsordnung auf den Kopf gestellt, die Autorinnen und Graphikerinnen verstecken sich aber nur lose hinter Initialen, die Herausgeber gehen in den Untergrund des Covers und der Titel verfehlt knapp den Villacher Fasching und propagiert „Lele“, was vermutlich in der Geheimsprache „Lesen!“ heißt.
„Wieder auf ihrem Zimmer schaute sie sich das Werbevideo der Super Hero High School an. Zur ihrer eigenen Überraschung und trotz ihres anfänglichen Zögerns, fühlt sie sich von der Schule angezogen. Sie sah einladend und nett aus und alle schienen nett zu sein.“ (18)
Wenn es nach den Forschungsdisziplinen Psychologie und Literatur geht, sind Vater und Tochter ausschließlich deshalb auf der Welt, damit sie Schwierigkeiten kriegen und dann einen Psychologen oder eine Bibliothek aufsuchen können.
„Wie konnte er erraten, dass dieses große Risiko, das Risiko mir zu vertrauen, ihn Jahre später retten würde? Ich glaube, dass das grausame Mädchen, das sich in den Filmrollen verbarg, uns beide gerettet hat, indem es mir eine Träne entlockte.“ (30)
In der Biologie gibt es die durchaus praktikable Denkvorstellung, dass das Leben aus permanent flatternden DNA-Strähnen besteht, die fallweise zu Menschen, Tieren oder Zellen ausgebildet sind. Nach dieser Logik kann ein Menschenaffe in grauer Vorzeit durchaus im Gebüsch am Rande einer Savanne sitzen und mit dem Denkwerkzeug der Gegenwart den Sinn des Lebens finden.