Aktuelle Buchtipps

 

Artur Becker, Der Lippenstift meiner Mutter

h.schoenauer - 09.09.2012

Pubertät in einer polnischen Provinzstadt - diese drei harten „P“ garantieren eine groteske Literatur.

In einem entlegenen Städtchen Polens hart an der russischen Grenze steckt das sogenannte Schusterkind Bartek seine Reviere ab. Headquarter dieser Erkundungen ist eine Schusterwerkstatt, in der die wichtigsten Personen ein und ausgehen, zumal es zu Hause oft düster und wild hergeht.

Elisabeth Reichart, Die Voest-Kinder

h.schoenauer - 08.09.2012

Die Kindheit bildet oft einen eigenen Staat im Staat, die Beschreibung einer verstaatlichten Kindheit führt also automatisch zu einer Beschreibung des Staates.

Im Falle von Elisabeth Reicharts Roman über die Voest-Kinder wird dieser Verstaatlichungseffekt noch vom Thema her unterstützt, handelt es sich doch bei den Vereinigten Edelstahlwerken um ein besonders handfestes Stück Österreich der Nachkriegszeit.

Raoul Schrott, Das schweigende Kind

h.schoenauer - 06.09.2012

Eine ordentliche Lebenskrise hat die Kraft, ganze Jahrgänge stumm zu machen. In Raoul Schrotts Erzählung „Das schweigende Kind“ macht ein beichtender Maler eine formidable Krise durch. Äußerlich ist soeben jene Katastrophe eingetreten, die sich vielleicht innerlich schon über Jahre angestaut hat.

Der Erzähler identifiziert in einem Krankenhaus eine Frau, die die Mutter seines Kindes ist. Offensichtlich ist sie erstickt, vielleicht sogar erwürgt worden.

Christine Russell / Christopher Russell, Die Schafgäääng. Ab durch die Wüste

andreas.markt-huter - 05.09.2012

„Zwischen hier und Amerika liegt ein Meer. Wie kommen wir hin?“ „Wir sind Schafe!“, mahnte Sally. „Man rühmt uns als große Denker. Als denken wir jetzt alle nach. Denkt nach!“ (13f)

Wieder einmal macht sich die berüchtigte englische Schafgang der Eppingham-Farmn auf den Weg in ein neues Abenteuer. Diesmal ist es eine geheimnisvolle Botschaft aus einem Laptop, der die Schafe aus ihrem Alltag reist. Eine unbekannte Stimme gibt sich als Teufelszunge aus und droht damit alle Schafe zu schlachten. Sally, das mütterliche Southdown-Schaf fühlt sich sofort an einen Vers der Ballade vom Vlies erinnert, in dem eine schreckliche Zukunft für die Schafe prophezeit wird.

Otto Licha, Kripp

h.schoenauer - 04.09.2012

Manchmal sucht sich die regionale Zeitgeschichte eine Lichtgestalt, um an ihr ein Stück Gegenwart abzuhandeln.

Otto Licha greift in seiner Doku-fiktionalen Schilderung der späten sechziger und frühen siebzieger Jahre in Innsbruck auf die legendäre Figur Kripp zurück, „Kripp und klar“, wie die Parole aus der damaligen Zeit lautete.

Laura Bischoff, Was macht Opa eigentlich nachts?

andreas.markt-huter - 03.09.2012

„Steht die Welt denn nachts nicht still? Von wegen! Der Bäcker schlummert tief und fest, während quietschfidele Mausmakis all die Arbeit machen.“

Der kleine Bruno kann nachts manchmal nicht schlafen und wenn er seinen Opa aus dem Zimmer gehen hört, ist er ein wenig verunsichert. Wohin dieser wohl gehen mag? Bruno will endlich wissen, was Opa zu später Stunde noch macht und schleicht sich mit Teddy Schröder, seinem Teddybären, hinaus in die Nacht.

Elias Schneitter, What‘s nude?

h.schoenauer - 02.09.2012

Wenn Menschen der Gegenwart aktuelle Nachrichten empfangen, wischen sie gerne mit den Zwicke-Gliedmaßen Daumen und Finger über die glatte Fläche des Smartphones, um dann eine Portion Glück unter der Glätte des Displays zu empfangen.

Ähnliches Glück verspricht die sogenannte Handpresse. Darin werden in exquisiter Technik sorgsam ausgewählte Texte für ein erlauchtes Publikum aufbereitet.

Edit Schreiber-Wicke, Leo lernt zaubern

andreas.markt-huter - 31.08.2012

Meist dauert es nicht lange und die anfängliche Begeisterung der jungen Schülerinnen und Schüler nimmt durch den Schulalltag zunehmenden ab.

Auch Leo möchte nicht mehr in die Schule gehen und so unwichtige Dinge wie Lesen, Schreiben, Rechnen oder Naturkunde lernen. Viel besser und sinnvoller findet er es, wenn die Kinder in der Schule zaubern lernen würden. Aber nicht nur seine Freundin Teresa kann dieser Idee wenig abgewinnen sondern auch seine Mutter zeigt dafür wenig begeistert. Sie findet es wichtiger, dass er seine Rechenaufgaben erledigt und das Katzenklo säubert.

Hans Platzgumer, Trans-Maghreb

h.schoenauer - 30.08.2012

Eine Novelle muss uns eine unerhörte Begebenheit nahebringen, die uns vielleicht sogar nahe geht.

Hans Platzgumer stellt mit seiner Novelle vom Bauträger Anton Corwald vielleicht eine neue Gattung vor, nämlich die literarische Nachbearbeitung einer internationalen Nachricht. Zu diesem Zweck installiert er eine so genannte Rahmenhandlung, die darin besteht, dass der Ich-Erzähler, ein 38-jähriger Bauingenieur, sich zu Hause in Wien mit jeder Menge Ottakringer ansäuft und auf seine Mama wartet, dass sie ihm die Wohnung putzt.

Andreas Steinhöfel, My Brother and I

andreas.markt-huter - 29.08.2012

„And next to the old peoples’s home there was a tall building. That’s where the penguins lived. Really they’re called nuns, but we called them penguins because they wore black clothes and white bonnets on their heads.“ (15)

Das Kapitel „It’s the most wonderful time of the year“, das von einer aus dem Rahmen geratenen Weihnachtsfeier in einem von Nonnen geführten Altenheim erzählt, ist eine von zehn in sich abgeschlossenen Geschichten des Autors Andreas Steinhöfel, in denen er und sein Bruder Dirk jeweils die Hauptrollen spielen.