Aktuelle Buchtipps

 

Walter Kappacher, Land der roten Steine

h.schoenauer - 30.09.2012

Neben dem Tod gilt dem gelernten Österreicher der Antritt der Pension als der Höhepunkt des Lebens.

Walter Kappacher schickt seinen Helden, den an der Pensionskippe stehenden Arzt Wessely, in drei Kapiteln zum ultimativen Lebenskick. Unter den philosophisch abgehangenen Begriffen Vita nuova (7) / De vita beata (43) / La vita breve (129) reflektiert der Held sein Leben und versucht, möglichst zeitlos und gelassen alles zu ordnen, was bisher mit ihm geschah und vielleicht noch geschehen wird.

Käthe Recheis, Noch ein Fall für die Katzenbande

andreas.markt-huter - 28.09.2012

„Mich begann es unter dem Fell zu kribbeln. Am Abend dieses Tages wussten wir, dass die Vorahnungen uns nicht getäuscht hatten. Connies Püppchen war aus dem Museum verschwunden.“ (59)

Wieder einmal erleben wir eine spannende Detektivgeschichte aus den Augen der Katze Molly, die beim Privatdetektiven der Ortschaft Kirchhausen Florian Morgenstern, kurz Flori genannt, lebt und damit die spannendsten Fälle als erste und hautnah miterlebt.

Anna K., Total bedient

h.schoenauer - 27.09.2012

Seit selbst der Direktor des Internationalen Währungsfonds von einem Zimmermädchen durch ihr mutiges Einschreiten sozusagen im Alleingang abmontiert worden ist, fragt sich alle Welt, was Zimmermädchen eigentlich für ein toller Beruf ist.

Anna K. geht schon einmal durch die Anonymisierung ihres Namens in Deckung, denn das Hotelerie-Wesen ist eine Insidergemeinschaft, worin aalglatt gegelte männliche Manager ihren Hormonspiegel ungebremst am weiblichen Personal auslassen.

Claudia Gliemann, Ohne Oma

andreas.markt-huter - 26.09.2012

Der französische Essayist und Philosoph Michel de Montaigne bemerkte zum Thema Tod: „Letztendlich führen alle Weisheit und Überlegungen der Welt dahin, den Mensch zu lehren, sich nicht vor dem Tod zu fürchten.“

Auch für Kinder stellt der Tod eines Menschen ein schwer zu verstehendes Ereignis dar, das die Gefühlswelt aufrüttelt und Fragen aufwirft. Claudia Gliemann setzt sich mit dem Thema Tod in ihrem Kinderbuch „Ohne Oma“ auf sehr eindringliche Weise auseinander.

Chris Moser, Die Kunst Widerstand zu leisten

h.schoenauer - 25.09.2012

Auf den ersten Blick ist es vielleicht verwunderlich, wenn ein Tatsachenbericht als das wahrscheinlich erschütterndste Buch empfunden wird, das in den letzten fünf Jahren in Tirol erschienen ist.

Wenn man sich allerdings den Zusammenhang zwischen öffentlicher Herrschaft und individuellem Schicksal vor Augen hält, so kann dieser Bericht es phasenweise mit einem skurrilen Roman aus Tschetschenien oder Libyen aufnehmen. Dabei „spielt“ alles vor unserer Haustüre zwischen Wildschönau, Innsbruck und Wiener Neustadt.

Steven Knight, Das Vermächtnis des Will Wolfkin

andreas.markt-huter - 24.09.2012

„Ich konnte hören, aber nicht sprechen, ich konnte mich berühren lassen, aber selbst niemanden berühren. Doch ich konnte denken. In den ersten vier Jahrzehnten meines Lebens war ich nicht weiter als ein Denkprozess außer Kontrolle.“ (10)

Steven Knight erzählt eine Fantasy-Geschichte, mit sicherlich einem der außergewöhnlichsten Helden der Jugendliteratur. Toby Walsgrove ist ein vierzehnjähriger Jugendlicher, der in London geboren wurde und seit seinem ersten Lebenstag am ganzen Körper gelähmt war.

Daniela Dill, Herz Rhythmus Störungen

h.schoenauer - 23.09.2012

Die kompliziertesten Verhältnisse sind oft auf scheinbar handfesten Bausteinen aufgebaut. So besteht diese medizinische Unbefindlichkeit einer Herzrhythmusstörung eigentlich aus den lyrischen Grundbausteinen Herz Rhythmus Störung.

Daniela Dill zerlegt in ihrer Poesie die vertrackte Gegenwart in Grundelemente und überlässt es dem Zuhörer, sich daraus ein eigenes Weltbild zu bauen.

Ruth Weiss, A parallel planet of people and places

h.schoenauer - 22.09.2012

Beat-Lyrik kümmert sich nicht nur um die Geschlagenen und Verdroschenen, sie schaut auch im Schriftbild oft zerknittert, mehrphasig und unvollkommen aus.

Im anspruchsvollen Würdigungsband für Ruth Weiss werden daher die Texte im Faksimile dargeboten, ehe es eine Übersetzung von Jürgen Schneider gibt.

Marine Ludin, Die Geschichte von der hungrigen Boa

andreas.markt-huter - 21.09.2012

Märchen und Geschichten ziehen sich wie ein Faden durch unser Leben und lassen sich in zahlreichen Anspielungen in allen Lebensbereichen tagtäglich entdecken.

Marine Ludines Faden ist eine Schlange, eine hungrige Schlange, die sich ein Märchen nach dem anderen einverleibt, um am Ende, müde und zufrieden mit einem vollen Bauch voller Geschichten, selbst Teil eines Märchens zu werden.

William H. Gass, Der Tunnel

h.schoenauer - 20.09.2012

Einem Massiv lässt sich in der Geologie nur durch einen Tunnel begegnen, ähnlich geht es in der Erzählkunst zu: Wenn etwas zu hart ist für die oberflächliche Darstellung, muss man semantisch unten durch.

William H. Gass lässt seinen Protagonisten nichts Geringeres versuchen, als ihn in ein Loch durch das Nazi-Deutschland zu schicken, freilich in einer ziemlich granitenen Form. Von der Handlung her geht es noch halbwegs überschaubar zu, ein gewisser Kohler hat eine Germanisten-Arbeit geschrieben „Schuld und Unschuld in Hitlerdeutschland“.