Aktuelle Buchtipps

 

Alice Gabathuler, Matchbox Boy

andreas.markt-huter - 19.03.2013

„In meiner Geschichte soll der Böse drankommen. Darum geht es doch, oder? Am Ende wird der Böse verhaftet oder erschossen. Auf jeden Fall kommt er dran. Vielleicht denkt Gott noch darüber nach, wer hier der Böse ist.“ (39)

Die Leser steigen gleich mitten in das Finale des Psychothrillers ein und erleben die Icherzählerin Jori an das Sprungbrett eines Swimmingpools angekettet. Ihr Entführer hat auf einer Gratisseite für Blogger einen Abstimmungsbereich eingerichtet, mit dessen Hilfe die Teilnehmer entscheiden können, was mit ihr passieren soll

Andreas Renoldner, Es ist Zeit zu verschwinden

andreas.markt-huter - 18.03.2013

Wenn sich die Gesellschaft von den Menschen abwendet, muss sich der kluge Held darin eine eigene Welt bauen.

Andreas Renoldner stellt in seinen dreizehn Erzählungen Menschen vor, die mit der Welt nicht zurecht kommen und sich daher eine eigene Weltanschauung zurecht gezimmert haben. Dabei ist diese Eigenwelt oft um nichts besser als jene, von der sie sich abgewendet haben.

THiLO, Erst ich ein Stück, dann du – Ägypten

andreas.markt-huter - 16.03.2013

„Semset sah unsicher zur Seite, aber Pepi strahlte über das ganze Gesicht. Konnte das wahr sein? Pepi kniff sich in den Oberschenkel. Nein er träumte nicht! Er, der kleine Pepi würde helfen, das Grabmal von Pharao Cheops zu bauen?“ (20)

Pepi ist zehn Jahre alt und lebt im alten Ägypten, 4600 Jahre vor unserer Zeit, als Pharao Cheops das Land am Nil beherrschte und der Bau der Cheops-Pyramide in vollem Gange war. Er ist das älteste von sieben Kindern und muss eines Tages entdecken, dass das Hochwasser des Nils die Felder seines Vaters Semset überschwemmt hatte, noch bevor sie das lebenswichtige Getreide ernten konnten.

Wolfgang Pollanz, Felden

andreas.markt-huter - 15.03.2013

Nichts ist wahrscheinlich so schwer zu erzählen wie eine Geschichte ohne Handlung eingebettet in einer Gegend ohne Schwerpunkt mit Helden ohne Sinn.
Wolfgang Pollanz macht sich mit Hingabe an die Aufgabe, aus der fiktiven Stadt „Felden“ den ultimativen Charme herauszupressen.

Das Leitmotiv, das dabei alle Figuren zumindest einmal aussprechen müssen, lautet ganz lethargisch: „Keiner weiß, was wirklich los ist!“

Joke van Leeuwen, Augenblick mal …

andreas.markt-huter - 14.03.2013

„Wir sehen uns jeden Tag in der Welt um, aber nicht alles, was es zu sehen gibt, nehmen wir wahr. Das ist auch gut so, denn all die vielen Bilder würden unseren Kopf sprengen.“ (9)

„Augenblick mal. Was wir sehen, wenn wir sehen und warum“ ist sowohl eine aufregende Abenteuerreise in die Welt der Formen, Figuren und Farben, als auch in die Welt der Optik und die Welt des menschlichen Lebens und Empfindens. Was wir sehen können hängt nämlich nicht nur davon ab, inwieweit unser Auge Bilder aufnehmen kann, sondern auch, wie wir das Gesehene in unserem Denken verarbeiten und interpretieren.

Dietmar Dath, Kleine Polizei im Schnee

andreas.markt-huter - 13.03.2013

„Wie ist das mit Klima, Demographie, Islam und alles? - Ja.“ (55)
Etwa nach dieser skurrilen Fragestellung des so genannten Qualitätsjournalismus funktionieren viele der über vierzig Erzählungen, die Dietmar Daths unter dem ziemlich weltverlorenen Titel „Kleine Polizei im Schnee“ versammelt hat.

In der Hauptsache setzen sich diese Erzählungen aus essayistischen Kurzdialogen, spontanen Übermüdungen der Helden, glossistischen Aufarbeitungen von Headlines sowie utopischen Identitätsverlusten zusammen.

Petra Wiese, Ein wildes Tier im Park

andreas.markt-huter - 12.03.2013

„Leonie sucht Niki. So nennt sie ein [Eichhörnchen]. „Hallo, da bist du ja“, sagt Leonie. Das [Eichhörnchen] turnt flink auf dem [Baum] herum. Es huscht von [Ast] zu [Ast].“ (3)

Die jungen Leseanfänger begleiten Leonie auf ihrem Spaziergang durch den Wald und erleben ihre Begegnung mit einem Eichhörnchen, das sie Niki nennt. Dabei erfahren sie aber auch viel Wissenswertes über Eichhörnchen, wie z.B. dass sie an den Vorderpfoten nur 4 Zehen haben.

Moritz Beichl, Ist mir doch scheißegal

h.schoenauer - 11.03.2013

In der Literatur ist es durchaus üblich, ein Segment der Welt für das Ganze zu nehmen und darin den poetischen Kosmos auszuprobieren. So lässt sich etwa das Nachtleben, die Welt der Bars und intimen Beleuchtungen durchaus als Primär-Welt darstellen, der sich das Tageslicht und der Alltag unterzuordnen haben.

Moritz Beichl stellt mit seinen Gedichten die Welt als Bar dar, das lyrische Ich schreibt dabei mit Nacht-zittriger Handschrift das Motto auf: „ist mir doch scheißegal“. (77)

Saskia Hula, Eine Herde für Kringelchen

andreas.markt-huter - 09.03.2013

„Am nächsten Morgen sagte Kringelchen: „Ich glaube, drei ist eine sehr dumme Zahl.“ Löwe und Maus schauten erstaunt auf. „Wieso denn das?“ „Weil immer einer übrig bleibt“, erklärte Kringelschen.“ (33)

Löwe, Maus und Kringelchen das Schaf leben auf dem Müllplatz und genießen ihr Frühstück an einem wunderschönen Tag. Löwe ist besonders gut gelaunt und freut sich über alles. Nur Kringelchen ist ein wenig unzufrieden und wünscht sich, dass ihn seine Herde endlich abholen kommt. Maus ist davon gar nicht erfreut: „Wozu brauchst du deine Herde. Du hast doch uns!“

Musa Beksultanow, Ferne Gestade des Lebens

h.schoenauer - 08.03.2013

Von manchen Ländern ist in unseren Gestaden fast nichts bekannt und schon gar nicht deren Literatur. Von Tschetschenien wissen wir höchstens, dass dort Ausnahmezustand herrscht und viele Menschen das Land verlassen haben.

Musa Beksultanow, im Exil in Kasachstan geboren, lebt in Grosny, seine Erzählungen handeln immer wieder von Tschetschenien, das er mit den Mitteln der Trance, der Mythologie und der Erzählkraft der Vorfahren darzustellen versucht.