Aktuelle Buchtipps

 

Käthe Recheis, Wölfchen Schlaufkopf

andreas.markt-huter - 03.12.2012

„Wölfchen Schlaukopf wanderte über die Erde. Wo immer etwas nicht so war, wie es sein sollte, brachte er es in Ordnung. Mit Hilfe der Macht, die ihm der große Geist gegeben hatte …“ (16)

Nachdem der Große Geist die Berge, Täler, Seen, Pflanzen und Tiere erschaffen hat, gab es einige Tiere die nicht so richtig glücklich mit ihrem Los waren, allen voran Wölfchen Schlaukopf. Er haderte mit seinem Namen, wollte so stark sein wie ein Bär, so groß wie ein Büffel oder so hoch fliegen können wie ein Adler. Der Große Geist gewährt daraufhin allen Unzufriedenen einen Tag, an dem sie ihre Wünsche äußern können.

David Vann, Die Unermesslichkeit

h.schoenauer - 03.12.2012

Die Seele ist ein weites Land, heißt es bei Schnitzler, und David Vann scheint die Parole ausgegeben zu haben: Die Seele ist ein wildes Land.

Im Sinne einer Robinsonade verlaufen sich Gary und Irene in der Unermesslichkeit Alaskas. Er hat einmal in Kalifornien Beowulf studiert und versucht jetzt, diese archaische Story samt ihrer schicksalshaften Sprache auf einer stürmischen Insel umzusetzen, sie hat irgendwie eine Spur indigener einheimischer Wurzeln, aber jetzt ist sie überfordert und am Ende, rasende Schmerzen in den Stirnhöhlen tun ein Übriges.

Michael Zeidler, Abenteuer mit Archimedes, Pythagoras & Co.

andreas.markt-huter - 30.11.2012

„Die Magier der Sarazenen webten eine mächtigen Zauber und verfluchten die Burg und deren Bewohner. Borkenkinns Rache war fürchterlich. Er zapfte die ureigenen Reserven der Natur an und verwandelte das Sarazenenheer in Bäume.“ (88)

Simon verbringt seine Sommerferien bei den Großeltern im fränkischen Wollebach, wo er im sommerlichen Übermut seiner Phantasie freien Lauf lassen kann.

Oksana Sabuschko, Planet Wermut

h.schoenauer - 30.11.2012

Manche Namen erzeugen von sich aus einen sakralen Sound, manche Orte werden ungefragt zu einem Mythos, an dem sich eine ganze Nation aufrichtet oder zugrunde geht.

Oksana Sabuschko widmet sich in ihrem „Kern-Essay“ dem Planeten Wermut, die alte ukrainische Ortsbezeichnung für Tschernobyl heißt nämlich nichts anderes als Wermut. Über Tschernobyl wird vor allem international gesprochen, im eigenen Land gibt es einen recht seltsamen Zugang zu dieser Katastrophe. Das hat damit zu tun, dass ursprünglich alle Informationen darüber von „außen“ gekommen sind und es im Innern kaum eine Kultur gibt, wie man mit diesen Katastrophen des Kolonialismus umgehen könnte.

Ingo Siegner, Der kleine Drache Kokosnuss - Die schönsten Abenteuer

andreas.markt-huter - 28.11.2012

„Auf einer dieser Inseln leben Wesen, von denen jeder schon gehört oder gelesen hat. Aber gesehen hat sie noch niemand. Das ist die Insel der Drachen.“ (7)

Zum 10-jährigen Geburtstag des kleinen Drachen Kokosnuss bietet der Sammelband „Die schönsten Abenteuer“ die wunderschöne Gelegenheit die ersten Abenteuer des Drachen Kokosnuss noch einmal mitzuerleben.

Manfred Rumpl, Das weibliche Element

h.schoenauer - 28.11.2012

Seit den Zeiten der Wahlverwandtschaften gibt es in der Literatur immer wieder Überlegungen, ob die Erotik nicht eine chemische Angelegenheit zwischen dem weiblichen und dem männlichen Element sei.

Manfred Rumpl schickt in seinen sechs Stories den männlichen Erzähler Anatol Hofer auf die Suche nach dem weiblichen Element. Und die erste Erfahrung, die der Held dabei macht: das weibliche Element lässt sich nicht suchen und schon gar nicht finden, es taucht von sich aus ungefragt auf.

John Boyne, Der Junge mit dem Herz aus Holz

andreas.markt-huter - 26.11.2012

„Es war auf jeden Fall das Beste, wenn er losging, um sich alleine in der Welt zurechtzufinden. Immerhin war er schon acht Jahre alt und hatte in seinem ganzen Leben noch nichts Großes geleistet.“ (8)

Noah Barelywater beschließt eines Tages sein Zuhause und seine Eltern zu verlassen und sich allein auf den Weg durchs Leben zu machen, um Abenteuer zu erleben und Großes zu leisten.

Leena Parkkinen, Nach dir, Max

h.schoenauer - 26.11.2012

Immer wieder werden in der Literatur zeitgeschichtliche Epochen aus der Sicht eines Außenseiters erzählt, man denke nur an die berüchtigte Blechtrommel, wo im wahrsten Sinne des Wortes laut von unten erzählt wird.

Leene Parkkinen erzählt eine Zirkusgeschichte aus den goldenen Zwanziger Jahren, aber die Erzählfigur nimmt alles doppelt war. Es handelt sich um den Ich-Erzähler Isaak, der mit seinem Bruder Max an der Hüfte zusammengewachsen ist.

Ursel Scheffler, Alle nannten ihn Tomate

andreas.markt-huter - 23.11.2012

„Seht doch den Mann! Wie der uns beobachtet! Und wie der aussieht mit seiner Tomatennase! Jetzt zieht er den Schal vor das Gesicht, wahrscheinlich, damit ihn niemand erkennt! Bestimmt ist er ein Räuber!“

Ursel Scheffler thematisiert in ihrem Kinderbuch „Alle nannten ihn Tomate“ was es heißt ein Außenseiter zu sein, dem die Menschen mit Vorurteilen und Verdächtigungen gegenübertreten.

Martin Kolozs, Immer November

h.schoenauer - 23.11.2012

Ein verstörter Held, der seine Verstörung durch einen wahnwitzigen Amerika-Trip bekämpfen will, wird in den Klassikern Kafkas, Handkes und Gerhard Roths jeweils noch verstörter, um entweder hinter Oklahoma für immer zu verschwinden oder in der eigenen Mythologie zu Grunde zu gehen.

Martin Kolozs schickt seinen kaputten Helden Hans Salten durchaus mit dem Gefühl literarischer November-Figuren nach Amerika. Salten hat zu Hause in der Alpen-Provinz ein ziemlich bodenloses Gefühl mit sich selbst und vertraut sich daher einem literarischen Psycho-Therapeuten an. Dieser entdeckt bald einmal, dass er es mit einer Art Literaturwahn zu tun hat, welcher seinen Patient tagein tagaus, mit und ohne Buch verfolgt.