Käthe Recheis, Wölfchen Schlaufkopf
„Wölfchen Schlaukopf wanderte über die Erde. Wo immer etwas nicht so war, wie es sein sollte, brachte er es in Ordnung. Mit Hilfe der Macht, die ihm der große Geist gegeben hatte …“ (16)
Nachdem der Große Geist die Berge, Täler, Seen, Pflanzen und Tiere erschaffen hat, gab es einige Tiere die nicht so richtig glücklich mit ihrem Los waren, allen voran Wölfchen Schlaukopf. Er haderte mit seinem Namen, wollte so stark sein wie ein Bär, so groß wie ein Büffel oder so hoch fliegen können wie ein Adler. Der Große Geist gewährt daraufhin allen Unzufriedenen einen Tag, an dem sie ihre Wünsche äußern können.
Die Seele ist ein weites Land, heißt es bei Schnitzler, und David Vann scheint die Parole ausgegeben zu haben: Die Seele ist ein wildes Land.
„Die Magier der Sarazenen webten eine mächtigen Zauber und verfluchten die Burg und deren Bewohner. Borkenkinns Rache war fürchterlich. Er zapfte die ureigenen Reserven der Natur an und verwandelte das Sarazenenheer in Bäume.“ (88)
Manche Namen erzeugen von sich aus einen sakralen Sound, manche Orte werden ungefragt zu einem Mythos, an dem sich eine ganze Nation aufrichtet oder zugrunde geht.
„Auf einer dieser Inseln leben Wesen, von denen jeder schon gehört oder gelesen hat. Aber gesehen hat sie noch niemand. Das ist die Insel der Drachen.“ (7)
Seit den Zeiten der Wahlverwandtschaften gibt es in der Literatur immer wieder Überlegungen, ob die Erotik nicht eine chemische Angelegenheit zwischen dem weiblichen und dem männlichen Element sei.
„Es war auf jeden Fall das Beste, wenn er losging, um sich alleine in der Welt zurechtzufinden. Immerhin war er schon acht Jahre alt und hatte in seinem ganzen Leben noch nichts Großes geleistet.“ (8)
Immer wieder werden in der Literatur zeitgeschichtliche Epochen aus der Sicht eines Außenseiters erzählt, man denke nur an die berüchtigte Blechtrommel, wo im wahrsten Sinne des Wortes laut von unten erzählt wird.
„Seht doch den Mann! Wie der uns beobachtet! Und wie der aussieht mit seiner Tomatennase! Jetzt zieht er den Schal vor das Gesicht, wahrscheinlich, damit ihn niemand erkennt! Bestimmt ist er ein Räuber!“
Ein verstörter Held, der seine Verstörung durch einen wahnwitzigen Amerika-Trip bekämpfen will, wird in den Klassikern Kafkas, Handkes und Gerhard Roths jeweils noch verstörter, um entweder hinter Oklahoma für immer zu verschwinden oder in der eigenen Mythologie zu Grunde zu gehen.