Bessa Myftiu, An verschwundenen Orten
Manche Orte sind untrennbar mit der eigenen Kindheit verbunden. Verschwindet die Kindheit, verschwinden auch die maßgeblichen Orte dafür.
Bassa Myftiu geht in ihrem Roman verschwundenen Orten während der Zeit des albanischen Kommunismus nach. Dabei schickt sie eine Ich-Erzählerin durch die Erinnerungsfelder eines Stadtviertels in Tirana. So werden Szenen aus dem alten Regime kurz ausgeleuchtet, tauchen seltsam sperrig ins Bewusstsein und verschwinden dann wieder samt der evozierten Ausstattung.
"Es gibt wahrscheinlich kaum eine Bibliothek ohne ein Bilderbuch zum Thema Bauernhof, wo Kinder Tiere, Geräte und Gebäude entdecken und sich ein erstes Bild über die Natur am Land machen können.
In jedem Menschen steckt ja auch ein ziemliches Stück Tier, und wenn die tierischen Umstände Überhand nehmen, bleiben vom Menschlichen oft nur noch Restbestände.
Kann man von einem knapp zwanzig jährigen Autor als Leser etwas Aufregendes fürs Leben lernen? - Und wie, wenn der Autor frech und ungezwungen das Leben ausleuchtet!
Oft verdichten sich in der Geschichte ganze Imperien zu einer Stadt und stellen auf konzentriertem Raum Kultur, Lebensform und Ideologie zur Schau.
Das Wort vergessen ist eine raffinierte Sache, einerseits kann damit alles gemeint sein, was man nicht mehr im Gedächtnis auffindet, zum anderen ist es eine Tätigkeit, etwas elegant zum Verschwinden zu bringen.
Wenn jemand ohnmächtig wird, wird der Arzt gerufen. Wie aber nun, wenn der Arzt selbst ohnmächtig ist?
In einer Welt, in der die wichtigsten Nachrichten in der Spam-Box abgelegt werden, haben echte Nachrichten oft keinen Abnehmer mehr. Was nützt es, wenn die besten Offenbarungen allgemein zugänglich sind, wenn der Wert der Nachrichten nicht mehr erkannt wird?
