Aktuelle Buchtipps

 

Stefan Schmitzer, wohin die verschwunden ist

h.schoenauer - 27.06.2009

Buch-CoverKann etwas Persönliches für die Allgemeinheit wichtig sein? Und umgekehrt, hat das allgemein Beobachtete für das Individuum Auswirkungen?

Stefan Schmitzer geht diesen Fragen mit seinem Roman auf den ersten Blick gleich optisch an. Er drittelt die Buchseiten, zwei Drittel gehen als allgemeines Schicksal wie ein üblicher Roman vonstatten, das untere Drittel in blasser Schrift gilt einem individuellen Schicksal, das man von hinten nach vorne lesen muss, ehe es plötzlich versiegt.

Stephanie Mold, Ich bin wie Zucker

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverJung und blond in Istanbul. - Die Klischee-Maschine in unseren Leseköpfen springt schon an!

Stephanie Mold schickt eine ziemlich unattraktive Frau als Erzählerin ins Rennen, aber sie hat wie in einem blöden Schlager die totale Aussagekraft: sie ist blond.

Leopold Maurer, Miller & Pynchon

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverErste Überraschung: Miller und Pynchon sind eigenständige Kunstfiguren, die sich bloß aus Schicksalsgläubigkeit heraus die großen Namen amerikanischer Schriftsteller geliehen haben, zweite Überraschung: es gibt mehr zu sehen als zu lesen, denn bei Miller & Pynchon handelt es sich um einen Comics-Roman.

Miller und Pynchon sind Landvermesser, Kafka schau' herunter, und haben einen verrückt einfachen Auftrag, sie müssen eine Demarkationslinie zwischen Nord und Süd vermessen.

Zambulat Idiew, Spiele hinter Stacheldraht

h.schoenauer - 26.06.2009

Buch-CoverNovellen sind üblicherweise eine spannende Angelegenheit, die auf ein Hauptereignis hin getrimmt und mit einer edlen Sprache umhüllt ist. Die Tschetschenen-Novellen von Zambulat Idiew hingegen könnte man als Brutalo-Novellen bezeichnen.

Das liegt nicht an der Erzählweise, die sarkastisch raffiniert ausgeübt wird, sondern schlicht an den brutalen Themen.

Enno Stahl, Heimat & Weltall

h.schoenauer - 09.06.2009

Buch-CoverVermutlich gibt es kein größeres Gegensatzpaar als die Heimat rund um uns und das Weltall weit weg von uns. Enno Stahl siedelt seine zwei Zyklen einmal ganz nah und einmal ganz ferne an, aber da die Methode der Darstellung gleich ist, vermischen sich auch Nähe und Ferne.

Heimat und Weltall sind zwei Seiten einer Medaille, heißt es in der Einführung, es geht um das Projekt einer prosapoetischen Deterritorialisierung. (7)

Helmut Schranz, Birnall

andreas.markt-huter - 08.06.2009

Buch-CoverWenn es ein Weltall gibt, das der Welt entspricht, muss es auch ein Birnall geben, das dem Birnbaumer entspricht.

Die Hauptfigur dieses witzigen All-Textes ist Birnbaumer, der kräftig von Paolo unterstützt wird, der aber immer wieder seinen Namen ändert.

Carolin Philipps, Made in Vietnam

andreas.markt-huter - 07.06.2009

Buch-Cover

In einer Geschichte, die unter die Haut geht, erzählt Carolin Philipps von der Ausbeutung von vietnamesischen Arbeitern, von Jugendarbeit, von den unsäglichen Arbeitsbedingung in den Fabriken, von erdrückender Not in den Familien - und von den Markenturnschuhen, die wir so gerne, gedankenlos, an den Füßen tragen.

Lan ist 14 Jahre alt und arbeitet schon seit einiger Zeit in einer Fabrik, in der Turnschuhe hergestellt werden. Die Umstände, unter denen die Menschen dort arbeiten müssen, sind katastrophal. Es gibt keine Pausen, einen freien Tag nur alle paar Wochen (wenn überhaupt), unbezahlte Überstunden. Die Hitze ist schier unerträglich und vom beißenden Gestand des Klebstoffes bekommt Lan in den ersten Wochen, in denen sie in der Fabrik arbeitet, fürchterliche Kopfschmerzen.

Géza Ottlik, Die Schule an der Grenze

h.schoenauer - 06.06.2009

Buch-CoverSchlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.

Dieses menschenverachtende Unternehmen ist eine Kadettenschule an der Außengrenze Ungarns, darin eingefangen sind die Söhne des Establishments, die noch nach Jahrzehnten an dieser sogenannten Ausbildung leiden.

Claus Kleber, Nachrichten, die Geschichte machten

andreas.markt-huter - 02.06.2009

Buch-Cover

Weltgeschichte als Nachrichten verpackt, müsste die Schlagzeile einer Kurzusammenfassung des Jugendsachbuchs "Nachrichten, die Geschichte machten" lauten, mit dem der Leiter des ZDF "heute journals" Claus Kleber den Versuch unternommen hat, Geschichte in Form von Nachrichten spannend zu präsentieren.

Wie bringt man Jugendlichen heute Geschichte näher, wie weckt man das Interesse für Ereignisse und Verhältnisse, die bereits hunderte, vielleicht sogar tausende Jahre zurück liegen und deren Bezüge zur Gegenwart sich nicht mehr offensichtlich erkennen lassen? Claus Kleber beantwortet diese Frage mit den Mitteln der Medienbranche.

Dan Lungu, Die rote Babuschka

h.schoenauer - 27.05.2009

Buch-Cover"Als ich heute Morgen aufwachte, war ich alt. (244) - Selten tritt das Ergebnis eines ganzen Romans mit einem so klaren Satz zu Tage wie am Schluss von Dan Lungu's "roter Babuschk".

Vermutlich besteht das alt werden darin, dass man die erlebten Zeiten nicht mehr scharf genug einschätzen kann und alles in einem wohligen Erinnerungsbrei endet.