John R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe

j.r.r. tolkien, der herr der ringe„Letzte Nacht hast du angefangen, mir allerlei Seltsames über meinen Ring zu erzählen, Gandalf«, sagte er. »Dann hast du aufgehört, weil solche Dinge, sagtest du, am besten nur bei Tageslicht zu besprechen seien. Meinst du nicht, du solltest nun fortfahren? Du sagtest, der Ring sei gefährlich, viel gefährlicher, als ich ahne. In welcher Hinsicht?« »In vieler Hinsicht«, antwortete der Zauberer. »Er ist viel mächtiger, als ich zuerst zu denken wagte, so mächtig, dass er am Ende jeden Sterblichen, der ihn besäße, ganz und gar beherrschen würde. Der Ring würde dann ihn besitzen.“ (S. 84)

Das High-Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe“ erzählt vom großen Kampf der Mächte des Guten gegen die böse Macht des Herrschers Sauron, der in der mythischen Welt Mittelerde mit Hilfe des Einen Rings die Macht über Mittelerde zurückerlangen will. Der Eine Ring befindet sich in Händen des Hobbits Frodo Beutlin, der ihn von seinem Onkel Bilbo erhalten hat. Frodos Schicksals und das Schicksal ganz Mittelerdes sind mit dem Ring untrennbar miteinander verknüpft.

Band I „Die Gefährten“ erzählt in seinem Prolog wissenswertes über das kleine Volk der Hobbits, von der Ordnung im Auenland und vom Ringfund, wie er bereits im Buch „Der Hobbit“ erzählt worden ist. Die Geschichte selbst beginnt mit einem Geburtstagsfest, das Herr Bilbo Beutlin von Beutelsend zu seinem „einundelfzigsten Geburtstag veranstaltet“. Bilbo beschließt das Auenland zu verlassen und sein Vermögen, vor allem aber den „Ring“, der ihn unsichtbar machen kann, seinem Neffen Frodo zu übertragen.

Beim großen Zauberer Gandalf den Grauen, der das magische Feuerwerk gestaltet, weckt das Verschwinden Bilbos auf dem Fest mit Hilfe des magischen Ringes große Besorgnis. Eilig macht es sich auf den Weg, die Hintergründe des Rings aufzudecken, nicht ohne Frodo vor den möglichen Gefahren des Ringes zu warnen. Als er nach siebzehn Jahren zurückkehrt, muss er durch die Feuerprobe feststellen, dass es sich beim Ring um den „Einen Ring“ handelt.

Der Ring der Macht war vom dunklen Herrscher Sauron in den Feuern des Schicksalsberges geschmiedet worden und nur dort kann er vernichtet werden. All seine Macht hat Sauron in den Ring einfließen lassen. In einer großen Schlacht stand ein Bündnis aus Menschen und Elben Sauron gegenüber. König Isildur gelingt es dem dunklen Herrscher den Finger mit dem Einen Ring von der Hand Saurons abzuschneiden. Doch statt den Ring in das Feuer des Schicksalsbergs zu werfen und Sauron endgültig zu besiegen, behielt der König den Ring für sich.

Isildur wurde ermordet und Smeagol, wahrscheinlich ein Hobbit, nahm den Ring an sich und ergriff immer mehr Besitz von seinem Wesen und macht aus ihm das Wesen Gollum. Durch Zufall fand Frodos Onkel Bilbo bei seinem Abenteuer den Ring im Nebelgebirge und erkannte die Macht des Ringes, der seinen Träger unsichtbar machen kann und außerdem langsam altern lässt.

Da Gollum unter Folter verraten musste, dass sich der Eine Ring im Auenland befindet, muss sich Frodo mit seinem Gärtner Samweis Gamdschie (Sam) und seinen beiden Vettern Meriadoc Brandybock (Merry) und Peregrin Tuk (Pippin) auf die Flucht vor den Nazgul, den Häschern Saurons, begegeben. Auf ihrem Weg treffen sie auf den Waldläufer Streicher, der sie zum Treffpunkt mit Gandal begleitet. Auf der Wetterspitze werden die Gefährten von den Nazgul angegriffen, wobei Frodo schwer verletzt und vom Elbenfürsten Glorfindel gerettet wird. Frodo und seine Freunde treffen in Bruchtal auf Gandalf und Elrond. Dort stellen sie eine Gruppe aus neun Gefährten zusammen, wobei sich Ritter Boromir, der Elbe Legolas und der Zerg Gimli für einen gewagten Auftrag zusammenschließen: Ziel ist es den Einen Ring nach Mordor, in das Reich Saurons, zu bringen und in den Feuern des Schicksalsberges zu vernichten.

Im zweiten Band „Die zwei Türme“ stirbt zu Beginn Boromir einen Heldentod, nachdem er versucht hat Frodo den Ring zu entwenden. Merry und Pippin sind von Orks, den Dienern Saurons, entführt worden, während Frodo und Sam allein den Weg zum Schicksal zum Schicksalsberg auf sich genommen haben. Merry und Pippin gelingt im Fangornwald die Flucht, wo sie wieder auf den totgeglaubten Gandalf treffen.

Während die beiden Hobbits mit Hilfe der Ents, des Baumvolkes, Saruman, den Anführer der Zauberer, der sich aber auf die Seite Saurons geschlagen hat, bekämpfen, versuchen Gandalf und die anderen Gefährten König Theoden vor dem Angriff der Armee Sarumans zu unterstützen.

Währenddessen haben Frodo und Sam die Reise nach Mordor fortgesetzt und treffen auf den früheren Besitzer des Ringes, das Wesen Gollum. Dieser versucht mit hintertückischer List wieder in den Besitz des Ringes zu gelangen.

Im dritten Band „Die Rückkehr des Königs“ wird die Bedrohung durch Sauron immer größer. In der Schlacht bei Minas Tirith stehen Gandalf und die Gefährten einer überlegenen Armee Saurons gegenüber, während Frodo kurz vor dem Einstieg in den Schicksalsberg steht, wo ihn Gollum in eine Falle zu locken versucht, um endlich wieder an seinen Ring zu gelangen.

Auch wenn Tolkiens „Der Herr der Ringe“ vor allem durch seine monumentale Verfilmung für ein weltweites Publikum allgemein bekannt worden ist, hat auch das Original nichts an seiner Faszination verloren. Das Buch bietet zahlreiche Geschichten und Details, die der Film nicht berücksichtigen konnte.

Nach einem langsamen Einstieg mit einer Vorgeschichte und zahlreichen Erläuterungen und Rückblicken gewinnt die Geschichte mit dem Verlassen des Auenlands immer mehr an Fahrt. Der Spannungsbogen wächst durch die zunehmende Macht und die Gefahr die von ihm ausgeht immer mehr an, um in einem fulminanten Ende seinen Höhepunkt zu erreichen.

Kreges Übersetzung zeichnet sich durch eine klare und verständliche Sprache aus, wobei er versucht, den verschiedenen Gruppen eine angemessene und passende Sprache zu übertragen. Kreges alte Übersetzung „Master Frodo“ mit „Chef Frodo“, die heftig kritisiert worden war, findet sich in dieser Ausgabe nicht mehr.

John R. R. Tolkien „Der Herr der Ringe“ hat auch heute nichts an seiner Anziehungskraft und Wucht verloren. Die zahlreichen stark gezeichneten Helden ziehen die Leserinnen und Leser immer noch in ihren Bann und die Geschichte des heldenhaften Kampfes zwischen Gut und Böse hat sich längst schon in den Kanon der Klassiker der Literaturgeschichte geschrieben. Ein Buch, in dem sich bei jedem Lesen neue Details offenbaren und das sich immer wieder zu lesen lohnt.

John R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe, 3 Bde. Die Gefährten; Die zwei Türme; Die Rückkehr des Königs, übers. v. Wolfgang Krege [Orig. Titel: The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring / The Two Towers / The Return of the King], ab 16 Jahren
Stuttgart: Klett-Cotta Verlag 2018, 1568 Seiten, 36,00 €, ISBN 978-3-608-93984-2


Weiterführende Links:
Klett-Cotta Verlag: John R. R. Tolkien, Der Herr der Ringe
Wikipedia: John R. R. Tolkien

 

Andreas Markt-Huter, 19-12-2018

Bibliographie

AutorIn

John R. R. Tolkien

Buchtitel

Der Herr der Ringe. Die Gefährten; Die zwei Türme; Die Rückkehr des Königs

Originaltitel

The Lord of the Rings. The Fellowship of the Ring / The Two Towers / The Return of the King

Erscheinungsort

Stuttgart

Erscheinungsjahr

2018

Verlag

Klett-Cotta Verlag

Reihe

Der Herr der Ringe, 3 Bände

Übersetzung

Wolfgang Krege

Seitenzahl

1568

Preis in EUR

36,00

ISBN

978-3-608-93984-2

Lesealter

Altersangabe Verlag

o.A.

Zielgruppe

Kurzbiographie AutorIn

John Ronald Reuel Tolkien 1892 Südafrika geboren und wuchs in England auf. Von 1925 an war er Professor für englische Philologie in Oxford und erwarb sich schon bald großes Ansehen als einer der angesehensten Philologen weit über die Grenzen Englands hinaus. Seine besondere Vorliebe galt den alten nordischen Sprachen. Seine weltbekannten Bücher „Der Hobbit“, „Der Herr der Ringe“, „Das Silmarillion“ haben die Fantasyliteratur entscheidend geprägt und wurden in über 40 Sprachen übersetzt. Millionen von Lesern werden seither von den Ereignissen in Mittelerde in Atem gehalten. J. R. R. Tolkien starb 1973 in Bournemouth.