„Von einer Sekunde auf die andere war es dunkel. Die sechs Probanden hörten, wie sich der Schlüssel im Schloss hinter ihnen drehte. Dann war es totenstill. Marc versuchte die Tür wieder aufzudrücken. »Die hat uns echt eingesperrt. Kackdreist.« Wieder Stille. Sarah hörte Emma neben sich schwer atmen. Josh sagte: »Stunde Null. Das bezeichnet die Stunde nach dem Zweiten Weltkrieg. Sechzig Millionen Menschen waren gestorben, danach mussten sich die Deutschen die Zivilisation erst wieder aus der Dunkelheit zurückholen.«“ (S. 13)
Sechs Schüler wurden ausgewählt, um an einem politisch-soziologischen Experiment teilzunehmen. Das portable Escape-Game zum Thema Demokratie, das schon seit einem Jahr von Schule zu Schule tingelt, findet in einer riesigen weißen Kiste statt, die beinahe den gesamten Turnsaal ausfüllt. Nachdem die Kandidaten den Raum betreten haben, wird es dunkel und die Tür versperrt.
Zu den sechs ausgewählten Teilnehmern zählen die vierzehnjährige Klara, die gleichaltrigen Ceylin, David, Josh und Sarah sowie der ein Jahr ältere Marc. Dabei sind sich die Jugendlichen schon vor Beginn des Experiments wegen eines zerstochenen Reifens von Marcs Mutter ein wenig in die Haare geraten. Geleitet wird die Studie, die fünf Stunden dauern und um 17 Uhr beendet werden soll, von Julia Leendertse, einer Psychologin der Stiftung Demokratie. Diese verknüpft mit dem Experiment, das sie erstmals leitet, die Hoffnung auf einen dauerhaften Job.
Die sechs Jugendlichen finden sich zunächst in einem engen dunklen Raum wieder. Mit Hilfe ihrer Handys machen sie Licht und entdecken eine kleine Pyramide, in dem sich Zettelstreifen mit Sätzen befinden, die sie in die richtige Reihenfolge bringen müssen, um die erste Aufgabe ausfindig zu machen. Schon bald entdecken sie einen QR-Code mit dem sie die App „Escape – The Democratic Game“ herunterladen.
Müssen die Kandidaten zunächst Rätsel lösen, bei dem Zusammenarbeit gefragt ist, beginnt sich das Spiel nach und nach zu verändern, sodass zunehmend ihre persönlichen Einstellungen, Werte, Vorurteile und privaten Konflikte in den Mittelpunkt geraten. Gruppendruck, soziale Dynamiken, der Kampf um die Entscheidungsmacht aber auch Zivilcourage lenken die Entscheidungen der Teilnehmer. Die zunehmenden Spannungen lassen das Experiment allmählich aus dem Ruder geraten.
Auch wenn die einzelnen Protagonisten ein wenig schablonenhaft gezeichnet scheinen, bietet das Szenario speziell für die Auseinandersetzung im Unterricht reichlich Diskussionsstoff. Dabei wird gezeigt, wie schwierig und konfliktbelastet demokratische Entscheidungen zwischen unterschiedlichen Charakteren grundsätzlich sein können
In dem spannend zu lesendes Jugendbuch, kommt das Thema „Demokratie“ und die Schwierigkeit, Entscheidungen in einer Gruppe zu treffen, eindringlich zur Sprache. Dabei bietet die Story zahlreiche Anknüpfungspunkte für intensive Diskussionen speziell im Unterricht.
Manfred Theisen, Escape – Der Schlüssel sind wir. Ab 12 Jahren
München: cbt Verlag 2025, 240 Seiten, 10,70 €, ISBN 978-3-570-31731-0
Weiterführende Links:
cbt Verlag: Manfred Theisen, Escape – Der Schlüssel sind wir
Wikipedia: Manfred Theisen
Andreas Markt-Huter, 30-09-2025