„Als Mika aus dem Zug stieg, ahnte er nicht, dass er heute sterben würde. Er fand auch so schon alles furchtbar genug. Die Hitze. Die viel zu schwere Reisetasche. Den runtergekommenen Bahnhof am Ende der Welt. Und dann auch noch Oma. Oma, die am Gleis stand, ihn durch meterdicke Brillengläser anstrahlte und ihm mit ihren Vogelärmchen aufgeregt entgegenwinkte. »Mika! Mika, mein Spätzchen!«“ (S. 7)
Der 12 5/6-jährige Mika muss vier Wochen seiner Sommerferien bei Oma verbringen, weil sich sein Papa auf einer Dienstreise befindet. Ihm steht ein scheinbar langweiliger Urlaub im Euleneck, einem ehemaligen, mittlerweile recht heruntergekommenen Gutshof bevor. Er ahnt noch nicht, dass ihm ein Abenteuer auf Leben und Tod bevorsteht, nachdem er seine Oma retten will, als diese plötzlich erkrankt.
Mika ist alles andere als begeistert, weil er den Urlaub auf dem Land verbringen muss und das Ganze auch noch ohne Netzempfang. Auch Oma Herthas lustige Sprüche auf Postkarten können ihn da nicht wirklich aufheitern:
„Das Leben ist hart. Aber ich bin Hertha“ (S. 9)
Mika hingegen war alles andere als hart. In seiner Klasse fällt ihm das Leben schwer, weil er zu kleinen für sein Alter ist und er von zwei Mitschülern als Opfer ausgewählt worden ist. Auch das Sprechen fällt ihm schwer, sodass er am liebsten allein bleibt und seine Zeit mit Computerspielen verbringt. Als ihm beim Rasenmähen, das Gerät beinahe um die Ohren fliegt, ruft seine Oma im ersten Schreck:
„Mika, du bist so dumm! Dumm! Dumm!“ (S. 15)
Noch bevor er ihr „Tut mir leid“ hören kann, rennt er in den Wald und springt das Wasser in einer Grube, wo er plötzlich von einem Strudel angezogen wird, dem er nur mit Mühe entkommen kann. Als Mika wenig später einen Brief seiner Mutter entdeckt, von dem nur noch der Umschlag vorhanden ist, wächst die Wut auf seine Oma noch mehr.
In der anschließenden stürmischen Gewitternacht findet Mika seine Oma bewusstlos auf Flur liegend vor. Er zieht sie in ihr Auto, um sie in der regnerischen Nacht zum Arzt zu bringen. Dabei verliert er die Kontrolle über das Auto, das die Leitblanke durchschlägt und durch Luft fliegt. Doch eigenartiger Weise scheint es in der Luft stehen zu bleiben und Charlotte Ronin, eine sympathische Frau in Uniform mit einem hohen Hut bietet ihm ihre Hilfe an. Bals schon findet sich Mika in der außergewöhnlichen Welt von Immerland wieder, wo abenteuerliche und gefährliche Herausforderungen auf ihn warten, aber auch Freunde, die ihm helfen.
Der Jugendroman „Immerland – Die Stadt der Ewigkeit“ entführt seine Leserinnen und Leser in eine utopische Traumwelt voller merkwürdiger technischer Apparate, in der Affen für die Bewohner arbeiten und in der beim ersten Anblick alles perfekt zu sein scheint.
Die überaus spannend erzählte Geschichte überzeugt durch ihre fantastisch, irreale Lebenswelt und durch ihren Protagonisten, der sich von einem sozial isolierten, unsicheren Jungen zu einem selbstbewussten Helden entwickelt, der bereit ist, sich für andere einzusetzen.
Flix, Immerland – Die Stadt der Ewigkeit. Ill. v. Mika Thorwarth, ab 12 Jahren
München: Hanser Verlag 2026, 352 Seiten, 20,60 €, ISBN 978-3-446-28332-9
Weiterführende Links:
Hanser Verlag: Flix, Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
Wikipedia: Felix Görmann
Andreas Markt-Huter, 26-01-2026