„Sie hatte sich keine richtige Vorstellung davon gemacht, wie es sich anfühlen würde, tatsächlich hier zu sein, ganz allein zwischen diesen unfassbar vielen Bäumen, weit weg von allen, die sie kannte, und allem, was vertraut war. Sie war zu sehr darauf konzentriert gewesen, nicht dort zu sein. Vor ein paar Wochen noch wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, zwei ganze Monate nach Vermont zu fahren, aber nachdem ihre Welt zusammengebrochen war, hatte sie die Einladung mit Freuden angenommen.“ (S. 7)
Eigentlich hat Calisa geplant, in ihren Sommerferien am Nachmittag ein paar Stunden in einer Secondhand-Boutique in Brooklyn zu arbeiten und die meiste Zeit mit ihrem Freund Ethan zu verbringen. Als sie jedoch erfährt, dass er sie mit anderen Mädchen betrügt und sie belügt, versucht sie ihrem Liebeskummer aus dem Weg zu gehen, indem sie beschließt ihrer Großtante Zee in Vermont im etwas heruntergekommenen Hotel „Faraway Inn“ zu helfen. Sie ahnt nicht, dass diese Reise ihr Leben grundlegend verändern wird.
Gleich ihr erster Schritt in das Faraway Inn ist ein Fehltritt, als eine Holzblanke unter ihr bricht und sie hilflos bis zur Hüfte in der Veranda stecken bleibt. Zu ihrem Glück kommt ihr Jack, der Sohn des Hausmeisters zu Hilfe, der für die verschiedenen Reparaturen im Hotel verantwortlich ist. Vom ersten Augenblick an fühlt sie sich von der ehrlichen und direkten Art des Jugendlichen angezogen.
Weniger glücklich fällt das Zusammentreffen mit ihrer 82-jährigen Großtante Zee aus, die sich alles andere als begeistert von der Aussicht zeigt, dass Calisa den Sommer über bei ihr im Faraway Inn mitarbeiten will.
„Du kannst gern über Nacht bleiben“, fiel Tante Zee ihr ins Wort. „Aber dann musst du wieder gehen.“ (S. 24)
Calisa setzt alles daran, um ihrer Großtante zu zeigen, dass sie eine Hilfe im Hotel sein kann und beginnt gleich damit die kaputte Holzdiele beim Terrasseneingang mit Jacks Hilfe zu reparieren, dem sie dabei immer näherkommt. Aber auch im Hotel trifft sie nach und nach auf außergewöhnliche Gäste, die alle mit persönlichen Problemen zu kämpfen haben. Dabei stellt sie fest, dass das Faraway Inn sich als ganz besonderer Ort zeigt, der auf geheimnisvolle Weise auf die Bedürfnisse seiner Gäste reagiert. Nach und nach beginnt sich die außergewöhnliche Umgebung auch auf Calisas persönliche Entwicklung Einfluss zu nehmen und ihren Liebeskummer in einem neuen Licht zu sehen.
Sarah Beth Durst thematisiert in ihrem leicht magischen Jugendroman „The Faraway Inn“ das Erwachsenwerden und die Überwindung des ersten Liebeskummers. Dabei zeigt sie, dass man am Liebeskummer nicht zerbricht, sondern wachsen kann, wenn man sich seinen Ängsten stellt.
Der fesselnde Entwicklungsroman für Jugendliche verbindet geschickt Fantasy-Element mit realen Problemen von Jugendlichen und vermittelt die Hoffnung, dass auch scheinbar hoffnungslose Lebensabschnitte überwunden werden können. Ein überaus lesenswerter Jugendroman, der ganz ohne Action-Elemente von Beginn an seine Leserinnen und Leser in seinen Bann zu ziehen weiß.
Sarah Beth Durst, The Faraway Inn. Wo Magie zu Hause ist, übers. v. Sara Riffel [Orig. Titel: The Faraway Inn], ab 12 Jahren
Bindlach: Loewe Verlag 2026, 400 Seiten, 20,60 €, ISBN 978-3-7432-2474-2
Weiterführende Links:
Loewe Verlag: Sarah Beth Durst, The Faraway Inn
Wikipedia: Sarah Beth Durst (engl.)
Andreas Markt-Huter, 15-04-2026