Evelyne Polt-Heinzl, Österreichische Literatur zwischen den Kriegen
Die Literatur ist oft konkreter als jede Theorie, was liegt also näher, bei der Analyse einer Epoche neben den historischen Quellen die entsprechende fiktionale Darstellung hinzuzufügen.
Kaum eine Epoche wird in Österreich so verdrängt wie die Zwischenkriegszeit, Zyniker behaupten, weil die Parallelen zur Gegenwart zu eklatant sind. Man denke nur an Korruption, Bankencrash oder die amorphe Bevorzugung der Stände, sei es bei Dolferl (Dollfuß) oder Wolferl (Schüssel).
„Wie komme ich jemals von hier weg, wenn kein Leser mich begleitet?“ (62)
In der Poesie gilt der Flug als ein eigener Zustand zwischen Wirklichkeit und Traum, weshalb gerade in der Lyrik oft der Vogelflug als Verbindung zwischen diesen Erlebnissen eingesetzt ist.
Der Teufelszwirn ist eine fadenförmige Schmarotzerpflanze ohne Blätter und Wurzel, die ganze Kleefelder oder Kartoffeläcker aushungert und vertilgt.
Eine Hauptaufgabe der Literatur ist es, die Zeitgeschichte in diskussionswürdige Geschichten zu verpacken, um dann die Geschichtsforschung auf den Plan zu rufen.
Im aktuellen Literaturbetrieb benützen immer öfter dreißigjährige Autorinnen alte Protagonisten mit der Diagnose Krebs, um jenen Stoff zu erzählen, der ihnen als Dreißigjährige sonst nicht als glaubwürdig abgenommen würde.
In kaum einer europäischen Gegend machen sich die Menschen das Leben so schwer, wie in Albanien. Als Verschärfung des politischen Regulativs kommt oft noch die Sippschaft hinzu, der niemand entrinnt. Die Sippe nämlich weiß immer, was der oder die Einzelne tut, im Familiengroßverband gibt es kein Individuum.
Letztlich gibt es für die Darstellung des undurchschaubaren Lebens in der Provinz zwei brauchbare Erzählrezepturen, zum einen braucht es grob aus dem sozialen Teig herausgestochene Kleinfamilien, zum anderen braucht es Kochrezepte, die zu allen Anlässen die entsprechenden Kaubewegungen auslösen.
In guten Krimis ist zwar der jeweilige Fall aufregend und stechfrisch wie junges Gemüse, getragen werden diese Fälle aber von der Verlässlichkeit der aufklärenden Persönlichkeiten, die mit ihrer Individualität jedes noch so freche Verbrechen in die Schranken verweisen.
Manche Bücher begleiten einen ein Leben lang, religiös veranlagte Menschen sagen Bibel dazu, Menschen, die in der Bürokratie arbeiten, sagen Büro dazu.