Silvia Flür-Vonstadl, Was du nicht wissen willst
Für besonders abartige Realitätsvorfälle haben unsere Sinnesorgane Abwehrmechanismen entwickelt, damit wir möglichst unversehrt bleiben. In der Literatur gibt es freilich Arrangements von Geschichten, die an diese Grenze heran gehen, wo der gesunde Menschenverstand sagt, „das will ich nicht wissen“, und die Neugierde uns dazu treibt, die Geschichte bis zur letzten Zeile auszuschlürfen.
Silvia Flür-Vonstadl greift in ihrem Mystery-Band etwas abseits der Realität neun Konstellationen auf, wo die Sinnesorgane versagen und die Logik der Wahrnehmung einen eigenartigen Drall bekommt.
Am witzigsten wird die Literatur immer dann, wenn die Realität so kompakt ins Unwahrscheinliche verdichtet wird, dass man sie nur mehr mit Schmunzeln und Gelächter aushalten kann. Der von der Germanistik so geliebte Realismus kippt ins Sagenhafte, wenn sich auf jeder Seite eine neue Ungehörigkeit auftut.
„Ein Text ist zwar ein Gefängnis, aber guck mal nach, wo es löchrig wird.“ (102) Mindestens so abenteuerlich-grotesk wie der Lebenslauf Giwi Margwelaschwilis ist natürlich auch seine Literatur.
Der Österreicher ist ein begeisterter Kaiser-Fan, SUV-Driver und Schifahrer, da hat er es nicht gern, wenn er an Diktatur und Bürgerkrieg erinnert wird.
Das sind immer die aufregenden Texte, wenn das verspielte Erzählen selbst erzählt wird.
„Es gibt Griechen, die kritisch über sich nachdenken, und Griechen, die das nicht tun. Die folgenden Gedanken richten sich vor allem an die Zweiten. Sie sind jedoch den Ersteren gewidmet.“ (7)
Guter Sex besteht aus einem handwerklichen Teil und dem verbalen Design. Kaum ein Thema lässt sich durch Changieren zwischen diesen beiden Ebenen so heftig diskutieren wie diese Praktiken, die jeden herausfordern und wovon jeder will, dass es gut gelingt.
Das gehört zu den brennendsten Fragen der Literaturgeschichte: Wie kann man einen dicken Roman, den man kaum lesen kann, so straff zeichnen, dass man ihn wundersam leicht anschauen kann?
Ballast gilt in der Verdauung und im Ballonwesen als etwas Wertvolles, in der Psychologie und Soziographie allerdings als etwas Suboptimales.
Im Stimmenroman versammeln sich Sprüche, Ausfälle oder Anleitungen längst verschollener Situationen im Kopf zu einem stets abrufbaren Album aus vergangenen Zeiten.