Alexander Kluge, Kongs große Stunde
Auf der Überfahrt nach New York, wo der Groß-Affe mit großem Gewinn zur Schau gestellt werden soll, wird dem Kapitän des Schiffes Angst und Bang, weil Kong jederzeit alles zerdeppern könnte.
Alexander Kluge erzählt seit Jahrzehnten Geschichten, denen man nicht entkommt. „Kongs große Stunde“ erklärt in einem kurzen Vorspann, welche Mächte zutage treten, wenn man das eigene genetische Material zur Schau stellt. Und dann folgt nichts weniger als die Geschichte der Menschheit, entflochten und aufgedröselt in die Geschichten von Kong, die unmittelbaren Geschichte der Kluges in Halberstadt und in Geschichte der Gegenwart zerfleddert in tausende Kanäle.
„Von Napoleon stammt die berühmte Feststellung, dass wir, um einen Menschen zu verstehen, die Zeit verstehen müssen, in der er oder sie zwanzig war. Dieses Buch möchte nicht einzelne Menschen verständlich machen, sondern eine ganze Generation – Menschen, die um 1560 in England geboren wurden.“ (16)
Oft fußt die Freiheit auf einer gelungenen Zeremonie der Befreiung. Wer frei ist, kann überall heimisch werden.
Von den Geschlagenen, wie die Beatniks jenseits aller Epochen genannt werden, haben wir gelernt, dass ungeheurer Zorn nur mit dem Langgedicht halbwegs ausgedrückt werden kann. Ein Langgedicht hat keinen Anfang und kein Ende und umkreist wie eine Möbiusschleife sich selbst.
„Lernen ist etwas Spontanes, Individualistisches und wird oft nur durch Anstrengung erlangt. Es ist ein zeitaufwändiger, langsamer, schritt- und stoßweißer Prozess, der einen eigenen Fluss entwickeln kann, der aber auch Leidenschaft, Geduld und Aufmerksamkeit für das Detail erfordert (sowohl von der Lehrperson, als auch von der bzw. von dem Lernenden).“ (2)
Je ordentlicher ein Leben verläuft, umso leichter entgleist es. Was bei einer chaotischen Lebensführung als Geniestreich durchgeht, führt bei einem Ordnungsfreak zu einer Lebenskrise.
Erinnern entsteht meist durch Straffen und Eindicken des Gesehenen, letztlich sind es Felder und Ränder, die von einem Geschehnis übrigbleiben.
„Henry Morgenthau, der amerikanische Botschafter in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, telegrafierte am Abend des 31. Juli 1915 an das State Department in Washington: «Dr. Lepsius (…) hat aus verlässlicher Quelle erfahren, dass Armenier, zumeist Frauen und Kinder, deportiert aus dem Erzurum-Gebiet nahe Kemah zwischen Erzincan und Harput massakriert worden sind.»“ (7)
Ein Nomadensprichwort sagt, du musst aus der Stadt fortziehen, um sie zu sehen.
Seit die österreichischen Krimis nahezu genormt und uniform geschrieben und publiziert werden, empfindet man es geradezu als Sensation, wenn eine Krimiserie an ihr Ende kommt und sich noch dazu weiterentwickelt.