Paulus Hochgatterer, Das Matratzenhaus
An der österreichischen Seele beißt sich letztlich jeder Schriftsteller die Zähne aus, am ehesten gelingt es noch der Psychiatrie, dieses weite Land (Schnitzler) halbwegs in den Griff zu bekommen.
Paulus Hochgatterer lässt im Matratzenhaus einen Kinderpsychiater aufmarschieren, um diesem psychischen Lurch in den Seelen der Menschen so etwas wie fachliche Wortlosigkeit entgegenzusetzen. Begleitet wird der Psychiater von einem Kripo-Beamten ländlichen Zuschnitts, als Gegenposition zur amtlichen Recherche treten eine Volksschullehrerin und ein aus Indien adoptiertes Mädchen auf.
Jede Epoche hat ihre spezifischen Kommunikationsrituale. Während die Etiquette ihre abgehobenen Handbewegungen und Stehverrenkungen abführt, wissen die niedrigen Chargen oft nicht, wie sie sich benehmen sollen.
Die Vergangenheit schüttet oft in milder Weise halbe Sätze zu, so dass in der Erinnerung bloß noch die skurrilen Teile vom Gesagten oder Erlebten in die Zone der Wahrnehmung ragen.
Was trocken unter dem Titel Dokumentation läuft, ist vielleicht die aufregendste Lyrik-Sammlung des ganzen Jahres.
Immer wieder seufzt jemand, er habe die ganze Zeit gewartet oder sie habe die ganze Zeit daran gedacht. Aber was ist diese ganze Zeit, wie lange dauert sie, wie umfangreich ist sie?
Oft muss man ein paar Schritte zurückgehen, um einen frischen Blick auf einen Gegenstand zu entwickeln.
In einem Glas sitzt der Dichter, leicht durchgeschüttelt wie der Wein vor einer Verkostung, man kann noch nichts über den Geschmack sagen, der flüssige Dichter jedenfalls schaut besinnlich hoffnungsvoll aus dem Glas.
Die Triebfeder allen Tuns ist die Neugierde, diese kann oft so ungezähmt auftreten, dass es sich lohnt, sie durch einige vernünftige Überlegungen zu kanalisieren und zu zähmen.
Wie jede Geschichte ist auch die Literaturgeschichte etwas äußerst Unruhiges, das ständig neu geschrieben werden muss. Eine recht aufregende Form, sich dem literarischen Geschehen einer Epoche zu nähern, ist die Präsentation von Insider-Wissen mit persönlicher Note.