Martin Kolozs, Jason Crane, der Tod und das Mädchen
Eine gute Crimestory zielt vor allem darauf ab, den Leser mit einer ausgewiesenen Crime-Sprache bei Laune zu halten. Während sich der Leser an der gelungenen Erzählung erfreut, lassen sich allerhand lebensanschauliche und alltagsphilosophische Gedanken einträufeln.
So ist auch in Martin Kolozs Erzählung vom dienst-abgehangenen Lieutenant Jason Crane das Erzählen selbst das Hauptthema. Es geht dabei nicht um authentisch aufgemachtes Kriminalmaterial sondern um dessen Bearbeitung in Erinnerung, Literaturtheorie, Leseerfahrung und Klischeehaftigkeit.
Der Sinn von Untergrundliteratur besteht bekanntlich darin, dass man an der literarischen Oberfläche und Oberflächlichkeit nichts davon mitbekommt.
Perfekte Sachbücher sind oft so elegant fiktional, dass sie durchaus als Realitätsroman durchgehen können.
Der Kopf der Lyrik, sagt man oft, ist der Titel, unter dem zahllose Gedichte zwischendurch gebündelt ins Licht der Lese-Realität treten.
Was so monumental schlicht das Haus genannt wird, entpuppt sich bald als monströses Gebilde der Psychiatrie. Unter dem Haus verbirgt sich nichts anderes als das Spital auf der Baumgartner Höhe in Wien.
Üblicherweise verbindet man mit einer Großstadt etwas Bedrohliches und Unmenschliches, nicht umsonst heißt ein philosophischer Bestseller über dieses Thema die "Unwirtlichkeit unserer Städte".
Am Umschlag fliegt einer Figur hinten vor grünem und vorne vor warn-orangem Untergrund der Kopf davon wie in einem Comics-Film, mag sein, dass nur Vögel davon fliegen, kann aber auch sein, dass die Figur "angeschossen" ist und die Gedanken frei werden.
Im Tourismus werden unter dem Label ?Weiße Nächte Dämmerungen in Sankt Petersburg ausgelobt, wobei man sich ordentlich betrinkt, dem Hochklappen der Brücken über die Newa zusieht und sich freut, dass die Sonne zwar verschwindet, aber das Licht über Nacht erhalten bleibt.
Das Glück ist ein Vogerl, heißt es im Volksmund, bei William Trevor ist es ein kurzer geliehener Augenblick. Die vier hier versammelten Erzählungen gelten mit Recht als die schönsten aus dem Erzählkosmos des Bildhauers und Lehrers William Trevor, der das Schauen und Begreifen zum Inhalt seiner Texte gemacht hat.