Winfried Gindl, Schwarzer Spanier, Babalu und der Bluatige
Ganz selten verströmt ein Roman eine solch plastische Wahrheit, dass man als Leser mit beiden Händen zupackt und den Text nie mehr im Leben aus der Hand geben will. Winfried Gindls Kompakt-Text über einen Herrenabend aus dem Jahr 1981 ist so ein Roman.
Das Gerüst ist denkbar einfach. Der Student Peter aus Kärnten geht mit den Brüdern Said und Masoud in Wien auf Zechtour, bald einmal stößt auch noch deren Cousin Basim dazu, der am AKH als Chirurg arbeitet.
Wenn jemand verlässlich vom Jenseits berichten kann, dann ist es die Literatur! Reinhold Aumaier überschreibt seinen Text über den Ausnahmezustand, der nicht von dieser Welt ist, einerseits mit Zwischentraum, andererseits gibt er auch noch der Textgattung ein Zwidder-Dasein auf den Weg: Romanfantasie.
In der Literaturgeschichte schauen uns tragische Helden meist aus einer gewissen Entfernung mit hohlem Blick an. Wie aber würden diese Helden uns ansehen, wenn sie heute neben uns wohnen müssten?
Klassische Stücke fordern oft geradezu eine zeitgemäße Fortsetzung heraus, man denke nur an die vielen Faust Drei oder an die Godots, die fallweise erscheinen oder sich unverblümt verleugnen lassen.
Nichts ist so brutal, wie wenn jemand fliehen muss. Daraus eine romantische Fluchtgeschichte zu machen ist freilich nicht jedermanns Geschmack.
Ein Kommissar kann sich seine Fälle nicht aussuchen, er muss im Leben und in der Literatur nehmen, was gerade ansteht.
Mit der Geographie Unvertraute hören immer "Landser See" und vermuten schon die größte politische Unkorrektheit, wenn die Innsbrucker über das geliebte Badewasser sprechen. In Wirklichkeit aber ist der Lanser See ein kleiner Badesee südlich von Innsbruck, dem vermutlich beim Bau des Brenner-Basistunnels das Wasser abgegraben wird.
