Gertraud klemm, erbsenzählenIm Märchen liegt die Prinzessin mit Eigenwillen auf der Erbse, und scannt mit dem Hintern die Unebenheiten ab. Wenn hingegen eine selbstbewusste Frau der Gegenwart die Unebenheiten der Gesellschaft mit offenen Sinnesorganen scannt, wird ihr das als „Erbsenzählerei“ ausgelegt.

Gertraud Klemm schickt die Heldin Annika in das Zwischenreich der Gesellschaftsschichten. Die dreißigjährige Icherzählerin lebt gerade mit dem humanistisch gebildeten alten Sack Alfred und dessen Sohn Elias lose zusammen. Sie begleitet diesen Elias auf den Fußballplatz und merkt, dass alles außer dem Ball unrund ist. Sie selbst wird als Stieftussi angesprochen und hat außer Transportdienste nichts beim Kind verloren.

erwin moser, mein baumhaus„Siegfried, der Eichkater, hat sein Nest in einem alten Baum. Eines Tages fällt das Nest zu Boden, denn es war schon morsch. Als der Eichkater heimkommt, sieht er die Bescherung. Es ist Herbst und der Winter steht vor der Tür.“ (S. 7)

Das Kindergeschichtenbuch „Mein Baumhaus“ erzählt neun liebenswerte Tiergeschichten rund um das Thema Zuhause und Wohnen, in denen Hilfsbereitschaft und Freundschaft im Mittelpunkt stehen.

bernhard hüttenegger, beichte eines alten narrenBei autobiographischen Texten stellt sich dem Leser immer die brisante Frage: Wie zufrieden und bescheiden ist der Autor trotz seines gewaltigen Lebens geblieben? Denn machen wir uns nichts vor, jedes Leben wird überdimensioniert wichtig, sobald es aufgeschrieben wird.

Bernhard Hüttenegger rüstet sich klug gegen den Größenwahn beim Rückblick auf das Leben. Das fängt schon damit an, dass er die Romanform wählt, worin bekanntlich alles augenzwinkernd-verschrägt dargestellt ist, und setzt sich fort mit der die Figur des alten Narren, der die Dinge zuerst in Echtzeit zurechtklopft und später als Chronik.

el_bahay, herzenmacher„»Was sind das für Krähen?«, fragte Léo und sah in die tiefbraunen Augen des Anderen. »Die Hexe schickt sie« Auf Léos fragenden Blick hin fügte er hinzu: »Sie hat auch die Todeshändler geschickt. Den Mann, den du bei ihnen siehst. Du …«, er musterte Leo mit starrem Gesichtsausdruck, dann blieb sein Blick auf Léos Sachen hängen, »du kommst von der anderen Seite?«“ (S. 24)

Kurz vor Ferienbeginn beobachtet der sechzehnjährige Léo Mellino, wie seine Mutter in ihrer Spielzeugmacher-Werkstatt Besuch von einem merkwürdigen zwergwüchsigen Mann bekommt. Neugierig geworden, belauscht Léo das Gespräch seiner Mutter mit dem fremden Mann. Als sie ihm eine silberne Kugel seines spurlos verschwundenen Vaters übergibt, schleicht Léo dem Mann hinterher, in der Hoffnung etwas von seinem verstorbenen Vater zu erfahren.

julien gracq, das abendreichMagische Bücher, die uns ungefragt in den haptischen Textkorpus hineinziehen, haben meist selbst ein außergewöhnliches Schicksal.

Als Julien Gracq in den Sommerferien 1953 mit der Niederschrift des „Abendreichs“ beginnt, weiß er noch nicht, dass er den Roman nicht vollenden wird. Er ist Lehrer für Geographie und kann es kaum noch erwarten, im Herbst wieder zu unterrichten.

knutsen, bob18„Er hatte keine Ahnung. Er wusste nicht, wo er war. Er wusste nicht, was er hier sollte. Er wusste nicht einmal, wer ihn Bob18 genannt hatte. »Was ist denn das für ein bescheuerter Name?«, beschwerte sich Bob18. Aber niemand antwortete ihm.“ (S. 9)

Bob18 erwacht mit Kopfschmerzen und hat keine Ahnung, wo er sich befindet, er weiß nur, dass er sich nicht zu Hause im Bett liegt. Der Ort wo er sich wiederfindet ist eine Insel mit ein paar Bäumen, wo es zu seinem Leidwesen auch noch zu regnen beginnt.

petra ganglbauer, wie eine landschaftEs gibt Begriffe, da will man unbedingt mehr wissen, wenn sie unvermittelt auftauchen. Landschaft und Schnee sind unendlich weite Zustände, die einen ein Leben lang aufsuchen, und über der Fügung liegt etwas von Unsterblichkeit.

Petra Ganglbauer tritt gegen diese Unendlichkeit mit dem spitzen Werkzeug der Kurzprosa an. In knapp vierzig poetischen Hieben wird versucht, Zeit und Ort das Messer anzusetzen, eine Kluse zu finden in der abwehrenden Oberfläche, in die Tiefe zu bohren wie eine tierische Seele auf Nahrungssuche.

axel gutjahr, die libelle„Libellen sind von allen Insekten die schnellsten und geschicktesten Flieger. Einige Arten fliegen bis zu 80 Stundenkilometer schnell und manche sogar rückwärts.“ (S. 10)

Die Libelle gehört zu den bemerkenswertesten heimischen Insektenarten, deren unterschiedlichen Erscheinungsformen ebenso faszinieren, wie ihre beeindruckenden Flugkünste, die sie meist in der Nähe von Gewässern zur Schau stellen.

marcus weeks, kernfragen wirtschaft„Geld regiert die Welt, sagt man, und es sieht so aus, als könnten wir ohne Geld nicht leben. Wir alle brauchen Geld, doch nur wenige verstehen, was Geld eigentlich ist.“ (S. 6)

„Kernfragen Wirtschaft“ geht den zentralen Fragen des Wirtschafts- und Geldsystems in der Gegenwart nach, nicht ohne einen klärenden Blick auf die Kerntheorien der großen Wirtschaftstheoretiker der Vergangenheit zu werfen, wie z.B. Karl Marx, David Ricardo, Friedrich Hayek oder John Maynard Keynes.

walter hohenauer, zur hölle mit den bürokratenIm Österreichischen wird der Schrecken oft durch die Verkleinerungsform gesteigert, so ist das Wamperl größer als die Wampe, das Angsterl brutaler als die Angst, und selbstverständlich das Putscherl gefährlicher als der Putsch.

Walter Hohenauer erzählt mit seinem Roman „Zur Hölle mit den Bürokraten“ politisches Neuland, in seinem Polit-Thriller wird durchgespielt, was sich niemand zu formulieren getraut: dass nämlich die angefressenen österreichischen Typen ihre eigenen Floskeln eines Tages wörtlich nehmen und putschen.