akram el-bahay, anouks spiel„Sie stand auf, ging zu ihrem Schreibtisch und nahm das neue Notizbuch. Dann schrieb sie mit einem Bleistift den Wunsch, den sie in sich so deutlich hören konnte wie den Donner, auf die erste Seite. Ich wünsche mir, dass meine Eltern nur noch mich und nicht mehr Maya gehören.“ (S. 15)

Seit ihre kleine Schwester Maya auf die Welt gekommen ist, dreht sich für Anouks Eltern scheinbar alles nur mehr um das Baby. Anouk wünscht sich nichts mehr, als nur einen Tag lang ihre Eltern wieder ganz für sich allein haben zu können. Als sie an ihrem dreizehnten Geburtstag von ihrem Vater ein Notizbuch erhält, wird ihr verhängnisvoller Wunsch plötzlich Realität.

lukas meschik, die räume des valentin kempDie beunruhigenden Romane setzen oft mit einem Kontrollverlust des Erzählers ein, mal erwacht einer als Käfer, dann wird er auf einem Boulevard erstochen oder jemand tritt auf einen zu und es ist dunkel.

Bei Lukas Meschik erwacht der Held Valentin in einem fremden Raum. Er ist in einem Pub gewesen und vielleicht hat man ihm etwas ins Getränk gegeben. Andererseits scheint alles gut vorbereitet zu sein, als hätte das erste Mal in seinem Leben jemand auf ihn gewartet.

rébecca dautremer, stundenbuch„Als Beatrixd Gainsborough ihren letzten Enkel zur Welt kommen sah, war sie verrückt vor Freude. »Er soll heißen wie sein Großvater«, erklärte sie. »Ist dieser Name nicht ein bisschen lang für so einen Winzling?«, fragte die Mama.“

Um der Großmutter eine Freude zu bereiten erhält der Held des Buches schließlich den Namen „Jacominus“, nach seinem Großvater „Jacominus Stan Marlow Lewis Gainsborough“.

gernot werner gruber, bruder luhWenn man sogenannte Helden aus ihrer angestammten Zeit nimmt, werden sie oft milde bis lächerlich. Auf jeden Fall aber halten sie der jeweiligen Gegenwart einen trüben Spiegel vors zeitgenössische Antlitz.

Gernot Werner Gruber belebt mit seiner „Reanimo“-Trilogie den Ötzi. Indem er diesen in der Gegenwart auftauchen lässt, entlarvt er auch den aktuellen Ötzi-Kult. So wie man in einen Kult an jeder Stelle einsteigen kann, kann man es auch in der Ötzi-Trilogie. Das Personal nämlich bleibt überschaubar.

michelle harrison, eine prise magie„Der Tag, an dem Betty Widdershins von dem Familienfluch erfuhr, war ihr Geburtstag. Es war ihr dreizehnter, für manche eine Unglückszahl, aber Betty war zu vernünftig veranlagt, um an solchen abergläubischen Unsinn zu glauben, auch wenn sie damit aufgewachsen war. (S. 17)

Betty lebt mit ihrer älteren Schwester Fliss, ihrer kleinen Schwester Charlie und ihrer Granny auf der Insel Krähenstein, gegenüber der Insel der Sühne, wo sich ein berüchtigtes Gefängnis und der unheimliche Krähensteinturm befinden. An ihrem dreizehnten Geburtstag plant sie heimlich mit Charlie die Insel zu verlassen. Sie ahnt nicht, dass sie damit einen alten Fluch heraufbeschwört.

hans haid, langesAn manchen Tagen steigt die Lyrik aus jeglichem Zeitgeist aus und erzählt etwas vom archaischen Verhältnis zwischen Mensch und Natur, Arbeit und Religion.

Hans Haid beschäftigt sich seit einem halben Jahrhundert mit den Menschen, die unter die Räder des Fortschritts kommen, mal ist er dabei Volkskundler, dann Museumsgestalter, mal Essayist und dann wieder Lyriker.

jenn lyons, der untergang der könige»Erzähl mir eine Geschichte.« Das Ungeheuer machte es sich vor den eisernen Gitterstäben von Kihrins Kerkerzelle bequem. Sie legte einen scheinbaren kleinen Stein vor sich auf den Boden und stieß ihn in seine Richtung“ (S. 19)

Der 16-jährige Kihrin sitzt in einer Zelle gefangen und wird von Klaue, einem gefährlichen Monster in Frauengestalt, bewacht. Er wartet auf seinen Prozess und Klaue zwingt ihn zum Zeitvertreib die Geschichte seiner Flucht aus einem Sklavenmarkt zu erzählen. Dabei wechseln sich Kihrin und Klaue als Erzähler ab und Klaue erzählt Kihrins Vorgeschichte, die sie aus den Erinnerungen der von ihr getöteten Freunde Kihrins gesaugt hat.

bernard mandeville, streitschrift für öffentliche FreudenhäuserWer muss da nicht zugreifen: ein Buch mit Lesebändchen, saftig-erotischem Stich im Umschlaginneren und draußen am Pergament-goldenen Cover die herausquellenden Worte „Versuch über die Hurerei“!

Der Limbus-Verlag stellt immer wieder geheimnisvolle Aufklärungsbücher vor, sie sind meist dreihundert Jahre alt und werden der „klandestinen Literatur“ zugezählt. Damit sind Bücher gemeint, die man seit Jahrhunderten unter der Tuchent liest, und zu denen man fallweise wie bei der Hurerei befreiende Sex-Bewegungen macht.

jutta richter, das geheimnis der papierschirmchen„Wenn Moritz und ich in diesem heißen Sommer in der großen Pause über den Schulhof gingen, dann tat sich jedes Mal vor uns eine Gasse auf, denn niemand wollte uns berühren. So viel hatte Zoe Sodenkamp mit ihrem Geschwätz schon erreicht.“ (S. 8)

Die beiden Geschwister Merle und Moritz leiden unter dem ständigen Mobbing von Merles Mitschülerin Zoe Sodenkamp, der es gelingt, böse Gerüchte über ihre Kinderfrau Gesine Wolkenstein in der Schule zu verbreiten.

josiah gilbert, die entdeckung der dolomitenDie Dolomiten gelten mittlerweile als über-erschlossenes Touristengebiet, das an manchen Tagen so von Menschen überwuselt ist, dass nichts mehr vom „bleichen Stein“ zu sehen ist, wie der Dolomit vor seiner Entdeckung durch Dolomieu 1789 geheißen hat. Man kann sich gar nicht vorstellen, dass dieses Gebirge einmal leer und wild gewirkt hat wie heute vielleicht der Kaukasus.

„Die Entdeckung der Dolomiten“ ist ein Klassiker und Welterfolg. Der Band von Gilbert und Churchill stammt aus jener romantischen Zeit, als die Schweiz als Bergsteigerland entdeckt ist und man sich in gehobenen englischen Kreisen daranmacht, weitere wilde Gebiete zu besuchen und vor allem zu besteigen.