„Nick stand in der voll besetzten U-Bahn, als ihm zum ersten Mal dämmerte, dass etwas nicht stimmte. Sein Handy hatte mehrmals vibriert, als würde jemand anrufen. Die Nummer auf dem Display sah allerdings merkwürdig aus: 22032. Das konnte keine Telefonnummer sein. Er überlegte kurz ranzugehen, aus reiner Neugier. Doch noch bevor er eine Entscheidung treffen konnte, brach der Anruf ab. (S. 10)
Bereits zum dritten Mal drängt sich das Computerspiel Erebos in das Leben des mittlerweile erwachsenen Nick Dunmore, der als Fotograph in London seinen Lebensunterhalt bestreitet. Nick ahnt, dass etwas vor sich geht, als sein Rucksack plötzlich verschwindet. Bald danach setzt sich Erebos mit ihm in Verbindung und macht ihm rasch klar, was passiert, sollte er sich weigern beim Spiel mitzuwirken. Ohne Vorwarnung lässt Erebos bitterböse Kritiken auf dem Kundenfeedback seiner Homepage erscheinen, was bewirkt, dass alle Fotoaufträge storniert werden.
Nick erhält von Erebos den Auftrag, das Spiel in seiner Avatar-Rolle Sarius der Dunkelelf wieder aufzunehmen. Als Anführer eine Horde, die Nick die „Galgenvögel“ nennt, soll er fünf weitere Mitstreiter anwerben. Zunächst setzt er sich mit seinem alten Freund Victor in Verbindung, der gerne bereit ist, sich in der Rolle des Echsenmenschen Squamato der Herausforderung zu stellen. Die restlichen Mitglieder der Horde muss Nick im Spiel rekrutieren, ohne deren Identität im richtigen Leben zu kennen.
Im Spiel treten fünf Horden gegeneinander an, die sich den Aufgaben und Rätseln stellen. Die Mission sowie der Sinn und das Ziel des Spiels bleiben verborgen, stattdessen erhalten Nick und Victor lediglich mysteriöse Hinweise, deren Bedeutung sie zu entschlüsseln suchen. Dabei beginnen die Grenzen zwischen der realen Welt und der Welt von Erebos immer stärker zu verschwinden.
Den ersten Hinweis, den die beiden zu verstehen versuchen, bildet eine falsche Zeitangabe auf Victors Handy, das 09:07 anzeigt, während es in Wirklichkeit 12:26 Uhr ist. Bei einem Gespräch mit seiner Freundin Emily erfährt Nick, dass sie ihren jüngeren Bruder Derek nicht erreichen kann und dieser sich in letzter Zeit merkwürdig verhalten habe. Aus den Nachrichten erfährt er, dass die siebzehnjährige Riley Bloom seit 7. September abgängig sei. Nick erinnert sich, dass Riley beim letzten Mal ebenfalls Erebos gespielt und mit Derek gemeinsam die Schule besucht hat.
„Drei Wochen war das her. Ungefähr so lange also, wie Erebos wieder durchs Netz geisterte.“ (S. 103)
Auch im dritten Teil des Jugendromans verwischen sich Realität und virtuelle Welt zu einem spannenden Thriller, in dem erst nach und nach die wahren Hintergründe und treibenden Kräfte ans Licht kommen. Dabei teilen die Leserinnen und Leser die emotionale Berg- und Talfahrt der stark gezeichneten Protagonisten.
Ein überaus empfehlenswerter und fesselnder Fantasy-Krimi der von Beginn mit überraschenden Wendungen und Rätseln sowie den aufregenden Wechseln zwischen Spielewelt und Wirklichkeit für den nötigen Nervenkitzel sorgt.
Ursula Poznanski, Erebos 3. Thriller, Ab 14 Jahren
Bindlach: Loewe Verlag 2025, 448 Seiten, 22,60 €, ISBN 978-3-7432-1660-0
Weiterführende Links:
Loewe Verlag: Ursula Poznanski, Erebos 3
Wikipedia: Ursula Poznanski
Andreas Markt-Huter, 26-01-2026