„Den Blick fest auf den Horizont geheftet, macht Mika einige weitere Schritte. Wenn sie jetzt ausgleitet, kann sie sich nirgends festhalten, sie würde einfach das Blech hinunterrutschen und auf die Straße stürzen. Wenn sie Glück hätte und mit den Füßen zuerst aufkäme, würde sie vielleicht überleben. Aber wahrscheinlich wäre sie sofort tot. Das Gefühl von Freiheit lässt ihr das Blut in den Adern rauschen.“ (S. 5)
Die dreizehnjährige Mika lebt seit frühester Kindheit im Waisenhaus und hofft immer noch herausfinden zu können, wer ihre wahren Eltern sind. Mittlerweile hilft sie Amelia, der Direktorin des Waisenhauses bei der Betreuung der zahlreichen Kinder. Als sie eines Tages Ossian dabei erwischt, wie er eine kleine vergoldete Dose versteckt, ahnt sie nicht, dass dies der Auftakt zu einem gefährlichen Abenteuer sein wird.
Der junge Ossian behauptet, die Dose von einer Frau als Geschenk erhalten zu haben. Mika durchschaut ihn und weiß, dass auf Waisenkinder für Betteln oder Diebstahl die Erziehungsanstalt wartet, die sich nur wenig von einem Gefängnis unterscheiden. Überrascht muss sie von Amelia erfahren, dass sich für Ossian eine Familie gefunden hat. Der Mann arbeitet als Vorarbeiter in einem kleinen Steinbruch, wo der Junge wahrscheinlich bald mitarbeiten soll.
Als Ossian bald darauf aus dem Heim verschwindet, versucht Mika ihn mit Hilfe von Inspektor Valdemar Hoff, der seit dem letzten Fall nur noch mit Routinefällen betraut wird, zu finden. Von einem kleinen Dieb erfährt sie, dass sich Ossian bei einer Frau namens Henrietta befindet. Auf einer Nobelstraße entdeckt sie ihn schließlich als Gehilfen bei einer Art Vorstellung. Eine großgewachsene Frau wirft mit Messern auf Spielkarten an einer sich drehenden Scheibe. Assistiert wird ihr durch Ossian, der sich während der Vorführung unauffällig durch das Publikum schleicht und die Leute bestiehlt.
Mika bittet Valdemar um Hilfe, um ihren Freund Ossian vor dem drohenden Gefängnis zu retten. Diesem gelingt es jedoch nicht, Beweise gegen die Frau zu finden. Daraufhin macht sich Mika auf den Weg, um Ossians gestohlene Dose, dem zum Besitzer der zurückzugeben. Sie ahnt nicht, dass sie direkt in einen geplanten Hinterhalt läuft. Mika wird selbst des Diebstahls verdächtigt und landet im Gefängnis.
Auch im zweiten Teil von „Mika Mysteries“ lässt Johan Rundberg seine junge Heldin mitten in den düsteren Gassen Stockholms ermitteln. Diesmal muss sie Kinder aus ihrem Waisenhaus aus den Fängen einer üblen Gaunerin befreien, denen sie ein besseres Leben verspricht.
Wieder macht sich das außergewöhnliche Ermittlerteam Mika und Valdemar Hoff daran im Stockholm des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in einer Welt voll Hunger und Armut, gerade den ärmsten Kindern hilfreich zur Seite zu stehen. Ein überaus spannender und lesenswerter Kinderroman, der durch seine kindergerechte Sprache und seine dichte Atmosphäre zu überzeugen weiß und die jungen Leserinnen und Leser von Beginn an zu fesseln weiß.
Johan Rundberg, Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin. Aus d. Reihe: Mika Mysteries Bd. 2, übers. v. Franziska Hüther [Orig. Titel: Tjuvdrottningen] ab 10 Jahren
Bamberg: Magellan Verlag 2026, 192 Seiten, 17,95 €, ISBN 978-3-7348-4765-3
Weiterführende Links:
Magellan Verlag: Johan Rundberg, Mika Mysteries - Die Spur der Meisterdiebin
Fantasticfiction: Johan Rundberg (engl.)
Kinder und Jugendmedien.de: Franziska Hüther
Andreas Markt-Huter, 10-03-2026