„Weit im Norden des Waldes, am höchsten Punkt der Krone eines Flügelfruchtbaums, befand sich ein großes Nest. In diesem Nest lebte eine Familie von Störchen. Die Storchmutter Lilly kümmerte sich dort um drei quengelnde hungrige Küken. Lilly hatte glänzend schwarze Augen, einen spitzen Schnabel und schneeweißes Gefieder. Die Federn ihrer Flügel waren Schwarz und ihre schlanken langen Beine waren rot.“ (S. 11)
In einem Nest in den Wipfeln eines Urwaldbaumes kommt Einar gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern Trio und Bino zur Welt. Quin ist der kleinste und schwächste der Storchkinder, der es hasst, mit seinen größeren Geschwistern um das Futter kämpfen zu müssen. Da Einar im Vergleich zu seinen Geschwistern einfach nicht wachsen will, wird er von seiner Mutter brutal aus dem Nest geworfen.
Mit Glück gelingt es Einar sich auf einem Bananenblatt festzuhalten und zu überleben, doch packt ihn der bitter nagende Schmerz, dass seine Mutter ihn absichtlich verstoßen hat. Doch bleibt ihm nicht viel Zeit für seine Trauer, als er von einem Schwarm Ameisen angegriffen wird. Zu seinem Glück wird er von Wisch, einer Katze, gerettet und zu einem Teil ihrer Katzenfamilie gemacht.
In seinem neuen Zuhause wird der merkwürdige kleine Vogel von den drei Kätzchen Fish, Scampi und Perle, die ihn Anfangs für Futter halten, als neuer Bruder begrüßt. Wish tröstet den kleinen Storch und erzählt ihm, dass sie selbst von ihrer Mutter als Baby verstoßen worden ist und ganz alleine in der Stadt aufwachsen hat müssen, bis sie im Urwald ihre Heimat gefunden hat.
Von Wisch erfahren Einar und seine Katzengeschwister viel von der Menschenstadt, ihren Maschinen und merkwürdigen Technologien wie dem Handy und wie diese die Lebensgewohnheiten der Menschen verändert hat. Und so wächst Einar, der sich manchmal wünscht eine Katze zu sein, bald schon zu einem stattlichen Storch heran. So sehr Teil der Katzenfamilie, haben alle vergessen, dass Einar ein Vogel ist und eigentlich längst fliegen sollte.
Doch Katzen sind nicht unbedingt die besten Lehrmeister, wenn es ums Fliegen geht und so unternehmen sie die verschiedensten Versuche, um Einar das Fliegen beizubringen. Nach zahlreichen Versuchen geschieht das Wunder und Einar erhebt sich in die Lüfte. Bei seinen Flugübungen trifft er auf ein junges Storchenweibchen namens Bianca, die ihn in die Geheimnisse des Fliegens und der Luftströmungen einweiht. Nach einem Kampf gegen einen Kojoten, der seine „Katzenschwester“ bedroht, wird Einar vom alten Uhu Aurelius eingeladen, Teil der Wächter des Tausendflügelwalds zu werden und den Wald vor den zahlreichen Gefahren von außen zu schützen.
Chen Jiatongs „Wild Stork“ ist der Auftakt zu einem spannenden Fantasy-Abenteuer, in dem
Tiere des Waldes sich gegen die Bedrohungen der Welt zusammenschließen. Dabei steht ein Storch im Mittelpunkt, der von seiner Familie verstoßen worden ist und versucht, über diesen Schmerz hinwegzukommen.
Ein schönes fantasievolles Lesevergnügen, in dem auf altersgerechte Weise Beziehungsprobleme thematisiert werden. Im Mittelpunkt stehen Zusammenhalt, Loyalität und Mut, die es ermöglichen, sich von einem verstoßenen Außenseiter zu einem wichtigen Teil einer Gemeinschaft zu entwickeln.
Chen Jiatong, Wild Stork - Beschützer des Waldes. Aus d. Reihe: Wild Stork Bd. 1, ill. v. Maria Beschorner, übers. v. Leonie Weidel [Orig. Titel: White Stork – Protecting the Forest of Millions of Birds], ab 9 Jahren
Bindlach: Loewe Verlag 2026, 160 Seiten, 13,40 €, ISBN 978-3-7432-2204-5
Weiterführender Link:
Loewe Verlag: Chen Jiatong, Wild Stork - Beschützer des Waldes
Andreas Markt-Huter, 12-06-2026