Lyrik

Georg Bydlinski, Triestiner Mosaik

h.schoenauer - 27.05.2026

Georg Bydlinski, Triestiner MosaikLyrik ist ein still gehaltener Atem, der anlässlich eines markanten biographischen Ereignisses zu einem Gedichtband führen kann.

Im Falle des Siebzigers von Georg Bydlinski hat die Niederösterreichische Literaturedition den Autor eingeladen, seinen lyrischen Kosmos zu durchforsten und in Gestalt eines auch haptisch ansprechenden Gedichtbandes für seine Fans und Freunde vorzutragen.

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte

Andreas Markt-Huter - 20.05.2026

Tony Allan u.a., Das alte Griechenland. Die visuelle Geschichte„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)

Griechenland gilt bis heute als die Wiege der abendländischen Kultur. Denken, Wissenschaft, Philosophie, Theater, Literatur, Kunst und Demokratie, wie sie im antiken Griechenland das Licht der Welt erblickt haben, prägen noch heute die westliche Welt, was sich auch in zahlreichen Begriffen und in den Grundlagen logischen Denkens widerspiegelt. Das Sachbuch „Das alte Griechenland“ geht diesen Ursprüngen unserer westlichen Kultur von ihren Anfängen in der griechischen Vorzeit bis zum Ende des byzantinischen Reichs untermalt mit einem umfangreichen Bildmaterial, nach.

Jan Juhani Steinmann, Das Vorfaltenlicht

h.schoenauer - 13.05.2026

Jan Juhani Steinmann, Das VorfaltenlichtHinter der Fügung „Berg und Tal“ steckt die Kartografierung eines besonderen Geländes, in der Gegenwart auch gerne als Traumziel oder Wunschland bezeichnet. Aufgesplittet in Alpen und (Silikon) Valley lässt sich dieses Berg und Tal als Doppelikone lesen, die als eine Doppelhelix den Zeitgeist erschließt.

Jan Juhani Steinmann bringt mit seinem Projekt „Das Vorfaltenlicht“ die beiden Traumgegenden Alpen und Valley zusammen, indem er mit diversen Kunstmitteln die Morphologie dieser Visionen ausapern lässt, wie man im Gebirge zu diesem Clearing im Frühjahr sagt.

Stefan Schmitzer, space waste

h.schoenauer - 04.05.2026

Stefan Schmitzer, space wasteJede Epoche stellt vor allem die Glanzlichter als Errungenschaften ins Licht der Geschichte, Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist es dann immer, die Schattenseiten und Hinterhöfe dieser Glanzlichter zu dokumentieren.

Stefan Schmitzer widmet sich in seinem Langgedicht „space waste“ dem Gegenteil des Urknalls, nämlich jenem Geräusch, das ein Mistsack macht, wenn er von der Baggerschaufel fällt. In jedem lyrischen Gehör beginnt sich bei der Beschreibung der Szene ein Geräusch aufzubauen, in dem sich vielleicht die Erfahrungen des Weltalls äußern, wenn sie auf einen jähen Augenblick treffen.

Chris Lauer, Ortsauflösung

h.schoenauer - 22.04.2026

Chris Lauer, OrtsauflösungEin lyrisch überzeugender Titel zieht das Publikum an, indem er ihm eine Aufgabe stellt, ein vorgebliches Rätsel zum Lösen. – „Ortsauflösung“ ist so eine Aufgabe, die man leichtfertig in Angriff nimmt, indem man den Namen eines Ortes für ein Ratespiel erschließt, indem man einen konkreten Ort auflöst wie eine Verlassenschaft oder indem man ein lyrisches Ortsbild dekonstruiert in emotionale Pixel.

Chris Lauer stellt das Gedicht „Ortsauflösung“ wie ein Programm an den Anfang der Sammlung. Die Bahn streicht während ihrer Schrumpfung ganze Gegenden auf der Landkarte durch und löst dabei Ortschaften aus dem Netzplan, manche Gegenden sind restlos verarmt und werden von Joggern mit Stirnlampen im Laufschritt erkundet, Michelangelo ist unter die Sprayer gegangen und macht Renaissance-Kunst an der Brücke, in einem lyrisches Wir greifen ein Paar Hände ineinander und erklimmen einen Hügel, von wo aus sich ein wundersamer Schlafverlauf zu einem Hypnogramm zusammenfassen lässt.

Peter Pessl, Dieser seltsame Salamander Selbst

h.schoenauer - 03.04.2026

Peter Pessl, Dieser seltsame Salamander SelbstEhrensache, dass der vom Aussterben bedrohte Salamander durch die Aufnahme in den Buchtitel zumindest bei Archivaren vor dem Vergessen gerettet wird. „Dieses Tier ist so kalt, dass es Feuer auslöscht, wenn es dies berührt, wie es auch Eis tut.“ Für Peter Pessl ist dieses Zitat aus der Naturalis historia von Plinius dem Älteren eine perfekte Ermunterung, damit einen ganzen Lyrik-Band über das Selbst in Bewegung zu setzen.

Der Autor nennt sich in einer Kurzbiographie gerne Landmann und Bienenzüchter, der die südlichen Gefilde des Burgenlandes durchstreift. Diese Kombi-Berufsbezeichnung ist vielleicht eine Erklärung für die Funktion der Texte, die sich durchaus als Flanier-Protokolle botanischer Streifzüge lesen lassen.

Oswald Blassnig, Herr Gott noch mal!

h.schoenauer - 01.04.2026

Oswald Blassnig, Herr Gott noch mal!Was sich wie ein kontrollierter Fluch einer seelisch austarierten Person anhört, entwickelt sich im Verlaufe des lyrischen Prozesses zu einer Sucht. „Herr Gott noch mal“ kann eben auch den Wunsch ausdrücken, etwas möge noch einmal geschehen.

Oswald Blassnig bedient sich für die poetische Dokumentation täglicher Sinnfragen der Form des lyrischen Gebets. Im Vorwort spricht der Theologe Paul Zulehner von einem diskreten Gebetsraum, worin sich Staunen und Dankbarkeit abwechseln.

Hannah K Bründl, schilfern

h.schoenauer - 27.03.2026

Hannah K Bründl, schilfernRare Wörter werden in der Lyrik manchmal aufgegriffen, neu aufgeladen und anschließend wieder ins Sprachgeschehen zurückgeworfen. So können zwischendurch Wörter recycelt und vor dem Aussterben bewahrt werden.

Hannah K Bründl (ohne Punkt im Zwischen-K) rettet mit dem Gedichte-Band „schilfern“ ein intimes Wort vor dem Untergang. Dieser Ausdruck für das „Abschilfern in kleinen Hautschuppen“ ist zudem nur regional im Einsatz, sodass es keine großen Schilfern-Erfahrungen am Kontinent gibt. Das ist aber auch nicht notwendig, denn die Autorin widmet sich jenem Bereich von „Liebe“, welcher für Frauen und weiblich gelesene Personen durchaus in Gewalt und Desaster enden kann.

Helwig Brunner, abdruck in weicher masse

h.schoenauer - 20.03.2026

Helwig Brunner, abdruck in weicher masseNoch vor dem Aufschlagen des Gedichtbandes löst der Titel schon erste Bilder und assoziative Aufregungen aus. ‒ Handelt es sich bei der weichen Masse um einen Hundekot, wie er in modernen Gesellschaften massenhaft in Städten ausgelegt ist? Ist die weiche Masse vielleicht das Hirn, von dem sich ein Gegenüber einen virtuellen Abdruck verschafft hat? Oder ist gar ein Verbrechen geschehen, und ein Forensiker gießt einen Fußabdruck mit einer weichen Masse aus?

Helwig Brunner erlöst diese Erwartungen mit seinen „Blockgedichten“, indem er alle erdenklich-lyrische Konstellationen ausruft und gleichzeitig neue Spuren losschickt, die vorerst nicht weiter verfolgt werden.

Elisabeth Wandeler-Deck, Anlandebahnen für Geräusche

h.schoenauer - 17.03.2026

Elisabeth Wandeler-Deck, Anlandebahnen für GeräuscheVom aufgekratzten Titel „Anlandebahnen für Geräusche“ inspiriert denkt man spontan an einen Laubbläser, der mit seinem kontinuierlichen Luftstrom alles Laub in die Ecke kehrt, von wo aus es dann leicht kompostiert werden kann.

Und tatsächlich erzählt Elisabeth Wandeler-Deck mit voller Düse, wenn sie ihre Prosa über die Seiten bläst. Der Text beginnt mit der Fügung „erschien sie mir“ und einem englischsprachigen Zitat über unerwartete Protagonisten, und endet nach gut hundert Seiten absatzlos mit den Worten „draw 2 parallel lines and“ (102). Die Absicht für dieses Buch ist dabei gut versteckt in einem Flow von Assoziationen, Bildern und Sehgewohnheiten: