Eric Erhardt, Im Klauhof
Die Literatur lässt die schöne Annahme zu, dass unendlich viele Welten ineinander gesteckt auf uns einwirken. Jede Welt, die wir aufrufen, begegnet uns mit eigener Sprache, die manchmal mit unserer Erfahrung zur Deckung gebracht werden kann, oft aber auch ein Eigenleben entwickelt, dem wir nur bedingt hinterher huschen können.
Eric Ehrhardt nimmt sich „Im Klauhof“ die Welt der Waren, des Scheins und der damit verknüpften Emotionen vor. Der „Roman“ handelt von „Warenbegebenheit“, also Begebenheiten, wie sie täglich unbegrenzt am Globus verteilt vorkommen.
Das Unerfüllbare / fülle ich / mit Unerfüllbarem. (16) ‒ Selten ist die Absicht der Lyrik so klar formuliert wie in der „Stunde der Wintervögel“. Dieser magische Titel kreist scheinbar um das gängige Hauptmotiv der Gegenwartslyrik, den Vögeln, in Wirklichkeit aber ist ein poetischer Teppich über das Land gelegt, aus dem wie in alten Zeiten des Teppich-Klopfens Gebrauchspartikel der unmittelbaren Gegenwart geschüttelt werden.
Wie Sand im Stundenglas pendelt jedes Gedicht zwischen Theorie und Anwendung hin und her und häuft dabei Zeit als Gutschrift für die Ewigkeit an.
Manche Bücher verhexen das Fachpublikum mit ihren schlauen neuen Erzählstrategien, andere wirken auf das alltägliche Sprechgeschehen ein wie der sprichwörtliche Gassenhauer für einfache Handgriffe.
Lyrik ist ein still gehaltener Atem, der anlässlich eines markanten biographischen Ereignisses zu einem Gedichtband führen kann.
„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)
Hinter der Fügung „Berg und Tal“ steckt die Kartografierung eines besonderen Geländes, in der Gegenwart auch gerne als Traumziel oder Wunschland bezeichnet. Aufgesplittet in Alpen und (Silikon) Valley lässt sich dieses Berg und Tal als Doppelikone lesen, die als eine Doppelhelix den Zeitgeist erschließt.
Jede Epoche stellt vor allem die Glanzlichter als Errungenschaften ins Licht der Geschichte, Aufgabe der zeitgenössischen Kunst ist es dann immer, die Schattenseiten und Hinterhöfe dieser Glanzlichter zu dokumentieren.
Ein lyrisch überzeugender Titel zieht das Publikum an, indem er ihm eine Aufgabe stellt, ein vorgebliches Rätsel zum Lösen. – „Ortsauflösung“ ist so eine Aufgabe, die man leichtfertig in Angriff nimmt, indem man den Namen eines Ortes für ein Ratespiel erschließt, indem man einen konkreten Ort auflöst wie eine Verlassenschaft oder indem man ein lyrisches Ortsbild dekonstruiert in emotionale Pixel.
Ehrensache, dass der vom Aussterben bedrohte Salamander durch die Aufnahme in den Buchtitel zumindest bei Archivaren vor dem Vergessen gerettet wird. „Dieses Tier ist so kalt, dass es Feuer auslöscht, wenn es dies berührt, wie es auch Eis tut.“ Für Peter Pessl ist dieses Zitat aus der Naturalis historia von Plinius dem Älteren eine perfekte Ermunterung, damit einen ganzen Lyrik-Band über das Selbst in Bewegung zu setzen.