Eleonore Weber, Und wir sind sie. And us are them
Eine erregende Form von Lyrik befasst sich mit dem Verdichten von Philosophie, wobei die Fußnoten und Metaebenen zu dieser Theorie selbst zu Gedichten werden. Beim Projekt „Wüten im Symbolischen“, wie der Arbeitstitel des Unterfangens lautet, handelt es sich um eine deklariert künstlerische Arbeit mit Text, Bild und Form. Das Symbolische bedeutet jenen Raum, in dem wir zum Subjekt werden. „Es ist kein neutraler Raum, sondern ein Feld, in dem Macht, Begehren und Identität ständig verhandelt werden.“ (3)
Eleonore Weber beruft sich in dieser raffinierten Arbeit „Und wir sind sie“ häufig auf Lacan, der als Quelle, Zitat und sogar Gott überraschend auftauchen darf. Der Titel lässt sich prima vista als Anwendungsformel deuten: Wir Subjekte sind das, was in der Sprachbeschreibung als „sie“ einen Platzhalter gefunden hat.
Aria – etwas zwischen Luft und Lied. Denk dir, die Sonne war da, heißt es zudem im Eingangsspruch zu den Gedichten. Anne Marie Pircher lässt knapp siebzig Gedichte auffliegen aus ihrem Band, sie sitzen locker und springen aus dem Untergrund, dem Wetter, dem Gehölz heraus, oder versammeln sich vogelähnlich in der Windströmung, ehe sie sich dann zu einem lyrischen Motiv verklumpen und als Blatt zu Boden segeln.
Für Schriftsteller bedeutet Gold oft soviel wie Stoff. Unter diesem Aspekt gesehen ist Jack London etwa seinerzeit nach Alaska gefahren, um das Gold in literarischen Stoff und anschließend in goldene Tantiemen zu verwandeln. Das Thema Gold hatte ihn reich gemacht.
Die Literatur lässt die schöne Annahme zu, dass unendlich viele Welten ineinander gesteckt auf uns einwirken. Jede Welt, die wir aufrufen, begegnet uns mit eigener Sprache, die manchmal mit unserer Erfahrung zur Deckung gebracht werden kann, oft aber auch ein Eigenleben entwickelt, dem wir nur bedingt hinterher huschen können.
Das Unerfüllbare / fülle ich / mit Unerfüllbarem. (16) ‒ Selten ist die Absicht der Lyrik so klar formuliert wie in der „Stunde der Wintervögel“. Dieser magische Titel kreist scheinbar um das gängige Hauptmotiv der Gegenwartslyrik, den Vögeln, in Wirklichkeit aber ist ein poetischer Teppich über das Land gelegt, aus dem wie in alten Zeiten des Teppich-Klopfens Gebrauchspartikel der unmittelbaren Gegenwart geschüttelt werden.
Wie Sand im Stundenglas pendelt jedes Gedicht zwischen Theorie und Anwendung hin und her und häuft dabei Zeit als Gutschrift für die Ewigkeit an.
Manche Bücher verhexen das Fachpublikum mit ihren schlauen neuen Erzählstrategien, andere wirken auf das alltägliche Sprechgeschehen ein wie der sprichwörtliche Gassenhauer für einfache Handgriffe.
Lyrik ist ein still gehaltener Atem, der anlässlich eines markanten biographischen Ereignisses zu einem Gedichtband führen kann.
„In diesem Buch wird die Geschichte Griechenlands erzählt – von der Frühzeit vor rund 400000 Jahren bis zum Ende des Byzantinischen Reiches im 15. Jh. Mit »Griechenland« meinen wir nicht nur das heutige Territorium, sondern die Gebiete, in denen die griechische Kultur damals erblühte.“ (S. 9)
Hinter der Fügung „Berg und Tal“ steckt die Kartografierung eines besonderen Geländes, in der Gegenwart auch gerne als Traumziel oder Wunschland bezeichnet. Aufgesplittet in Alpen und (Silikon) Valley lässt sich dieses Berg und Tal als Doppelikone lesen, die als eine Doppelhelix den Zeitgeist erschließt.