Roman

Norbert Loacker, Der Zufällige

h.schoenauer - 14.12.2009

Buch-CoverWahrscheinlich gibt es keine spontanere Lebensform als jene, welche permanent dem Zufall gehorcht.

Norbert Loacker schickt seinen Helden als Zufallsmenschen durch den Alltag. Morf ist nicht nur selbst ein zufällig herumschwirrender Mensch, seine größte Leistung besteht darin, dass er aus dem Zufall heraus sein Kind zeugt.

Terézia Mora, Der einzige Mann auf dem Kontinent

h.schoenauer - 07.12.2009

Buch-Cover

Es gibt Berufe, die gebärden sich so sonderbar, dass die Berufsinhaber glauben, der einzige Fachmann am Kontinent zu sein.

Terézia Mora begleitet so einen raren Typen eine Woche lang durch Beruf und Leben. Zwischen Freitag und Freitag tut sich allmählich ein Abgrund auf und verschlingt den Helden.

Mimoza Ahmeti, Milchkuss

h.schoenauer - 06.12.2009

Buch-CoverKann man die Welt kennen lernen, ohne krank zu sein, oder ist jegliche Kenntnis nichts anderes als eine Krankheit? (39) - Die sogenannte halluzinierende Frau stellt ununterbrochen seltsame Fragen und erlebt auch sonst die Welt auf völlig ungewöhnliche Weise.

Alle nennen sie bloß die halluzinierende Frau, und auch sie selbst glaubt mit der Zeit, dass etwas an ihr anders ist.

Stephan Eibel Erzberg, Sofort verhaften!

h.schoenauer - 03.12.2009

Buch-CoverWenn eine Geschichte am Höhepunkt ist und zu eskalieren droht, schreit meist jemand mit einer starken Kappe am Kopf: Sofort verhaften!

Stephan Eibel Erzbergs Roman handelt von solchen Höhepunkten der Entgleisung. In drei Kapiteln werden die Literaturszene, das revolutionäre Geschehen und die kulturelle Beruhigung in entlegener Heimat beschrieben.

Robert Kleindienst, Später vielleicht

h.schoenauer - 16.11.2009

Buch-CoverOft ist das Abweichen einer Erwartung eine Art Lebenssinn. Gerade wenn wir Leser nicken, weil wir die Geschichte verstanden haben, geht sie anders aus.

Robert Kleindienst greift diese semantische Minjuskel, die wir ständig verwenden, auf, um mit Später vielleicht zu erzählen, dass es kein Später gibt. Während sein Roman davon handelt, eine Lebenshaltung zu erzählen, brechen ihm gut gewollt die Figuren aus und verrecken letztlich an ihren Vorstellungen.

Hans Augustin, Der im brennenden Dornbusch

h.schoenauer - 09.11.2009

Buch-CoverManchmal gibt ein Buchtitel geradezu die Lesehaltung vor. Wenn ein brennender Dornbusch zu uns spricht, sind wir sofort vor Ehrfurcht starr und auf religiösen Konnex getrimmt.

Tatsächlich wimmelt es in Hans Augustins Roman über das gegenwärtige Leben im Staate Israel nur so von religiösen Bildern, biblischen Zitaten und etymologisch bis in die Vorzeit zurückverwurzelten Begriffen.

Wolfgang Falch, Die Geschichte einer Tötung

andreas.markt-huter - 09.11.2009

Buch-Cover

Ein Flugzeugabsturz löst immer eine ganze Kettenreaktion an Vermutungen aus. Wie kann es möglich sein, dass trotz aller Checks und Sicherheitsvorkehrungen die Luft einfach unter den Tragflächen zusammenbricht und die Maschine am Boden zerschellt.

Sandra Hughes, Maus im Kopf

h.schoenauer - 31.10.2009

Buch-CoverDie Maus ist mittlerweile zu einem Epochenwort geworden. Während die Älteren noch an das kleine Nagetier aus dem Keller denken, denken die Jüngeren ausschließlich an dieses kleine Ding, das elegant in der Hand liegt und den Curser auf dem Bildschirm bewegt.

In Sandra Hughes Roman spielen beide Mäuse eine Rolle. Der Held nämlich ist einsamer Computer-Freak und verschreckter Lebens-Solist in einem.

Andrej Blatnik, Ändere mich

h.schoenauer - 30.10.2009

Buch-CoverWenn alles gelungen und das Leben sozusagen im Kasten ist, entsteht meist der unbändige Wunsch, alles wieder umzustoßen und zu verändern.

Andrej Blatnik erzählt von einem Helden, der scheinbar gut aufgestellt ist. Geld ist vorhanden, der Lebenssinn scheint zumindest auf den ersten Blick ungebrochen und die Familie entspricht völlig den gängigen Glücksvorstellungen.

Martin Kolozs, Jason Crane, der Tod und das Mädchen

andreas.markt-huter - 19.10.2009

Buch-CoverEine gute Crimestory zielt vor allem darauf ab, den Leser mit einer ausgewiesenen Crime-Sprache bei Laune zu halten. Während sich der Leser an der gelungenen Erzählung erfreut, lassen sich allerhand lebensanschauliche und alltagsphilosophische Gedanken einträufeln.

So ist auch in Martin Kolozs Erzählung vom dienst-abgehangenen Lieutenant Jason Crane das Erzählen selbst das Hauptthema. Es geht dabei nicht um authentisch aufgemachtes Kriminalmaterial sondern um dessen Bearbeitung in Erinnerung, Literaturtheorie, Leseerfahrung und Klischeehaftigkeit.