Roman

German Sadulajew, Ich bin Tschetschene

h.schoenauer - 11.01.2010

Buch-CoverÜblicherweise tritt man als Leser so genannten patriotischen Formulierungen mit gemischten Gefühlen entgegen, und tatsächlich klingen sie auch seit Kennedys Berlins-Sager je nach Tagesverfassung unverfroren oder kitschig.

German Sadulajew erzählt unter der klaren Fügung Ich bin Tschetschene von einer Gegend, von der wir letztlich seit Jahrhunderten fast nichts wissen.

Andreas Renoldner, Renato

h.schoenauer - 11.01.2010

Buch-CoverIm Film Teorema von Pier Paolo Pasolini taucht eines Tages ein wunderschöner Mann in einer Villa auf und macht alle zuerst sexuell und später mit dem Kopf verrückt.

In Andreas Renoldners Roman Renato sind zwar weniger Protagonisten beteiligt, aber der Vorgang ist etwa in ähnlich, nur dass hier zuerst die Lebenstheorie und erst sehr spät die Sexualität zum Zuge kommen.

Thomas Askan Vierich, Blutgasse

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverSo genannte Baulöwen haben oft Dreck am Stecken und sind daher für Fernseh-Serien und Krimis ideal geeignet, einen interessanten Helden abzugeben.

In der Wiener Blutgasse wird gleich einmal Barbara, die Tochter eines Baulöwen, von einem unheimlichen Nachtvogel verfolgt, geduckt hinter Müllcontainern erfährt sie am eigenen Leib, was es heißt, Lebensangst zu haben.

Hans Werner Kettenbach, Das starke Geschlecht

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-CoverDie Altersgeilheit geht oft seltsame Wege, am ehesten erkennt man sie daran, dass sie sich an Kleinigkeiten aufhängt.

Hans Werner Kettenbach erfindet einen geradezu minimalistischen Plot, um zu zeigen, wie das sogenannte starke Geschlecht am Ende seiner Tage noch einmal ausrastet, ehe es dann still ausgeistert.

Tristan Egolf, Kornwolf

h.schoenauer - 28.12.2009

Buch-Cover

Im Deutschland des Dreißigjährigen Krieges wurden Außenseiter, Deserteure und Flüchtlinge, die sich in den Feldern versteckten, Kornwölfe genannt. Der Begriff hat in älteren deutsch-amerikanischen Gemeinden bis heute überlebt.

Tristan Egolf beschreibt Amerika stets von den Rändern her, dort wo der amerikanische Traum längst aufgehört hat, wo die Verkehrsverbindungen an ihr Ende kommen, wo sich eine verzopfte Gedankenwelt über Jahrhunderte ungeschoren als Desaster im religiös verwirrten Kopf halten kann.

Zdenka Becker, Taubenflug

andreas.markt-huter - 28.12.2009

Buch-Cover

Tauben gelten als besonders treue Liebhaber, die Paare bleiben meist ein Leben lang zusammen, der raffinierte Mensch nützt dies, indem er etwa die Brieftauben vom Partner trennt, so dass der getrennte Teil wie wild durch die Gegend fliegt und dabei die Post zustellt.

Kurt Bracharz, Cowboy Joe

h.schoenauer - 27.12.2009

Buch-CoverNach einem Verkehrsunfall ist eine Kuh in einen Vorder- und einen Hinterteil zerbrochen, der Vorderteil brüllt erbärmlich und der Gendarm Johann Natter versucht, das Tier zu erlösen. Aber so sehr er auch schießt, das Tier lässt sich keinen Gnadenschuss verpassen.

Dafür verpasst die Presse dem Gendarmen einen Kosenamen, er heißt ab jetzt Cowboy Joe.

Lorenz Langenegger, Hier im Regen

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-CoverIn der Literatur gibt es eine eigene Kategorie von Regen-Romanen, darin wird alles hinter einem Guss aus Wasser erzählt, die Konturen der Helden sind naturgemäß mit der Umwelt verflossen und die Seele der Figuren zieht sich dabei auf das Erbärmlichste zusammen und verkriecht sich unter der eigenen nassen Haut.

Bei Lorenz Langenegger regnet es den ganzen Roman hindurch, und der Titel Hier im Regen evoziert die Redewendung im Regen stehen lassen.

Martin Beyer, Alle Wasser laufen ins Meer

h.schoenauer - 18.12.2009

Buch-Cover

Manchmal gelingt Dichtern nicht nur der große literarische Wurf, sondern auch ihr Leben verläuft dermaßen dicht, dass daraus wieder Stoff für einen Roman wird.

Martin Beyer wendet sich mit seinem Roman Alle Wasser laufen ins Meer Georg Trakl und seinem Verhältnis zu seiner Schwester Grete zu. Dabei geht es vor allem um die Beschreibung einer Künstlertruppe am Vorabend des Ersten Weltkrieges.

Michael Amerstorfer, Nachtruhe

h.schoenauer - 17.12.2009

Buch-CoverJe seltsamer das Anliegen der Klientin formuliert ist, umso seltsamer wird der beauftragte Privatdetektiv.

Michael Amerstorfer führt in seiner Kriminalerzählung Nachtruhe John Tancredi als einen besinnlich ruhigen Detektiv ein, der mehr oder weniger unterbeschäftigt in der historischen Provinzstadt Canterbury herumlungert, die Katze füttert und als einzig brauchbaren Sozialkontakt den Friseursalon aufzuweisen hat.