Roman

Enno Stahl, Heimat & Weltall

h.schoenauer - 09.06.2009

Buch-CoverVermutlich gibt es kein größeres Gegensatzpaar als die Heimat rund um uns und das Weltall weit weg von uns. Enno Stahl siedelt seine zwei Zyklen einmal ganz nah und einmal ganz ferne an, aber da die Methode der Darstellung gleich ist, vermischen sich auch Nähe und Ferne.

Heimat und Weltall sind zwei Seiten einer Medaille, heißt es in der Einführung, es geht um das Projekt einer prosapoetischen Deterritorialisierung. (7)

Géza Ottlik, Die Schule an der Grenze

h.schoenauer - 06.06.2009

Buch-CoverSchlafsaal mit Fenstern nach Nordwesten, die Sonne, die sich zu spät für die Jahreszeit hinter den Abschlusskamm fallen lässt, eine Kastanienallee, deren Blätter schon diffuse Farben in die Lehmfahrbahn knallen: Was eine wunderschöne Inszenierung ist, stellt sich bald als perverse Kulisse für ein perverses Unternehmen heraus.

Dieses menschenverachtende Unternehmen ist eine Kadettenschule an der Außengrenze Ungarns, darin eingefangen sind die Söhne des Establishments, die noch nach Jahrzehnten an dieser sogenannten Ausbildung leiden.

Dan Lungu, Die rote Babuschka

h.schoenauer - 27.05.2009

Buch-Cover"Als ich heute Morgen aufwachte, war ich alt. (244) - Selten tritt das Ergebnis eines ganzen Romans mit einem so klaren Satz zu Tage wie am Schluss von Dan Lungu's "roter Babuschk".

Vermutlich besteht das alt werden darin, dass man die erlebten Zeiten nicht mehr scharf genug einschätzen kann und alles in einem wohligen Erinnerungsbrei endet.

Reinhold Aumaier, Zwischentraum

h.schoenauer - 26.05.2009

Buch-CoverWenn jemand verlässlich vom Jenseits berichten kann, dann ist es die Literatur! Reinhold Aumaier überschreibt seinen Text über den Ausnahmezustand, der nicht von dieser Welt ist, einerseits mit Zwischentraum, andererseits gibt er auch noch der Textgattung ein Zwidder-Dasein auf den Weg: Romanfantasie.

Um diesen Zustand, in dem nichts mehr so wie früher ist und das Neue vielleicht noch gar nicht ganz fertig installiert ist, geht es.

Clemens Lindner, Weißer Mohn

h.schoenauer - 25.05.2009

Buch-CoverIn der Literaturgeschichte schauen uns tragische Helden meist aus einer gewissen Entfernung mit hohlem Blick an. Wie aber würden diese Helden uns ansehen, wenn sie heute neben uns wohnen müssten?

Clemens Lindner greift den literarischen Mythos rund um Georg Trakl auf, um daraus einen Roman über einen modernen Helden zu schreiben. Wichtige Gedichtteile aus Trakls Werk werden dabei in den Text geknotet, und auch sonst sind die Elemente Drogen, Schwesternliebe, Heimatlosigkeit und Angst vor der Welt heftig vertreten.

Domnica Radulescu, Zug nach Triest

h.schoenauer - 24.05.2009

Buch-CoverNichts ist so brutal, wie wenn jemand fliehen muss. Daraus eine romantische Fluchtgeschichte zu machen ist freilich nicht jedermanns Geschmack.

Beim Roman von Domnica Radulescu handelt es sich selten um authentische Geschehnisse, zu sehr ist alles von einer geschönten und ins Positive ausgeleuchteten Erzählstrategie überschattet.

Wolfgang Praxmarer, Steinlechners Leute Medeas Fluch

h.schoenauer - 24.05.2009

Buch-CoverEin Kommissar kann sich seine Fälle nicht aussuchen, er muss im Leben und in der Literatur nehmen, was gerade ansteht.

Nach zwei eher internationalen Fällen trifft es Kommissar Steinlechner dieses Mal ganz irdisch trivial. In der Wiener Prostituierten-Szene geschehen kurz vor Weihnachten drei Morde. Aber schlimmer noch, der Innenminister ist furchtbar lästig und will Aufklärungserfolge.

Oleg Jurjew, Die russische Fracht

h.schoenauer - 29.04.2009

Buch-CoverGute Romane beginnen manchmal abenteuerlich logisch und biegen dann jäh in verwuchertes Gelände ab.

Oleg Jurew lässt seinen Helden Weniamin Jasytschik panisch in den St. Petersburger Hafen flüchten, es ist nicht ganz klar, warum diese Flucht notwendig ist, aber die Angst ist authentisch. Weniamin versteckt sich auf einem Ukrainischen Frachter und ist fürs erste gerettet.

Martin Kolozs, Harte Zeiten

h.schoenauer - 30.03.2009

Buch-CoverDiese knallharten Geschichten amerikanischer Bauart kennen wir vom schnellen Durchblättern von Magazinen, vom Literaturunterricht, wo jeweils eine Geschichte genau in einer Stunde Platz hat, oder aus Anthologien, worin die Dichter eines ganzen Landstrichs jeweils zu einem vorgegebenen Thema ihre entmachtete Erzählwut herauslassen dürfen.

Martin Kolozs gilt mit seinen Kurz-Krimis bereits als Meister jenes knallharten Genres, indem nicht lange erzählt, aber mit knappen, ruckartigen Sätzen alles hingebogen wird.

Sabine Groschup, Tim und die Blumen

andreas.markt-huter - 30.03.2009

Buch-CoverÜber die Logik von Krimis gehen die Meinungen auseinander. Eine Sorte von Fans bevorzugt das streng Logische in der Aufklärung des Falles, die andere Gruppierung freut sich auf jeder Seite, wenn ein anarchistisches Pixel an das andere gefügt ist.

In Sabine Groschups Roman geht es zu wie in einem Comic, von einer Szene auf die nächste kann durchaus ein Loch in der Darstellung sein, und dennoch laufen die Figuren wie am Schnürchen durch den Text.