Roman

Martin Suter, Der Koch

h.schoenauer - 06.02.2010

Buch-CoverWenn man unsere Gesellschaft einmal den Nachfahren beschreiben sollte, dann reden wir am besten von einer Koch-Gesellschaft.

An manchen Tagen scheint alles in der Wohnanlage zu kochen, auf den Flachbildschirmen lösen sich Rezepturen mit Starkochgesichtern ab und zwischendurch feiert man auf einem Kanal einen Abspeckler, der soeben eine Tonne Gewicht verloren hat und jetzt reif ist für die neue Koch-Gesellschaft, die vor allem eines ist, easy, oberflächlich, verbal ausufernd.

Birgit Unterholzner, Flora Beriot

h.schoenauer - 02.02.2010

Buch-CoverDie Literatur muss alles: Die Zeit zurückdrehen, anhalten oder beschleunigen, je nach Aufgabenstellung erledigt sie alle diese Vorgänge tapfer. Und es ist kein Geheimnis, dass wir alle sagen: Wenn etwas bleibt von der Gegenwart, ist es die Literatur.

So ist es ein kluger Vorgang, dass die "innsbrucker university press", die umfangreich das wissenschaftliche Geschehen dokumentiert, seit 2010 eine Literaturserie "edition laurin" führt, die von Birgit Holzner betreut wird.

James Ellroy, Blut will fließen

h.schoenauer - 02.02.2010

Buch-CoverManchmal muss man nur diesen Ansaugstutzen beschreiben, der ganze Lesergenerationen in das Buch hinein saugt, um das Werk zu beschreiben.

James Ellroy schreibt über komplette Generationen und saugt folglich auch diese in das Innere seiner Bücher hinein.

Doris Rüdisser, Fuchsgesicht

h.schoenauer - 29.01.2010

Buch-CoverDie wildesten Geschichten, das wissen wir seit Michael Kohlhaas, wuchern immer aus sogenannten Chroniken hervor. In den Chroniken nämlich wird das Leben beinhart, klar und schroff dargestellt.

In Doris Rüdissers Erzählung Fuchsgesicht wird gleich zu Beginn eine Chronik zum Anklingen gebracht, damit alles klar ist.

Walter Grond, Der gelbe Diwan

h.schoenauer - 24.01.2010

Buch-CoverSeit dem west-östlichen Divan wissen aufmerksame Leser, dass der Diwan nicht nur etwas zum Sitzen, sondern auch eine persische Gedichtsammlung meinen kann.

Walter Grond lässt mit dem gelben Diwan diese Mehrdeutigkeit anklingen, sein Roman handelt von der Abschottung und Verschmelzung von Ost und West, seine Figuren haben ständig mit Literatur zu tun, und der Plot ist ein modisch gelb gestalteter Diwan, auf dem der Hauptheld seinen Roman aussitzt.

Ewa von Ecky, Die Albträumerin

h.schoenauer - 24.01.2010

Buch-CoverNormalerweise kann es eine Schriftstellerin / Schriftsteller der Leserschaft ja nie recht machen. Einerseits soll immer etwas Neues passieren, andererseits dürfen aber eingefräste Lesepfade nicht verlassen werden.

Und meist entscheidet ohnehin die Tagesverfassung der Rezipienten; wenn da jemand schlecht drauf ist, kommt auch das beste Buch nicht an.

Martin Kubaczek, Sorge Ein Traum

h.schoenauer - 21.01.2010

Buch-CoverEin Spion ist letztlich nichts anderes, als ein begnadeter Erzähler. Er muss die feindlichen Aktivitäten auskundschaften und sie geheim seinen Hintermännern vermitteln.

Genau so geschieht es in der Literatur, der Autor kundschaftet feindliche Dinge aus und übermittelt sie streng geheim dem Leser.

Xu Lu, Dida

h.schoenauer - 14.01.2010

Buch-CoverChinesische Romane schaffen es spielend, die Lesegewohnheiten jedes europäischen Lektüre-Freaks aus den Angeln zu heben.

Irgendwie muss man beim Lesen eines chinesischen Romans immer ganz von vorne anfangen und sich fragen: Was macht ein chinesischer Roman eigentlich, wie lässt er sich mit einem europäischen vergleichen, was ist individuelle Strategie und was ist staatlich vorgegebener Usus?

Gerd Graenz, Zahnlos

h.schoenauer - 13.01.2010

Buch-CoverMeist werden historische Ereignisse mit großen Armbewegungen erzählt, je weiter jemand beim Texten ausholt, umso mehr Luft wirbelt er damit auf.

In Gerd Graenzs kleinem Roman Zahnlos geht es geradezu irdisch unhistorisch zu. Der Protagonist ist noch zu DD-Zeiten im Anflug auf Ost-Berlin, als es mit dem Gebiss nicht mehr ganz hinhaut. Obwohl er sich eigentlich ein paar harmlose Urlaubstage machen will, wird er jetzt zum Getriebenen, denn irgendwo muss eine zahnärztliche Hilfe her.

Judith Gruber-Rizy, Drift

h.schoenauer - 12.01.2010

Buch-CoverKomplizierte Vorgänge brauchen eine komplexe Darstellungsweise, und was ist als Stoff üppiger als das Leben?

Judith Gruber-Rizy hat in ihrem Roman drei Vorgänge des Lebens im Auge und daher auch in jedem Abschnitt mindestens drei erzählerische Zugänge. Einmal geht es um die Drift, ein Phänomen, wo etwas scheinbar ungesteuert irgendwohin driftet, zum anderen geht es um die Verlässlichkeit von Erinnerung, und zum dritten geht es um das wahrhaftige Schreiben.