Roman

Christian Mähr, Alles Fleisch ist Gras

h.schoenauer - 26.09.2010

Buch-CoverDie absolute Vergänglichkeit dieser Welt ist in jenem Psalm zusammengefasst, wonach alles Fleisch zu Gras wird.

Von dieser spurlosen Vergänglichkeit träumen natürlich die Akteure des idealen Verbrechens, und in Christian Mährs Roman gibt es jede Menge Verbrechen und Leichen, die man idealerweise verschwinden lassen muss.

Utta Roy-Seifert, Der Webfehler

h.schoenauer - 23.09.2010

Buch-CoverEs gibt diese unauffälligen Berufe, die niemand wahrnimmt, deren Dienste aber ganze Generationen in Anspruch nehmen. Das Übersetzen ist so ein Beruf.

Oft scheint nicht einmal der Name der Übersetzerin auf, dabei ist es meistens gerade sie, die einem Text erst zur Wahrnehmung verhilft, indem sie ihm originäre Substanz verleiht.

Kurt Bracharz, Der zweitbeste Koch

h.schoenauer - 22.09.2010

Buch-CoverFür einen guten Krimi braucht es entweder Perversion oder Provinz. Kurt Bracharz nimmt im Zweifelsfalle gleich beides, wenn er die internationale Feinschmeckerküche auf das österreichisch-perverse Provinzniveau herunter bricht.

Nach dem Sprichwort "Hunger ist der beste Koch" kann folglich jeder noch so gute Koch nur mehr der zweitbeste sein. Der Wiener Gourmetkritiker Xaver Ypp muss sich ständig mit falschen Sprichwörtern und Rezepten herumschlagen. Die Feinschmeckerei hat sich nämlich ziemlich ins Perverse entwickelt und es ist gar nicht leicht, jeden Tag neue Trends zu kreieren.

Lydia Mischkulnig, Schwestern der Angst

h.schoenauer - 21.09.2010

Buch-CoverNichts lässt sich so schwer finden wie die eigene Persönlichkeit. Bis sich so ein Individuum zu einem singulären Ereignis zusammengerappelt hat, bedarf es oft eines lebenslangen Kampfes.

Im Roman Schwestern der Angst geht es vordergründig um eine Dreiecksgeschichte, in der Substanz jedoch um Leben und Tod und Identität.

Bastian Zach / Matthias Bauer, Morbus Dei

h.schoenauer - 20.09.2010

Buch-CoverManchmal entsteht das Ungeheure durch bloße Entlegenheit. In der Story Morbus Dei ist so ziemlich alles versteckt, entrückt und entlegen, in einem unscheinbaren Dorf in Tyrol spielen sich zu einem unauffälligen Zeitloch nach dem dreißig Jährigen Krieg vorerst unsichtbare Besonderheiten ab.

Der Deserteur Johann ist aus einem der permanenten Kriege übrig und am Leben geblieben, weil er offensichtlich rechtzeitig desertiert ist.

Dietmar Füssel, Diesseits von Eden

h.schoenauer - 08.09.2010

Buch-CoverSatiren greifen oft einen voluminösen Titel auf um ihn dann ordentlich aufzublasen und zum Platzen zu bringen.

Dietmar Füssel hat nichts Gewaltigeres vor, als das Paradies aus literarischer Sicht zu schildern und die darin eingelagerten Wahnvorstellungen zum Platzen zu bringen.

Eva Rossmann, Evelyns Fall

h.schoenauer - 07.09.2010

Buch-CoverWenn man die gesellschaftliche Seele eines Landes kennen lernen will, tut man oft gut daran, sich an einen Gesellschafts-Krimi zu halten. Darin kommen in Figurenführung, Themenwahl und Didaktik der Alltagsbewältigung oft mehr Dinge zum Vorschein als in einem Landes-Knigge.

Eva Rossmann führt mit ihrer aufklärenden Journalistin Mira Valensky schon seit Jahren elegant und raffiniert durch die Untiefen der Österreichischen Seele. In ihrem mittlerweile zwölften Krimi, geht es um das Problem Armut, Sozialhilfe, Negativ-Karriere. In einem abgewohnten Haus, das man in der ersten Klischee-Empfindung in Rumänien ansiedeln möchte und nicht in einem Wiener Vorort, wird die tote Evelyn Maier entdeckt.

Sigitas Parulskis, Drei Sekunden Himmel

h.schoenauer - 06.09.2010

Buch-CoverManchmal fassen Romane einen zeitkritischen Löffel aus und kratzen damit die Geschehnisse eine ganzen Generation mit ein paar Sätzen aus dem Topf der Zeit.

Sigitas Parulskis nennt seinen Roman drei Sekunden, weil sich offensichtlich die wesentlichsten Ereignisse auf diese Zeiteinheit zusammenstutzen lassen. Die drei Sekunden haben freilich noch einen handfesten Sinn, militärischen Fallschirmspringer müssen aus Sicherheitsgründen drei Sekunden im freien Fall die Luft anhalten, ehe sich der Schirm öffnet (oder auch nicht).

Norbert Gstrein, Die ganze Wahrheit

h.schoenauer - 02.09.2010

Buch-CoverWenn man vor und nach der Lektüre nicht weiß, wie man den Roman lesen soll, dann ist er vor allem eines: aufregend gelungen.

Norbert Gstrein, der Meister des Verunsicherungstextes, lässt in seinem Roman Die ganze Wahrheit den Leser immer wieder ins Leere laufen. Denn auf den ersten Blick erzählt er eine verkorkste Liebes- und Ehegeschichte, deren Trivialität nur deshalb von Interesse ist, weil sie im Verleger-Milieu spielt.

Ljubko Deresch, Intent!

h.schoenauer - 30.08.2010

Buch-CoverDas größte Abenteuer ist sicher das allmähliche Hineinwachsen in die eigene Person.

In Ljubko Dereschs Roman Intent! wächst Petro Pjatotschkin nicht nur in sich selbst hinein sondern über sich hinaus.