Tiroler Gegenwartsliteratur

Margit Oberhammer (Hrsg.), Wortkörper

h.schoenauer - 18.01.2008

Buch-CoverJe besser ein Dichter umso schlechter sein Sex. - An diese blöde Volksweisheit mag man denken, wenn man sich der Sammlung Wortkörper zuwendet.

Unter dem Genre "Prosa der Sinne" hat Margit Oberhammer dreizehn Autorinnen und Autoren eingeladen, etwas über den Umgang mit dem Körper und dessen Fleischwerdung zum Wort zu schreiben.

Selma Mahlknecht, Im Kokon

h.schoenauer - 17.01.2008

Buch-CoverKein Wurm mehr aber auch kein Schmetterling, das ist in der Insektenkunde das Stadium des Kokons. Bei den Menschen heißt das schlicht Pubertät.

Die Erzählerin durchlebt gerade diesen Kokon, das bedeutet, dass keine passende Sprache zur Verfügung steht, dass die Freundschaften wackeln, dass die Vorstellung von der Welt überhaupt nicht der sogenannten Welt entspricht.

Lina Hofstädter, Valcamona

h.schoenauer - 01.12.2007

Buch-CoverFür die aktuelle Erforschung eines Lands sind nach wie vor fetzige Krimis der beste Zugang.

Nach Kurt Lanthaler, der vor gut zwanzig Jahren mit seinen berüchtigt skurrilen Tschonnie-Tschenett-Romanen den Nord- und Südtirolern einen speziell geschliffenen Spiegel vorgehalten hat, beschreibt Lina Hofstädter in ihren bislang drei Tirol-Krimis das Land in seinen schier unglaublichen Ausbuchtungen des Alltags.

Sepp Mall, Wo ist dein Haus

andreas.markt-huter - 19.10.2007

Buch-CoverScharfe Gedichte sind immer doppelbödig, was scheinbar in einer glatten Schale verpackt ist, stellt sich beim Verzehr oft als stacheliger Kern der Zeitlosigkeit heraus.

Sepp Mall nennt seinen neuen Gedichtband Wo ist dein Haus. Hinter dieser harmlosen Frage, die in den alpenländischen Talschaften gerne gestellt wird, wenn man jemandem ein Quartier zuweisen will, steckt aber auch die lauernde Frage zwischen den Generationen: Warum hast du noch kein Haus gebaut, wo ist dein Haus?

Josef Oberhollenzer, Großmuttermorgenland

andreas.markt-huter - 15.10.2007

Buch-CoverHinter den Bergen muss etwas Rundes sein, hinter den Bergen liegt vielleicht das Paradies, hinter den Bergen ist das Großmuttermorgenland.

Im Gebirge wächst ein Kind heran, das allmählich in die Härte des lokalen Lebens, in die Kunst des Träumens und in die Vorstellung von Weite und Welt eingeführt wird. Die Lehrmeisterin ist vor allem die Großmutter, die nicht nur in allen Lebenslagen einen überraschenden Kunstgriff parat hat, sondern die auch die Phantasie erweckt.

Martin Kolozs (Hrsg.), Kleine Anthologie junger Tiroler Literaten

andreas.markt-huter - 11.10.2007

Buch-CoverWie man durch ein kleines Fenster große Sachen sehen kann, wenn das Fenster gut positioniert ist, kann man als Leser auch durch eine so genannte kleine Anthologie allerhand Bemerkenswertes aus der Tiroler Nachwuchsliteratur herauslesen.

Die neun Autorinnen und Autoren im Alter zwischen sechzehn bis einundzwanzig haben das Thema frei gewählt, das ist ja schon die erste wichtige Botschaft. Was sucht sich jemand aus der Realität aus, dass es darüber einen fiktionalen Text geben soll?

Anita Pichler, Flatterlicht

andreas.markt-huter - 11.10.2007

Buch-CoverDie Ausgabe soll vor allem lesbar sein, heißt es im Nachwort zu den verstreuten Texten. Offensichtlich trauen Germanisten oft selber ihrer Arbeit nicht ganz, weshalb der Germanist Helmut Luger diese Lesbarkeit extra betont.

Und wirklich, die Texte der vor zehn Jahren verstorbenen Anita Pichler stehen im Vordergrund. Die editionstechnischen Angaben und das Ambiente der Entstehung sind diskret in einem Anhang untergebracht.

Maria Thaler, Märzschnee

andreas.markt-huter - 10.10.2007

Buch-Cover"Hs Aufgabe war es zu sterben. Meine war, mit seinem Tod weiterzuleben." Das Motto dieser Erzählung Märzschnee funkelt ziemlich brutal vom Buchumschlag. Und innen ist der Trost phasenweise sehr verhalten.

Wovon man nicht reden kann, darüber muss man schreiben, zitiert die Autorin einen Spruch und bemüht sich, durch Schreiben halbwegs klar zu kommen in der Trauerarbeit.

Kurt Lanthaler, Das Delta

andreas.markt-huter - 21.09.2007

Buch-CoverIm Zeitalter durchgehender Terrorangst darf man nirgendwo auf der Welt einen Koffer abstellen, ohne dass dieser nicht sofort gesprengt würde.

Diese Erfahrung macht auch der Lebenskünstler Fedele Conte Mamai - wörtlich übersetzt der treue Graf Niemals (S. 78) -, als er nach Jahrzehnten wieder in das Po-Delta zurückkehrt. Irgendwie verliert er den Koffer aus den Augen und ist schon dran. Carabinieri wollen alles wissen, wer warum weshalb, und genau auf diese Fragen weiß der treue Graf keine Antwort.

Thomas Schafferer, suedesland

andreas.markt-huter - 19.09.2007

Buch-CoverWährend normale Touristen Fotos oder wie im heurigen Jahr Brandwunden aus Griechenland mitbringen, ist es nahezu logisch, wenn ein Schriftsteller frische Texte mit nach Hause bringt.

Thomas Schafferer hat aus seinen spontanen Impressionen seiner Reise auf ägäische Inseln 129 Gedichte geradezu herausdestilliert. Denn wie wohl die Gedichte oft leicht und eingerissen wie zufällig gefundene Papierstreifen vor die Augen des Lesers flattern, sind sie natürlich mit klugem Augenmaß und großer Hingabe komponiert.