Nina George / Jens J. Kramer, Die magische Bibliothek der Buks. Das Verrückte Orakel
„Der Sturm heulte schaurig um das alte, vergessene Haus. Die Fensterscheiben bebten, morsche Balken knarzten. Die dichten, hohen Bäume, die das Haus mit der geheimen Bibliothek umstanden, ächzten im Wind. Immer wieder schlugen die Zweige heftig gegen die vermoosten Mauern. Im großen Lesesaal huschten unruhige, kugelrunde Lichter zwischen den meterhohen Regalen umher.“ (S. 5)
In einer Zeit, in der die meisten jungen Menschen Bücher nur mehr aus den Erzählungen ihrer Großeltern kennen, kümmern sich die Buks, Buchschutzgeister, die versteckt in einer alten Villa leben, um die riesige Bibliothek voller Bücher. Zu ihrem Entsetzen müssen sie erkennen, dass immer mehr Wörter und sogar Sätze aus den Büchern verschwinden. Ein Orakel besagt, dass nur fünf Kinder, die Welt der Bücher retten können.
„Die in diesem Buch vorgestellten Gegenstände gelten nicht wegen ihres Sachwertes als kostbar – einige bestehen aus Edelmetallen und sind unbezahlbar, andere wiederum wurden aus einfachen Materialien wie Ton, Stein oder Holz gefertigt –, sondern aufgrund der Bedeutung, die ihnen die Gesellschaft beimisst, in der sie entstanden. Nicht das Objekt selbst bestimmt seinen Wert, sondern der kulturelle Kontext, weltanschauliche Überzeugungen und Traditionen.“ (S. 11)
„Klippo lag festgebunden auf seiner Bank, sein Magen in Aufruht, hilflos allem ausgeliefert, was um ihn herum geschah. Er schluckte Salzwasser, spukte und hustete, bangte um sein Leben und trotzdem war er glücklich, so glücklich wie seit Langem nicht mehr. Er war mitten in einem Abenteuer, einem, das nicht nur im Kopf stattfand.“ (S. 34)
„Juva zog am Hebel und hörte, wie die Armbrust mit beruhigendem Klicken aufklappte. Sie drückte den Kolben an die Brust, bereit zu reagieren. Lauschte. Das Totenhorn ließ seine düstere Warnung über Náklav erschallen, und direkt hinter ihr kamen Männer wieder zu Atem, aber ansonsten war es beunruhigend still auf der Straße. Kein Weinen, keine entsetzten Schaulustigen, keine Rufe aus den Fenstern.“ (S. 7)
„Die ersten Kulturen entstanden entlang großer Flüsse in Mesopotamien (dem heutigen Irak) und China. Im Lauf der Zeit kamen überall auf der Welt viele weitere dazu. Dieses Buch zeigt Szenen aus 12 antiken Kulturen in Afrika, Amerika, Asien, Europa und Ozeanien. Auf dieser Karte siehst du, wo sie sich befanden.“ (S. 2)
„Anders als viele Menschen, die denken besonders begabt zu sein, besaß Wittgenstein tatsächlich Genialität. Damit ist gemeint, dass er nicht Denkweisen von anderen einfach übernehmen konnte, sondern sein Eigenes in alle Dinge hineinlegen musste, die er tat. Er bildete selbst Muster – sei es in der Philosophie oder Architektur u.a. – anstatt nur die von anderen bereits gegebenen Muster weiterzuführen.“ (S. 12)
„In diesem Buch geht es um unmögliche und wundersame Ereignisse, die sich nie zugetragen haben, inmitten von unmöglichen und undenkbaren Ereignissen, die allesamt wahr sind.
„Ja, Sommerrode ist so wunderhübsch, so fabelhaft und perfekt, dass man es kaum aushalten kann. Aber jetzt ist die Hauptstraße von Sommerrode versperrt. Mitten auf der Lupinenallee türmt sich ein riesiger Berg Modder auf. Gekrönt mit einem dicken Haufen frischer Hundekacke. Der Matsch quillt schon rechts und links auf den Radweg. Und der Gestank kriecht durch die Schießscharten-Fenster der umliegenden Häuser. Wie das passieren konnte? Tja, das Ganze hat vor einer Woche begonnen, mit der Kletten-Keilerei. Und der Ameisen-Attacke. Und dann kam der Wettbewerb, bei dem ein Drache unbedingt den ersten Preis gewinnen wollte. Aber besser der Reihe nach.“ (S. 8 f)
„Eine Quest kann niemandem auf der Welt trauen – außer einer anderen Quest. Wenn also eine Quest, speziell Mama Quest, mir sagt, ich solle mich wie eine Fruchtschnur verbiegen und in ein winziges Schränkchen quetschen – nicht einmal einen Hund würde man in eine Transportbox dieser Größe stecken –, so vertraue ich natürlich darauf, dass sie einen guten Grund dafür hat. Oder dass zumindest die Sache, die ich stehlen soll, es wert ist. (S. 7)
„Den meisten Menschen fällt es schwer, sich ihrer frühesten Erinnerungen zu entsinnen. Es kostet sie Mühe, so als streckten sie sich nach ihren Zehen. Joe aber ging es nicht so – was daran lag, dass diese Erinnerung eine Woche nach seinem dreiundvierzigsten Geburtstag entstand. Er stieg aus dem Zug. Das war es: das Allererste, woran er sich erinnerte.“ (S. 11)