Sonja Stangl, Wenn der Wind vom Meer erzählt
„Eines Morgens saß ein alter Bär auf dem Hügel hinterm Haus. Niemand wusste, woher er gekommen war und weshalb. Von rundherum kamen die Leute, um mit ihm zu reden. Doch er reagierte nicht. Vielleicht kann er uns nicht verstehen? Vielleicht hat er was an den Ohren? Vielleicht mag er uns nicht?, fragten sie sich.“
Ein alter Bär, der einsam auf einer Bank auf dem Hügel sitzt, erregt zunächst die Aufmerksamkeit der Menschen. Sie versuchen ihn anzusprechen, aber nachdem er nicht reagiert, verlieren sie rasch das Interessen an dem alten Bären und vergessen ihn wieder. Alle, bis auf ein junges Mädchen, das den Bären von seinem Fenster aus beobachtet.
„Das Phantom. Der größte Dieb seit … na ja, seit Cosima und die anderen letztes Jahr den Palast der Schätze ausgeraubt hatten. Bloß hatte ihnen niemand einen so grandiosen Spitznamen verpasst, als die fünf Juwelen plötzlich aus der Empire-Ausstellung verschwunden waren. Cosima kräuselte die Stirn und überlegte, welcher Name dem Phantom wohl Konkurrenz machen könnte.“ (S. 13)
„Tatsächlich war die Eingangstür zu Jacky Marrones frisch eröffnetem Büro so wahnsinnig unauffällig, dass er an seinem ersten Arbeitstag gleich mehrfach an ihr vorbeigelaufen war. Peinlich, aber eigentlich auch ziemlich genial: Das Geheime und Verborgene war nämlich sein Geschäft. Jacky Marrone mit ck, y und Doppel-r war ein Privatdetektiv. Trotzdem! Was war der beste und geheimste Privatschnüffler ohne einen richtigen Auftrag?“ (S. 6f)
„Endlich letzter Schultag! Endlich nicht mehr früh aufstehen, keine Diktate mehr und vor allem: Nicht mehr lesen! Genießt eure Ferien und vergesst nicht, ein Buch zu lesen! Ein ganzes Buch? Aber ich hasse Bücher!“
„Maggie klopfte aufs Sofa und redete auf ihn ein wie eine Verrückte - »Miez-Miez, na, komm schon« -, bis der Kater schließlich das Maul öffnete und leise, aber in aller Deutlichkeit verkündete: »Ich heiße weder Miez-Miez noch Katzi. Sondern Hoagy.« Ein paar Sekunden lang war Maggie erstarrt. Dann schnappte sie nach Luft und sprang auf die Sitzfläche des Sofas.“ (S. 39)
„Meine Mutter brachte mir viele Fertigkeiten bei, damit ich meinem Ehemann eine gute Frau sein würde. Wie man kocht und sauber macht. Wie man webt und näht. Wo man jagt und sammelt. Dabei hätte sie mir besser zeigen sollen, wie man sich beherrscht, um besagtem Ehemann kein Messer in den Bauch zu rammen, wenn er sich als begriffsstutziger Trunkenbold mit böser Zunge entpuppt ... Denn an diesem Tag wurde mein Temperament einer harten Prüfung unterzogen.“ (S. 7)
„Die jungen Zicklein durften endlich auf die Wiese. Sie drängelten und rempelten und stolperten übereinander. Die Ziegenmamas schauten zu. »Springt nicht zu hoch!«, rief die eine. »Tobt nicht so wild«, sagte die andere. »Und hütet euch vor den Nachtvögeln!«, ermahnte die dritte. »Die können euch gefährlich werden« Aber die jungen Ziegen hatten anderes im Sinn.“
„Im Wolfsrudel gibt es fünf Welpen, die fünf Monate alt sind. Der fünfte Welpe ist weiß und ein Mädchen. Es heißt Fünf. Aufgeregt jaulen die Welpen: Das Rudel kommt von der Jagd. Vorne laufen die Leitwölfe Breitmaul und Vollmut.“ (S. 6f)
„Seid gegrüßt, ihr Sterblichen. Mein Name ist Loki, und ich bin ein Gott. Also … in gewisser Weise. Es ist kompliziert. Momentan lebe ich in Midgard (euch auch bekannt als Erde), und zwar in Gestalt eines mickrigen sterblichen Jungen namens Liam. Ich verfüge noch immer über die Kräfte eines mächtigen Gottes, aber es ist mir verboten, sie öffentlich einzusetzen. Außerdem muss ich in die Schule gehen. Niemals hat jemand so sehr gelitten wie ich.“ (S. 9)
„Ellie war immer noch da, sie saß in der ersten Reihe, aber sie hielt etwas im Arm und sah ganz anders aus als sonst, völlig aufgelöst und über und über errötet … »Das hat jemand hiergelassen«, sagte sie. Sie schlug das Tuch zurück, und Sigrid beugte sich vor, um zu schauen. »Herr im Himmel!« Das Baby war noch sehr klein, nicht mehr als ein paar Tage alt, aber es war erstaunlich lebendig.“ (S. 9)