Mira Lobe Komm, sagte die Katze
„Es regnete. Es rieselte und rauschte. Es planschte und plätscherte. Die Katze saß oben im Baum. Ringsum war Wasser. »Jetzt ist es genug!«, sagte die Katze. »Jetzt soll es aufhören!« Aber es hörte nicht auf. Es regnete immer weiter. Das Wasser schwemmt die Erde weg. »Hilfe!«, sagte die Katze. »Mein Baum kippt um!« Sie schlug ihre Krallen in die Zweige und hielt sich fest.“
Ein fürchterlicher Regen bricht über das Land herein und entwickelt sich zu einem mächtigen Hochwasser, das alles unter Wasser setzt. Dabei geraten auch die Tiere der Umgebung in große Not. Einer Katze gelingt es sich auf einem Baum in Sicherheit zu bringen. Als der Baum umfällt, treibt sie auf dem Baum in den Wasserfluten mit.
Schon vom Titel an steht eine schicksalshafte Verwechslung im Vordergrund. Die Ähnlichkeit von Zwillingen erzwingt nicht direkt einen Gleichklang der Lebensläufe. – Das ist die Stunde der Pädagogen und Gutwilligen, sie können sich nämlich die erfolgreiche Intervention auf die Fahnen schreiben, wenn die Erziehung des einen Zwillings gelingt, während der andere ohne Pädagogik vor die Hunde geht.
„Für den kleinen Maulwurf ist jeder Tag ein Abenteuer. Denn es gibt so viel zu erleben! Daheim im Wald veranstaltet er zum Beispiel Picknicks mit seinen Freunden. Am liebsten mit selbstgebackenem Erdbeerkuchen. Erdbeeren mag er nämlich besonders gern. »Auch wenn ich zuerst gar nicht wusste, wie diese leckeren roten Früchte heißen, die ich mit dem Igel immer nasche.«“ (S. 6)
„Die Steinchen unter seinen Wanderstiefeln knirschten bei jedem Schritt. Und mit jedem Schritt wurde seine Wut und der Schmerz in ihm ein bisschen größer. Nein, er gehörte nicht zu ihnen, das wusste er schon lange. Mama, Papa und Benni, die kamen prima miteinander aus. Nur er war immer der Störefried. Zu laut war er, zu wild, zu ungeschickt, genauso wie in der Schule.“ (S. 11)
„Als ich zum schnellsten Sprint meines Lebens ansetzen wollte, packte mich jemand am Fußknöchel. Ich strauchelte. Die Schalfrau rammte mir ihr Knie in den Rücken. Bevor ich mich umdrehen konnte, stach eine Nadel in meinen Hals. Ich spürte, wie sich die Frau auf mir entspannte. Was immer sie mir injiziert hatte, bedeutete, dass der Kampf vorüber war.“ (S. 30)
„Der Wald war Luas Zuhause und seine Bewohner waren Luas Freunde. Denn Lua war eine Waldelfe. Sie sah eigentlich beinahe aus wie ein Mensch – allerdings mit zwei wesentlichen Unterschieden: Erstens wuchsen aus ihrem Rücken, zarte, fast durchsichtige Flügel. Und zweitens war Lua ziemlich klein. Sie war nur etwa so groß wie der Backenzahn eines Riesen. Also etwas größer als eine Maus, aber deutlich kleiner als ein Hase.“ (S. 9)
„Liebe Leserin, lieber Leser, ich habe dieses Buch für meine starken, mutigen Töchter geschrieben. All meine Gedanken und meine Liebe für sie stecken darin. Es ist ein Schatz, in dem sie immer wieder lesen können, der sie beim Großwerden begleitet und für sie da ist – in den großen und kleinen Momenten. Und nun hast auch du dieses Buch von jemandem bekommen, der dich liebt und dir damit sagen möchte: Meine Liebe begleitet dich überall hin.“ (S. 5)
„Isa ließ das Blatt sinken. Adèle. Ihr war ein wenig schwindelig zumute. Der Brief war von ihrer Mutter! Sie nahm ihn wieder auf, starrte auf die Worte, die vor ihren Augen verschwammen, und horchte in sich hinein, wo sich tief in ihrem Magen ein kleiner, schmerzhafter Knoten gebildet hatte. Adèle hatte die Familie schon vor Jahren verlassen. Isa war damals gerade mal vier Jahre alt gewesen und sie hatte so gut wie keine Erinnerung mehr an ihre Mutter.“ (S. 15)
„Bei Nina zu Hause gibt es einen Türrahmen, der ganz mit Strichen und Zahlen vollgekritzelt ist. Daran kann man ablesen, wie groß Nina, ihre ältere Schwester Julia und Mama und Papa gerade sind. Mama und Papa haben jeweils nur einen Strich, weil sie nicht mehr wachsen, aber Nina und Julia haben massenhaft Striche! Und als Nina heute nachmisst, wie groß sie geworden ist, ist ihr neuer Strich weiter oben als der alte, an dem Julia steht.“ (S. 7)
„Das Nichts ist traurig. «Ich bin ein Nichts und bleibe ein Nichts. Und ich sehe nach nichts aus. Wie ein Nichts eben. Aber das ist ja nichts Neues. Da kann ich nichts machen.» Am liebsten würde es sich in nichts auflösen. Und dann? Ständen alle da ohne das Nichts.“