Renate Welsh, Sarah spinnt Geschichten
„Zwei Buben und drei Mädchen stehen noch in der Mitte des Turnsaals und warten darauf, in eine Mannschaft gewählt zu werden. »Beeilt euch!«, sagt die Lehrerin. Sarah schaut auf ihre Füße. Sie weiß schon, dass sie als Letzte übrig bleiben wird. Sie ist die Neue.“ (5)
Sarah und ihr Vater sind vor ein paar Monaten umgezogen, nachdem ihr Papa sich einen alten Wunschtraum erfüllt hat, indem er den Buchladen seines Onkels übernommen hat. Als Sarah drei Jahre alt war, ist ihre Mutter gestorben und seitdem leben ihr Vater und sie allein. Der Wechsel an die neue Schule fällt ihr schwer, vor allem aber, weil sie noch keine neue Freunde hat. Sarah kennt sich auch noch nicht gut in der Schule aus, gilt immer noch als „die Neue“ in der Klasse und fühlt sich von allen ausgelacht.
„Bei der Planung habe ich viel Wert darauf gelegt, dass Kinder mit dem Buch selbstständig entdecken können und erfahren, wie einzigartig und wie wertvoll unsere Erde ist. Ganz von allein können die neugierigen Kinder so mit diesem Buch zu kleinen Experten werden. Das ist Wissen, das ihr Denken und Handeln von Anfang an unterstützen kann und sie hoffentlich offen macht für die überwältigende Vielfalt unserer Erde.“ (2)
„Als Victoria Wright zwölf Jahre alt war, hatte sie exakt einen Freund. Genaugenommen war er der einzige Freund, den sie überhaupt je gehabt hatte. Er hieß Lawrence Prewitt, und am Dienstag, dem 11. Oktober des Jahres, in dem Victoria und Lawrence zwölf Jahre alt waren, verschwand Lawrence.“ (5)
„Aber wenn ich mich etwas länger im Spiegel anschaue, etwa eine Viertelstunde lang, dann bekomme ich ein sonderbares Gefühl. Ich nenne es das »Ich-Gefühl«. Dann schaue und schaue ich mich selbst an, so genau und so lange, wie ich es aushalte, und plötzlich passiert es, und ich verstehe nicht mehr, dass das im Spiegel ich bin!“ (12)
„Mama sagt, egal wie arm die Leute sind, ob man zu den Habenden gehört oder zu denen, die nix haben, oder ob man seiner Mama auf den Stufen dazwischen das Kreuz bricht, die besten Sachen auf der Welt gibt’s fast für umsonst. Wie zum Beispiel das gleißende Morgenlicht, das wie Diamanten über die Wasseroberfläche unseres Flüsschens tanzt.“ (11)
„Sandige Hände wühlten sich aus dem Sand, grabschten nach ihr, krallten sich in den Saum ihrer Jeans. Das Lied war lauter geworden, der glockenhelle Klang schnürte Jo die Kehle zu, so traurig und sehnsuchtsvoll war die Melodie. Und dann hatte sie das Mädchen fast eingeholt.“ (85)
„Auf Burg Knatterstein ging es wieder einmal hektisch zu. Seit kurzem hörte man ein Geräusch auf der Burg. Es kam näher und klang ziemlich komisch. Trapp-schnauf, trapp-schnauf, machte es. Und dann Mröööhhh!“ (7)
„Es zog den Jungen zum Tor, und nun erkannte Darwen das dicke, faserige Tentakel, das sich um die Taille des Jungen geschlungen hatte. Er zögerte, erfasste das Entsetzen des Jungen und suchte blitzschnell den Waldboden nach irgendetwas ab, das vielleicht als Waffe dienen konnte.“ (11)
„Kuno Kettenstrumpf … ist ein Ritter ohne Furcht und Tadel. Er liebt Schwertkämpfe, das Burgfräulein Konstanze und Schokoladenkuchen. Mit seinem Pferd Rosinante zieht er in die Welt hinaus und lehrt die Bösewichter das Fürchten, wie es schon sein Urgroßvater Kasimir Kettenstrumpf getan hat.“ (7)
„Das 13-jährige Mädchen Tongli stand an der Tür ihres Hauses und schaute dem mächtigen Nachtvogel nach. Sie war unruhig. Es war fünf Uhr morgens, Zeit für sie, sich auf den Weg zur Schule zu machen. Doch in ihrer Bergwelt herrschte noch immer Nacht.“ (9)