Reiner Engelmann, Wir haben das KZ überlebt
„Heute weiß sie, wie diese Rache – ihre Rache gegen die Nazis – aussieht. Sie geht an Schulen, redet mit Schülerinnen und Schülern, erzählt ihnen von der Zeit, die sie durchlebt hat, von den Konzentrationslagern, die sie überlebt hat.“ (17)
Zehn Menschen, die den Holocaust überlebt haben, erzählen ihre Geschichte, ihre Verfolgung, ihr Kampf ums Überleben, ihr Leid und ihr Grauen, das sie in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten erfahren mussten. Sie erzählen aber auch, wie schwer es nach der Befreiung war, mit dem erlebten Leid, dem Verlust von Familienangehörigen und Freunden, mit der ganzen Erinnerungen umzugehen.
Was tut sich eigentlich täglich am Rand des Systems und kann man den Rand von der Mitte aus beschreiben oder gar verwalten?
„In Afrika entwickelt sich ein anderer Zweibeiner. Aus seinen Rufen wird eine Sprache. Sie erhebt ihn in den Rang eines Homo sapiens (eines verständigen Menschen), das sind wir! Ja wir! Seit 150 000 Jahren haben wir uns nicht grundlegend verändert …“ (10)
Es geht nicht um Gefühle, es geht um das Leben. – Nicht immer ist eine Generation imstande, ihre Absichten halbwegs klar zu formulieren.
Je bürgerlicher und biedermeierlicher die Regeln sind, umso lautloser fällt das Aufbegehren gegen die Konvention aus. Der Widerstand spielt sich nur im Hinterkopf im Aberland ab, wo ab und zu zynische Formulierungen entstehen.
„Ich kann noch andere Geräusche hören außer dem grün duftenden Wind und dem Sirren unserer Fahrradreifen: Stimmen, die aus einer fremden Welt in meine vordringen, Füße, die über einen glänzenden Boden eilen und das Keuchen und Pumpen eines Beatmungsgeräts. Ich will nicht zurück. Ich weigere mich, diesen Moment zu verlassen.“ (31)
Lyrik muss sich fallweise eine eigene Bahn durch morastiges Gelände bahnen, dabei besteht ihre Widerstandskraft darin, dass sie sich mitten durch den Alltag eine tragfähige Spur bahnt, ähnlich einem Schneeflug, der alles für die Fahrt am Morgen freihält.
„Ich könnte dir helfen. Vielleicht finden wir heraus, wann genau der Vesuv explodieren wird“, sagte er. „Vulkane explodieren nicht, sie brechen aus, Carlo“, antwortete Rosa. „Habe ich dir denn gar nichts beibringen können?“ „Aber das ist doch so etwas wie eine Explosion“, beharrte Carlo. „Also, nimmst du mich mit? Bitte, Mama!“ (11)
Mit dem berühmten starken Anfangssatz brennt sich ein Roman unauslöschlich in das Gedächtnis der Leserschaft. „Jeden Sonntagmorgen, seit 1998, wachte Samuel Bly alleine auf und masturbierte.“ (9)
„Eines Tages erfuhren wir von Opa, wie er zum zweiten Mal in seinem Leben geheiratet hatte. »Es war eine unglaubliche Geschiche, wenn ihr sie hören wollt, passt gut auf!« Dann fing Opa an zu erzählen …“