Joachim Gunter Hammer, Die Schattenflöte
Wenn sich Siebzehn-Silber über das Land legen, naturgemäß silbrig, denkt die lyrische Seele an dieses fernöstliche feine Netz, das dort in Gestalt von Haikus Nächtens über die Hügel gelegt wird.
Joachim Gunter Hammer steckt seinen Kosmos im steirischen Hügelland unter die magische Silbendecke und bestrahlt alles mit poetischen Partikeln, die dem Kürbis den letzten Glanz verleihen.
„»Großvater, warum ist die Schnecke so langsam?« Ich sagte, im Moment hätte ich keine Antwort; aber ich versprach, ihm eine zu geben, ich wisse noch nicht wann, aber er werde eine Antwort bekommen. Da ich mir zugutehalte, zu meinem Wort zu stehen, soll diese Geschichte nun der Versuch einer Antwort sein.“ (5)
Das Tau der Zeitgeschichte wird aus vielen Fasern geflochten, nur die Vielfalt der Darstellung kann der jeweils komplexen Gesellschaft halbwegs gerecht werden. Freilich beschränkt sich die jeweilige Literaturwahrnehmung oft auf ein paar schwarz-weiße Strähnen, denn wenn schon der Stoff kompliziert ist, soll für schlichte Zeitgenossen wenigstens die Darstellung einfach sein.
„Wissenschaft ist die permanente Suche nach Wahrheit – ein ständiger Versuch zu enthüllen, wie das Universum funktioniert, der bis in die ältesten Kulturen zurückreicht.“ (12)
„Gier und Macht sind stets eine gefährliche Mischung. Zu Kriegszeiten dehnt sich die Macht aus, und leicht folgt ihr die Gier auf dem Fuße. Je mehr die amerikanische Infrastruktur zur Terrorbekämpfung wächst, desto schwerer ist es geworden, sie unter Kontrolle zu halten.“ (12)
„Einmal lernte ich im Kindergarten die Uhr. Neun Uhr, zehn Uhr, ein Uhr, zwei Uhr. Um drei holte mich Papa ab. Normalerweise. Aber er war nicht da. Schließlich ging ich allein nach Hause. Wir wohnten gleich um die Ecke. Aber warum kam er nicht? Was war passiert?“
Seit Jahrhunderten gilt der Garten sowohl in seiner floristischen als auch in seiner literarischen Form als der Inbegriff für das Paradies.
„Im Vollbesitz unserer geistigen und körperlichen Kräfte geben wir an diesem 15. April unseres zweiten Jahres auf der Franklin-Oberschule bekannt, dass Laura Jensen und John Conlan sich dazu entschlossen haben, Tatsachen und nichts als Tatsachen über unsere Erlebnisse mit Mister Angelo Pingati wiederzugeben.“ (5)
Was für ein schöner Widerspruch! Das für Jahrhunderte gedachte Denkmal trifft auf den filigranen Schnee, der immer zur falschen Zeit kommt.
„»Wir haben das Monster auch gesehen! Wir haben es auch gesehen!«, tschirpten die anderen Vögel und schwirrten kreuz und quer durcheinander. Dem Otter wurde ganz schwindlig. Sein Fell sträubte sich, es sah aus, als hätte es sich in eine Bürste verwandelt. Gab es noch Monster?“ (37 f)