Aktuelle Buchtipps

 

Richard Wall, Streith

h.schoenauer - 27.07.2014

Neben esoterischen Legenden, wo „Streith“ eine Art Gemüts-Materie ist, findet man unter Streith vor allem eine Geländeparzelle auf halbem Weg von Großgerungs nach Großpertholz. Wem diese Groß-Orte zu unbekannt sind, sie liegen im Großraum Weitra /NÖ.

Richard Wall sucht seine Gedichte oft in historisch entlegenen, zu Steinfeldern zerlegten Flecken weitab von den Koordinaten der Überland-Navis. Das lyrische Ich taucht jäh auf einer Lichtung auf, pflückt archaisches Werkzeug aus dem Boden und hackt eine Ansicht frei.

Yussi Pick, Das Echo-Prinzip

h.schoenauer - 24.07.2014

Im Online-Verkehr herrscht ein dermaßen großer Speed, dass nicht alle dargestellten Maßnahmen bei der Drucklegung des Buches noch aktuell sind.

Yussi Pick weiß um die Schnelllebigkeit des Online-Wesens, deshalb lautet seine wichtigste These gleich zu Beginn: Die modernen Medien lösen einander nicht ab sondern funktionieren als gegenseitige Ergänzung.

Fanny Britt, Jane, der Fuchs und ich

andreas.markt-huter - 22.07.2014

„Meistens schaffe ich zwischen der Schule und zu Hause dreizehn Seiten. Manchmal ist Geneviève mit im Bus und ich höre sie hinten mit den Jungs über mich lästern. Dann blättere ich um, ohne wirklich zu lesen, weil mir das Herz in den Ohren trommelt.“ (16)

Hélène besucht die fünfte Schulklasse und wird von ihren Mitschülern gemobbt. An keinem Platz in der Schule fühlt sie sich mehr sicher und wohl, überall fürchtet sie sich vor dem gemeinen Getratschte der anderen und ihren Sprüchen an den Wänden. Ihren einzigen Trost findet Hélène in Charlotte Brontës Roman „Jane Eyre“.

Reinhard Kaiser-Mühlecker, Schwarzer Flieder

h.schoenauer - 20.07.2014

Der Bauernroman gilt in seiner Verkitschung durchaus als folkloristische Begleitmusik zu touristischen Werbekampagnen, der Bauern-Sterberoman hingegen hat noch das Zeug zu Sozialkritik und authentischer Dokumentation.

Reinhard Kaiser-Mühlecker setzt daher im Roman „Schwarzer Flieder“ seine Figuren in ein bäuerliches Ambiente und lässt sie darin verrecken. Held ist der studierte Agrarier Ferdinand, der im Wiener Ministerium die Landwirtschaft nach wissenschaftlichen Parametern dokumentiert. Der Sektionschef unterstützt ihn freundschaftlich, die Freundin Susanne lebensorientiert, so dass er sie heiraten möchte. Da aber bringt sich Susanne um und Ferdinand gerät in eine Krise, weil man ihn unter der Hand für die Ursache ihres Suizids hält.

Giwi Margwelaschwili, Verfasser unser

h.schoenauer - 17.07.2014

„Ein Text ist zwar ein Gefängnis, aber guck mal nach, wo es löchrig wird.“ (102) Mindestens so abenteuerlich-grotesk wie der Lebenslauf Giwi Margwelaschwilis ist natürlich auch seine Literatur.

Der Autor wird seinerzeit 1946 vom sowjetischen Geheimdienst aus Berlin nach Georgien entführt, woraus er erst vierzig Jahre später wieder ausreisen darf. Mittlerweile wieder freiwillig nach Tiflis zurückgekehrt, kennt er sich in der deutschen und georgischen Literatur aus, die oft über erst einen bürokratischen Vorgang zur vollen Entfaltung kommt.

Eoin Colfer, Der Quantenzauberer

andreas.markt-huter - 15.07.2014

„Das WARP ist schon seit über dreißig Jahren ein zentraler Teil des FBI.“ „Wofür steht WARP überhaupt?“, hatte Chevie gefragt. Witmeyer ging gerade die Mails auf seinem Bildschirm durch. „Äh … Wittness Anonymous Relocation Programme – anonymes Zeugenschutzprogramm.“ (20)

Chevron Savano ist eine 17-jährige FBI-Agentin indianischer Abstammung, die zu Unrecht nach London strafversetzt wird, um im Auftrag von WARP eine Metallkapsel zu bewachen, die sich als Zeitreisemaschine entpuppt. Als die Maschine ganz unerwartet aktiv wird und einen toten Wissenschaftler sowie den 14-jährigen Riley aus dem 19. Jahrhundert freigibt, beginnt ein geradezu unglaubliches Abenteuer und eine nervenzerreisende Flucht vor dem grausamen Auftragskiller und Zauberer Albert Garrick.

Geraldine Friedrich (Hg.) Reisen mit Kindern

andreas.markt-huter - 13.07.2014

„Die Frage ist: was wollen die Eltern, was gefällt den Kindern und wie lassen sich beide Bedürfnisse in einer begrenzten Zeit unter einen Hut bringen?“ (4)

Verreisen mit Kindern bedeutet nicht nur, sich auf Entspannung und Urlaub zu freuen, sondern auch sehr viel Alltagsarbeit und die Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Kinder zu berücksichtigen. Der Reiseratgeber bietet zahlreiche Tipps für unterschiedliche Urlaubsformen, die von Reisen mit Kleinkindern durch Afrika über einen Urlaub mit Eseln in Südfrankreich bis hin zum Camping in Nordnorwegen oder einem Familienurlaub in New York reichen.

Herfried Münkler, Der Große Krieg

andreas.markt-huter - 10.07.2014

„Der Große Krieg von 1914 bis 1918 war nicht nur die ‚Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts‘ wie ihn der amerikanische Diplomat und Historiker George F. Kennan bezeichnet hat, sondern auch das Laboratorium, in dem fast alles entwickelt worden ist, was in den Konflikten der folgenden Jahrzehnte eine Rolle spielen sollte …“ (9)

Vor 100 Jahren begann der Große Krieg bzw. der 1. Weltkrieg der in den Augen eines Großteils der damaligen Zeitgenossen spätestens bis Weihnachten 1914 entschieden sein sollte. Stattdessen dauerte der Krieg vier Jahre und verdrängte Europa mit seinen Toten, Zerstörungen und Vermögensverlusten von der Spitze der großen Weltpolitik. Wie es dazu kam und weshalb es den europäischen Mächten nicht gelang, den Krieg zu beenden, analysiert Herfried Münkler minutiös in seinem großen Geschichtswerk „Der große Krieg“.

Saskia Hula, Besetzt!

andreas.markt-huter - 08.07.2014

„Am nächsten Tag wusste die ganze Schule, dass sich jemand Gefährlicher auf den Klos herumtrieb. Jemand Großer in schwarzen Schuhe, möglicherweise mit einem Messer bewaffnet und vermutlich ziemlich blutrünstig.“ (16)

In der Neun-Uhr-Pause geht Wanda aufs Klo und sieht zu ihrem Erstaunen auf dem Mädchenklo ein paar großer, schwarzer Schuhe, schwarze Socken und eine schwarze Hose. Erschrocken erzählt sie es ihrer Klassenfreundin Federica, die gleich darauf ebenfalls erstaunt über die großen schwarzen Schuhe zurückkommt. Als die anderen Mädchen in der folgenden Pause ebenfalls auf Klo gehen, sind die schwarzen Schuhe zwar weg, dafür befindet sich nun ein unauffälliger roter Fleck auf dem Boden.

Picus-Verlag: Erich Hackl / Evelyne Polt-Heinzl (Hg.): Im Kältefieber

h.schoenauer - 06.07.2014

Der Österreicher ist ein begeisterter Kaiser-Fan, SUV-Driver und Schifahrer, da hat er es nicht gern, wenn er an Diktatur und Bürgerkrieg erinnert wird.

Anlässlich 80 Jahre Österreichischer Bürgerkrieg haben Erich Hackl und Evelyne Polt-Heinzl ein Lesebuch zu den Februartagen 1934 herausgebracht. Nicht nur der „Termin“ des Bürgerkrieges wird geflissentlich verdrängt, auch die Texte darüber sind längst unter der Staubschicht des österreichischen Vergessens von der Gegenwart abgeschottet.