Franziska Gehm, Irgendwo zwischen den Welten

Andreas Markt-Huter - 30.05.2026

Franziska Gehm, Irgendwo zwischen den WeltenIch sitze im Zug. Oder besser: Mein Körper sitzt im Zug. Der Rest von mir liegt noch im Bett. In meinem schönen, weichen Bett. In meinem schönen, dunklen Zimmer Ich schließe die Augen, versuche, mich zurück in mein Bett zu beamen. Was echt schwierig ist, weil: Es riecht nach Pommes-Bude. Direkt neben mir. Ein Mann mit gelber Warnweste und Fahrradhelm auf dem Schoß sitzt am Fenster. Nach Pommes sieht er nicht aus. Eher nach Spargel. (S. 9)

Wie jeden Tag fährt Matus mit dem Zug in die Schule und wie jeden Tag sollte der Zug für ca. 30 Sekunden durch einen Tunnel fahren. Doch an diesem Tag, scheint alles anders zu sein. Als Matus, wie immer bis 30 zählt, bleibt es weiterhin draußen dunkel, obwohl der Zug sich nicht langsamer bewegt als üblich. Auch nach 60 Sekunden kommt der Zug noch nicht aus dem Tunnel.

Als der Jungen die Mitfahrenden darauf aufmerksam machen will, dass etwas nicht stimmt, schenken diese ihm keine Beachtung. Schließlich begibt er sich zu Fahrerraum, dessen Kabine leer ist.

„Dieser Zug rast ohne Fahrer durch einen Tunnel, der nicht aufhört.“ (S. 22)

Als Matus einen Knopf über dem Fahrersitz drückt, um nach Hilfe rufen, hält der Zug mit einem schrillen Quietschen an. Als er aus dem Fenster blickt, ist auch der Tunnel plötzlich verschwunden und grelles Sonnenlicht dringt blendend herein. Der Zug hat auf freier Strecke im Nirgendwo gehalten. Auf der Rückkehr zu den Waggons kann der Junge merkwürdigerweise keinen Menschen mehr entdecken.

Am Zugende strahlt helles Sonnenlicht durch die offene Tür, durch die er den Zug verlässt und sich in einer unbekannten Landschaft wiederfindet. Kein Mensch weit und breit bis er plötzlich, keine fünf Schritte entfernt eine Frau entdeckt. Als sie sich umdreht, erkennt er ein Mädchen, kaum älter als er selbst.

Franziska Gehm erzählt die rätselhaft kafkaeske Geschichte eines Jungen, der sich aus einer alltäglichen Situation plötzlich in eine fremde undurchsichtige Welt versetzt sieht. Dabei sieht er sich einem geheimnisvollen Mädchen gegenüber, mit der er in eine eigenwillige Kommunikation tritt.

Ein ebenso spannender wie außergewöhnlicher Roman für Jugendliche in einfacher Sprache, in der sich die Grenze der alltäglichen Wahrnehmung auflösen und dessen erstaunliche Geschichte die Leserinnen und Leser immer mehr in ihren Bann zu ziehen vermag.

Franziska Gehm, Irgendwo zwischen den Welten. Aus d. Reihe: Super lesbar (Leseniveau ab 9), ab 13 Jahren
Weinheim: Gulliver Verlag 2026, 104 Seiten, 11,90 €, ISBN 978-3-407-82478-3

 

Weiterführende Links:
Gulliver Verlag: Franziska Gehm, Irgendwo zwischen den Welten
Wikipedia: Franziska Gehm

 

Andreas Markt-Huter, 03-03-2026

Bibliographie
Autor/Autorin:
Franziska Gehm
Buchtitel:
Irgendwo zwischen den Welten
Erscheinungsort:
Weinheim
Erscheinungsjahr:
2026
Verlag:
Gulliver Verlag
Reihe:
Super lesbar
Seitenzahl:
104
Preis in EUR:
11,90
ISBN:
978-3-407-82478-3
Lesealter:
Altersangabe Verlag:
13
Zielgruppe:
Kurzbiographie Autor/Autorin:
Franziska Gehm wurde in Sondershausen geboren. Nach ihrem Studium in Deutschland, England und Irland arbeitete sie bei einem Wiener Radiosender, an einem Gymnasium in Dänemark und bei einem Kinderbuchverlag. Sie hat mittlerweile zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Heute lebt sie als Autorin und Übersetzerin mit ihrer Familie in München.